11 Bauten und Siedlungen in Berlin, die vom Bauhaus inspiriert sind

Wer kulturinteressiert ist, dem wird nicht entgangen sein, dass das Bauhaus dieses Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert. Zahlreiche Museen verneigen sich mit großen Ausstellungen vor einer Schule, dessen Ästhetik ein ganzes Jahrhundert geprägt hat. Die staatliche Bauhaus-Schule hat zwar streng genommen nur von 1919 bis 1933 existiert, die stilistischen Errungenschaften sowie die inhaltliche Programmatik haben aber bis heute Bestand. Sie sind sogar wieder erstaunlich aktuell. Neben Weimar und Dessau, war Berlin der drittwichtigste Stand- und Wirkungsort für die Bauhäusler. Die Zusammenführung von Kunst, Design und Handwerk durchdrang so ziemlich jeden Lebensbereich, so auch die Architektur. Fundamental veränderte Lebensverhältnisse brachten neue Herausforderungen im Wohnungsbau mit sich, für die Bauhaus-Architekten wie Walter Gropius oder Mies van der Rohe neue Lösungen suchten.

Sie formulierten Grundsätze für das Neue Bauen, das den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird und zugleich einen funktionalen, aber unverwechselbarem Stil verpflichtet ist. Ihre Arbeiten gelangten im Laufe des 20. Jahrhunderts zu großer Berühmtheit und werden bis heute vielfach kopiert. Eine Antwort auf die in den 1920er und 1930er Jahren existierende Wohnungsnot waren etwa große Wohnsiedlungen, von denen in Berlin gleich mehrere entstanden und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Wir haben uns durch die Stadt geschlagen und uns einige der vom Bauhaus inspirierten Bauten mal genauer angesehen. Auch wenn sie zum Teil erst viel später entstanden sind, stehen sie doch in der Tradition des Bauhauses. Wer sich darauf einlässt, wird schnell die Schönheit in der Architektur dieser Zeit sehen. Viel Spaß mit unserem Bauhaus-Architektur-Guide für Berlin!

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© Insa Grüning Durch die Großwohnsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg und Spandau spazieren

Die Siemensstadt im Berliner Westen ist im Prinzip ein eigener Ort mit allem, was man zum Leben braucht. Das Viertel ist ein Mix aus Industriebauten sowie groß angelegten Wohnsiedlungen, was der Gegend in Charlottenburg-Nord und Spandau einen ganz eigenen und speziell anmutenden Charme verleiht. Die Ursprungsidee hinter dem groß angelegten Bauprogramm war, den Siemensarbeitern kostengünstige Wohnungen (die im Schnitt 54 qm groß waren) ganz in der Nähe ihrer Arbeit zur Verfügung zu stellen. Um möglichst viel Wohnraum auf einem begrenzten Gebiet zu schaffen, setzte man deshalb auf die sogenannte Zeilenbauweise. Der Gesamtbebauungsplan stammt von Architekt Hans Scharoun, die einzelnen Siedlungen wurden jedoch auch von anderen Mitgliedern der Architekturgemeinschaft "Der Ring" geplant und zwischen 1929 und 1931 gebaut. Die Siedlung in Charlottenburg-Nord, in der sich beispielsweise der Wohnblock von Hugo Häring oben im Bild befindet, hat deshalb auch den Beinamen Ringsiedlung erhalten und ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Wer sich für Architekturgeschichte interessiert, der sollte die Kamera einpacken und unbedingt einen Spaziergang durch die Siemensstadt machen. Ihr trefft auf ein Stück Zeitgeschichte.

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© Insa Grüning Die Hufeisensiedlung Britz von Bruno Taut angucken

Die Großsiedlung im Ortsteil Britz wurde nach ihrer zentralen Baugruppe benannt, die zwischen 1925 und 1933 in Hufeisenform angelegt wurde. Die Pläne stammen von Bruno Taut, der als wichtiger Vertreter des sogenannten Neuen Bauens gilt und seine Bauten stets nach der Devise "Große Architektur für kleine Leute" entwarf. Die Hufeisensiedlung in Britz mit seinen über 100 Wohnungen, die alle nach dem gleichen Grundriss funktionieren, gilt als programmatisches Bauprojekt, weil es als Antwort auf die damals akute Wohnungsnot in Berlin verstanden werden wollte. Stilistisch ist die Wohnsiedlung eher funktional und zurückhaltend gestaltet, wer sich aber genauer mit der Architektur dieser Zeit beschäftigt und ein Auge fürs Detail hat, wird der Schönheit dieses Baustils schnell verfallen. In der Mitte des Hufeisens ist übrigens ein See angelegt und jedes Einfamilienhaus hat zudem Zutritt zu einem Garten.

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© Pavel Nekoranec/Unsplash Zum Corbusierhaus im Berliner Westen fahren und ein tolles Foto machen

Das Corbusierhaus im Berliner Westen wird im Volksmund auch gerne als "Wohnmaschine" bezeichnet. Der Hochhausbau ist 1957 in der Tradition des Bauhauses von dem Architekten Le Corbusier errichtet worden und vor allem für alle Hobby-Fotografen ein echtes Schmankerl. Die klaren Linien, die geometrisch angeordneten und farblich akzentuierten Kästchen, mit denen Le Corbusier spielt, lassen den Gesamtkomplex wie eine große moderne Skulptur erscheinen, nur leben hier tatsächlich Menschen. Viele Menschen auf wenig Raum. Insgesamt bietet das Hochaus auf 17 Etagen Platz für 530 Wohnungen. Wer eine gute Aufnahme des Hauskomplexes vor strahlend blauem Himmel erhaschen will, steigt einfach an der S-Bahn Olympia-Stadion aus. Von da aus ist es nicht mehr weit zum Corbusierhaus.

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© Annette Hauschild Die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe besuchen Geschlossen

Mies van der Rohe war selbstverständlich ein großer Verfechter der Bauhaus-Philosophie und ab 1930 auch für kurze Zeit Direktor der Kunstschule. In Berlin sind bis heute einige wegweisende Bauten des Stararchitekten der Klassischen Moderne zu finden. Eines seiner bekanntesten Gebäude ist zweifelsohne die Neue Nationalgalerie, die zwar erst 1968 eröffnet wurde, aber dennoch sichtlich von den Leitsätzen der Bauhaus-Architektur beeinflusst ist. Die Sockelplattform, die schweren Stahlträger und großen Fensterfassaden des Museumsbaus gelten als typische Stilelemente Mies van der Rohes und haben Architekturgeschichte geschrieben. Seit 2015 wird die Neue Nationalgalerie erstmals saniert und bleibt für Besucher geschlossen, für 2020 ist die Wiedereröffnung geplant.

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© Hella Wittenberg Die berühmt-berüchtigte Gropiusstadt in Neukölln anschauen

Wenn man über die Berliner Gropiusstadt spricht, denken viele zuerst an Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Die Protagonistin wuchs hier, an einem sozialen Brennpunkt mit unendlichen Hochhäuserfassaden in Neukölln, auf. Die wenigsten wissen allerdings, dass die Trabantenstadt im Jahre 1962 als modelltypische Großwohnsiedlung angelegt wurde und mit rund 18.500 Wohnungen vor allem Wohnraum für gering verdienende Menschen schaffen sollte. Hinter den Plänen für Gropiusstadt steckt, wie der Name schon andeutet, Bauhaus-Architekt Walter Gropius. Wer sich ein wenig 80er Jahre Nostalgie um die Nase wehen lassen will, sollte seinen Kaffee zur Abwechslung mal nicht im hippen Neukölln schlürfen, sondern seine Vorurteile beiseite schieben, sich hier her begeben und dabei das urbane Treiben in einer völlig anderen Welt beobachten. Sehr zu empfehlen!

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Frank van Leersum | flickr CC BY-NC 2.0 Auf einen Sonntagsspaziergang zu Onkel Toms Hütten in Zehlendorf

Wer an der FU studiert oder studiert hat, dem wird die U-Bahnstation Onkel Toms Hütte sicher schon einmal aufgefallen sein. Onkel Toms Hütte ist aber nicht nur der Name der Haltestelle, so heißt auch eine Waldsiedlung in Zehlendorf, die im Bauhaus-Look daherkommt und sich unweit des U-Bahnhofs befindet. Verantwortlich zeichnet sich übrigens der Architekt Bruno Taut, der nahezu jedes einzelne Haus der Siedlung in ordentlich Farbe tünchte. Das bunte Wohnungsensemble aus den 1920er Jahren ist deshalb auch besser unter dem Namen "Papageiensiedlung" bekannt und zieht Scharen von Touristen an, die ein Foto machen wollen. Seit 1995 steht die Waldsiedlung außerdem unter Denkmalschutz. Wer noch nach einem Ausflugsziel für einen Sonntagsspaziergang sucht, ab in die U3 und raus aus der Stadt!

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Moritz Bernoully | flickr CC BY-NC-ND 2.0 Sich die Weiße Stadt in Reinickendorf erschließen

Ganz ehrlich, wann kommt ihr schon mal nach Reinickendorf? Vermutlich genauso selten wie wir. Das könnte sich aber vielleicht demnächst ändern, denn genau hier befindet sich nämlich die Weiße Stadt. Die Großsiedlung entlang der Schillerpromenade ist ein Symbol für modernes Bauen in Berlin und wurde von dem Architekten-Trio Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg konzipiert. Die Pläne für die weißen Wohnblöcke entstanden wohl schon vor dem ersten Weltkrieg, gebaut wurden sie aber erst in den 1920er Jahren, genau genommen zwischen 1928 und 1931. Wie bei den anderen Berliner Wohnsiedlungen im Bauhaus-Stil stand auch hier der soziale Wohnungsbau im Vordergrund. Das bedeutete auch: Friseur, Waschsalon und andere Geschäfte waren ganz in der Nähe zu finden. Das ist bis heute so geblieben, denn noch immer leben hier rund 2000 Menschen.
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Melaine 22 | flickr CC BY-SA 2.0 Mit dem Fahrrad durch die Wohnstadt Carl Legien im Prenzlauer Berg fahren

Die Wohnstadt Carl Legien, im östlichen Prenzlauer Berg gelegen, gehört zu den vielen Großwohnsiedlungen der Moderne, die in Berlin entstanden sind. Gebaut wurde die Anlage namens Carl Legien von 1928 bis 1930 im Zuge des Wohnungsbauprogramms der Weimarer Republik nach Plänen von Franz Hillinger und Bruno Taut (der wirklich fast überall seine Finger im Spiel hatte). Ähnlich wie bei der Hufeisensiedlung in Britz, handelt es sich um mehrere kubistische Wohnblöcke, die in einer runden U-Form angelegt wurden. Grüne Parkanlagen, Loggien und Balkone lassen die Siedlung größer erscheinen, als sie eigentlich ist. Für Familien mit Kindern waren die Wohnungen jedoch eher nicht geeignet, denn diese beschränken sich allesamt auf zwei Zimmer.

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Die beeindruckende AEG Turbinenhalle von Peter Behrens in Moabit bestaunen

Wer einmal in einem Architektur-Einführungskurs gesessen oder sich generell mit Baugeschichte beschäftigt hat, der kommt erstens nicht an den wichtigsten Industriebauten des frühen 20. Jahrhunderts vorbei und zweitens nicht an Peter Behrens, unter anderem Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Zu seinen berühmtesten Bauwerken zählt die AEG-Turbinenhalle von 1909, die sich in der Huttenstraße in Berlin Moabit befindet. Sie gilt als eines der beeindruckendsten Beispiele industrieller Architektur und wurde damals von der AEG in Auftrag gegeben, um darin Dampfturbinen für Kraftwerke herzustellen. Peter Behrens gilt darüber hinaus als Wegbereiter einer modernen, rationalistischen Architektur. In seinem Architektenbüro arbeiteten Anfang des 20. Jahrhunderts spätere Bauhaus-Größen wie Mies van der Rohe, Walter Gropius und Le Corbusier.

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© Insa Grüning Durch das Hansaviertel schlendern

Das Hansaviertel ist ein schon 1874 gegründetes Wohngebiet, das sich zwischen der Spree und dem Großen Tiergarten befindet. Wenn ihr mit der Stadtbahn unterwegs seid, könnt ihr die sogenannten Punkttürme aus der Bahn nicht übersehen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so folgen einige der Wohnblöcke des Hansaviertels doch stringent der Bauhaus-Logik. Die Hochhäuser sind funktional durchkomponiert und nach einem Prinzip gebaut, die den Bewohnern möglichst viel Raum und Licht gewähren sollen. Alle Wohnungen haben beispielsweise Balkone und aus den oberen Etagen muss der Ausblick fantastisch sein. Die Wohnanlagen machen deutlich, wie wichtig die Einbeziehung von Gemeinschaftsorten im sozialen Wohnungsbau der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war. Eine der zentralen Bauhaus-Forderungen bestand nämlich darin, den Menschen Erholungsräume und ein Kontrastprogramm vom Leben in der hektischen Großstadt anzubieten. Dazu gehören Grünanlagen, eine gute Infrastruktur und natürlich nahe liegende Geschäfte für den alltäglichen Bedarf. Wenn ihr mal im Tiergarten unterwegs seid, könnt ihr hier gemütlich durch das Viertel schlendern.

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© Liz Vega In eine Ausstellung im Bauhaus-Archiv in Tiergarten gehen

Das Bauhaus-Archiv im Berliner Stadtteil Tiergarten ist sicherlich den meisten von euch bekannt. Hier befindet sich nicht nur die weltweit größte Bauhaus-Sammlung, deren Exponate immer wieder in Ausstellungen präsentiert werden – nein, hier sitzt auch gleich ein ganzes Forschungsteam, das sich mit der Geschichte und der Wirkung der Kunstschule bis heute beschäftigt. Wenn es euch interessiert, was sich in der Bauhaus-Blütezeit in den Bereichen Kunst, Design und Architektur zugetragen hat, seid ihr hier genau richtig. Und wenn ihr schon mal da seid, könnt ihr euch auch direkt das eigentliche Museumsgebäude mal genauer anschauen, denn das wurde von Bauhaus-Gründer und Direktor Walter Gropius höchstpersönlich entworfen. Obwohl die ursprünglichen Pläne schon 1964 vorlagen, wurde der Bau erst zwischen 1976 und 1979 realisiert, allerdings in modifizierter Form. Trotz vieler stilistischer Einbußen, wurde die von Gropius entworfene, markante Silhouette mit den Shed-Dächern beibehalten und ist bis heute Markenzeichen des Museums. Seit 1997 steht der Bau übrigens unter Denkmalschutz. Aktuell ist das Archiv zwar wegen Umbau bis voraussichtlich 2022 geschlossen, verfügt aber über einen temporären Standort in Berlin-Charlottenburg. Alle aktuellen Hinweise findet ihr auf der Website des Archivs.

Titelfoto: © Pavel Nekoranec | Unsplash

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