Open Air: 11 schöne Kunst- und Architekturspaziergänge in und um Berlin

Der Spaziergang hat gezwungenermaßen eine Renaissance erlebt. Auf Dauer werden die immer gleichen Routen ohne Ziel und ohne Überraschungen dann aber doch ein bisschen langweilig. Wer sich für Kunst im öffentlichen Raum und die Architektur unserer wunderschönen Stadt interessiert, die man auch open air ansehen und bestaunen kann, wird sich über diese 11 schönen Kunst- und Architekturspaziergänge in und um Berlin freuen. Viel Spaß beim Entdecken!

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Reinbeckhallen, Oberschöneweide

© Insa Grüning Über das Kunst- und Kulturareal der Reinbeckhallen in Schöneweide spazieren

Im Osten Berlins, genauer gesagt in Oberschöneweide, kann man nicht nur hervorragend an der Spree entlang spazieren, sondern auch postindustriellen Charme erleben. Ein schönes Ziel für alle Kunstinteressierten sind die Reinbeckhallen. Die "Stiftung Reinbeckhallen. Sammlung für Gegenwartskunst" hat die Hallen saniert und zu einem belebten Ort für Kunst gemacht. Seit einigen Jahren zieht es immer mehr Künstler*innen her, die hier ihre Ateliers haben und arbeiten. Darunter Bryan Adams, Jorinde Voigt oder Alicja Kwade. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig, schaut am besten vorher einmal hier rein, aber auch ein Spaziergang über das schöne Kunstquartier am Wasser mit Blick auf den Kaisersteg lohnt sich schon.

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© Marit Blossey Bei einem Audiowalk über die Karl-Marx-Allee Geschichte und Kultur entdecken

Die Karl-Marx-Allee ist bekannt als der Prachtboulevard des Berliner Ostens. Wer hier schon öfter lang spaziert ist, weiß: Das stimmt! Wenn ihr mehr über die spannende Geschichte der DDR-Architektur aus den 1950er Jahren – von den Turmbauten am Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz – erfahren wollt, empfehlen wir euch mal ein genaueren Blick auf das Projekt "Kunst im Stadtraum Karl-Marx-Allee" zu werfen. In diesem Zuge werden von Frühjahr bis Herbst 2021 auch zahlreiche Entwürfe mit Skulpturen und Kunstwerken für das Quartier rund um das Kino International und Café Moskau entstehen. Klingt spannend? Dann ladet euch hier die im Rahmen des Projektes entstandenen Radiosendungen bei Mixcloud runter und los geht der Audiowalk!

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© Insa Grüning Durch die Großwohnsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg und Spandau laufen

Die Siemensstadt im Berliner Westen ist im Prinzip ein eigener Ort mit allem, was man zum Leben braucht. Das Viertel ist ein Mix aus Industriebauten sowie groß angelegten Wohnsiedlungen, was der Gegend in Charlottenburg-Nord und Spandau einen ganz eigenen und speziell anmutenden Charme verleiht. Die Ursprungsidee hinter dem groß angelegten Bauprogramm war, den Siemensarbeitern kostengünstige Wohnungen (die im Schnitt 54 qm groß waren) ganz in der Nähe ihrer Arbeit zur Verfügung zu stellen. Der Gesamtbebauungsplan stammt von Architekt Hans Scharoun, die einzelnen Siedlungen wurden jedoch auch von anderen Mitgliedern der Architekturgemeinschaft "Der Ring" geplant, zwischen 1929 und 1931 gebaut und gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wer sich für Architekturgeschichte interessiert, der sollte die Kamera einpacken und unbedingt einen Spaziergang durch die Siemensstadt machen.

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© Felix Kayser An der größten Open-Air-Galerie der Welt entlang spazieren

Berlin ist eine Hochburg, wenn es um Kunst im öffentlichen Raum geht. Die East Side Gallery gehört mit ihren 1,3 Kilometern zu den längsten Open-Air-Galerien der Welt und erinnert zugleich an die bewegte Geschichte des geteilten Berlins. Auf den Mauerresten haben sich ab 1990 Künstler*innen mit verschiedenen Motiven verewigt, die an "die Überwindung des eisernen Vorhangs in Europa" und die Freude über eine friedliche Revolution und den Mauerfall von 1989 erinnern sollen. 2009 wurde die East Side Gallery saniert. Mittlerweile befinden sich wieder über 100 großformatige Murals an der Mauer, die jedes Jahr mehr als drei Millionen Tourist*innenen anzieht. Seit 2018 steht die East Side Gallery auch unter Denkmalschutz.

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Haus am Waldsee, Skulpturenpark

© Jean-Pierre Dalbéra | FlickrCC BY 2.0 Ausflug in den Skulpturenpark am "Haus am Waldsee"

Im Haus am Waldsee, einer Villa im englischen Landhausstil, findet ihr Gegenwartskunst von internationalen Künstler*innen, die in Berlin leben und arbeiten. Gezeigt werden Malerei, Zeichnung, Videokunst, Skulptur, Design, Architektur in wechselnden Ausstellungen. Ein nettes Café (momentan nur to go!) und einen Shop gibt’s obendrauf. Auch den Skulpturenpark im wunderschönen Garten am See ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 12 bis 16 Uhr geöffnet – solltet ihr euch unbedingt mal anschauen. Es ist so schön dort!

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© Insa Grüning Die Hufeisensiedlung Britz von Bruno Taut angucken

Die Großsiedlung im Ortsteil Britz wurde nach ihrer zentralen Baugruppe benannt, die zwischen 1925 und 1933 in Hufeisenform angelegt wurde. Die Pläne stammen von Bruno Taut, der als wichtiger Vertreter des sogenannten Neuen Bauens gilt und seine Bauten stets nach der Devise "Große Architektur für kleine Leute" entwarf. Die Hufeisensiedlung in Britz mit seinen über 100 Wohnungen, die alle nach dem gleichen Grundriss funktionieren, gilt als programmatisches Bauprojekt, weil es als Antwort auf die damals akute Wohnungsnot in Berlin verstanden werden wollte. Stilistisch ist die Wohnsiedlung eher funktional und zurückhaltend gestaltet, wer sich aber genauer mit der Architektur dieser Zeit beschäftigt und ein Auge fürs Detail hat, wird der Schönheit dieses Baustils schnell verfallen. In der Mitte des Hufeisens ist übrigens ein See angelegt und jedes Einfamilienhaus hat zudem Zutritt zu einem Garten.

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© Stiftung Berliner Leben Street-Art auf der Bülowstraße rund um das Urban Nation entdecken

Ihr interessiert euch für Street-Art? Dann ist ein Ausflug nach Schöneberg zum Street-Art-Museum Urban Nation genau das Richtige. Rund und um die Bülowstraße in Schöneberg könnt ihr auch den umliegenden Kiez abklappern, denn nicht nur die Fassade des Urban Nation wechselt regelmäßig seine Gestaltung, auch die nähere Umgebung ist bunt. An zahlreichen Hauswänden und Brücken findet ihr Graffiti von namhaften Künstler*innen der Szene. Wer sich für Street-Art in der ganzen Stadt interessiert, findet hier eine passende Map für Berlin. Packt eure Kamera ein und los geht's!

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The Wings, Skulptur, Daniel Liebeskind, Siemens Verwaltungsgebäude

© Insa Grüning "The Wings"-Skulptur von Daniel Libeskind anschauen und danach durch Siemensstadt spazieren

Wenn es euch mal in die Siemensstadt verschlägt, solltet ihr unbedingt vor dem Eingang des Siemens-Gebäudes Halt machen, denn hier steht die 10 Meter hohe Skulptur "The Wings" von Architekt und Künstler Daniel Libeskind, der unter anderem auch das Jüdische Museum Berlin entworfen hat. Im Zusammenspiel mit der historischen Fassade des Gebäudes entsteht so ein besonders schönes und kontrastreiches Zusammenspiel zwischen Alt und Neu. Insgesamt existieren vier dieser beeindruckenden Aluminium-Skulpturen, die eine "Innovation Bridge" zwischen wichtigen Siemensstandorten auf der Welt bilden.

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© Insa Grüning Durch das Hansaviertel schlendern

Das Hansaviertel ist ein schon 1874 gegründetes Wohngebiet, das sich zwischen der Spree und dem Großen Tiergarten befindet. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so folgen einige der Wohnblöcke des Hansaviertels doch stringent der Bauhaus-Logik. Die Hochhäuser sind funktional durchkomponiert und nach einem Prinzip gebaut, die den Bewohner*innen möglichst viel Raum und Licht gewähren sollen. Eine der zentralen Bauhaus-Forderungen bestand nämlich darin, den Menschen Erholungsräume und ein Kontrastprogramm vom Leben in der (okay, momentan nicht ganz so) hektischen Großstadt anzubieten. Dazu gehören Grünanlagen, eine gute Infrastruktur und natürlich nahe liegende Geschäfte für den alltäglichen Bedarf. Wenn ihr mal im Tiergarten unterwegs seid, könnt ihr hier gemütlich durch das Viertel schlendern.

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© Christiane Kuerschner Neues Bauen in Weißensee in der Taut-Siedlung bestaunen

In Weißensee gibt es nicht nur alte Dorfkirchen und niedliche Klinkerbauten. Dort war auch der Architekt und Stadtplaner Bruno Taut tätig, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Neue Bauen in den Berliner Norden brachte. Die Architekturrichtung ist eine Mischung aus De Stijl, Bauhaus und der Neuen Sachlichkeit und bezwingt deshalb durch auffallende Klarheit. Sowohl in der Buschallee wie auch der Trierer Straße finden sich Beispiele des Neuen Bauens, die zwischen 1925 und 1929 entstanden.

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Case Maclaim

© Insa Grüning Auf den Spuren versteckter Kunst wandeln

Streetart-Führungen durch die künstlerischen Reichtümer des öffentlichen Raums lassen Kinder wie Erwachsene die Stadt neu entdecken. Da Berlin im Bereich Streetart und Graffiti ganz weit vorne dabei ist, lohnt es sich sehr, einen Guide heranzuziehen und dem Blick der Kleinen zu folgen. Streetart-Führungen, wahlweise durch die Bezirke Friedrichshain, Kreuzberg oder Neukölln, dauern circa zwei Stunden und eignen sich für Kinder ab fünf Jahren.

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