Lesevergnügen #9: 11 lesenswerte Bücher zum Thema Alltagsrassismus

© Radu Florin | Unsplash

Man möchte gerne glauben, dass Rassismus in unserer Gesellschaft nicht mehr so eine große Sache ist wie vor ein paar Jahrzehnten. Doch viel zu viele Menschen müssen noch immer täglich Erfahrungen mit Hass, Diskriminierung oder gar Bedrohung aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion machen. Im vergangenen Jahr wurde das besonders deutlich, als tausende Menschen unter dem Hashtag #metwo ihre persönlichen Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus teilten und sie somit für die Öffentlichkeit sichtbar machten. Diese 11 Bücher beschäftigen sich damit, wie fremdenfeindliche, rassistische und diskriminierende Strukturen unsere Gesellschaft noch immer prägen – ein Thema, mit dem sich jede*r Mensch auseinandersetzen sollte.

1. "Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus" von Noah Sow

Noah Sow ist Künstlerin, Musikerin und Autorin, arbeitete jahrelang beim Fernsehen, 1live oder Radio Fritz und hält weltweit Vorträge zum Thema Rassismusbekämpfung. In Deutschland Schwarz Weiß macht sie deutlich, wie tief verwurzelt rassistische Ideen und Klischees in unserem Alltag sind und zeigt, dass wir erst lernen müssen, diese Vorgänge zu benennen, um sie verändern zu können. Das Buch erschien bereits 2008, wurde jedoch im letzten Jahr neu aufgelegt und ist so aktuell wie nie zuvor.

Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus | 344 Seiten | Mehr Info

© Books on Demand | Hanser

2. "Desintegriert Euch!" von Max Czollek

Desintegriert Euch! ist so provokant und unterhaltsam geschrieben, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Max Czollek kritisiert das gängige Bild davon, wer in Deutschland als "guter Migrant" und "schlechter Migrant" gilt und fragt, was diese "deutsche Leitkultur" sein soll, von der immer alle reden. Dabei geht es nicht nur der AfD an den Kragen, sondern dem gesamten deutschen "Gedächtnistheater", in dem die deutschen Juden eine Rolle spielen, und zwar die der "guten Opfer" in einer geläuterten Gesellschaft.

Max Czollek: Desintegriert Euch! | 206 Seiten | Mehr Info

3. "Why I'm No Longer Talking To White People About Race" von Reni Eddo-Lodge

Die Journalistin Reni Eddo-Lodge schreibt unter anderem für die New York Times, Guardian und Independent und wurde unter die 30 "Black Viral Voices Under 30" gewählt. In ihrem ersten Buch, Why I'm No Longer Talking to White People about Race, beleuchtet sie den Rassismus-Diskurs in England und beschreibt auf eindrucksvolle und lehrreiche Weise, was es bedeutet, heutzutage als Person of Colour in Großbritannien zu leben. Das Buch wurde 2018 mit dem British Book Award und vielen weiteren Preisen ausgezeichnet.

Reni Eddo-Lodge: Why I'm No Longer Talking To White People About Race | 272 Seiten | Mehr Info

© Bloomsbury | Droemer

4. "Schonzeit vorbei" von Juna Grossmann

Die deutsche Jüdin Juna Grossmann arbeitet in einer NS-Gedenkstätte und hat ein Buch über ihr Leben mit dem alltäglichen Antisemitismus geschrieben. Sie schildert, wie es sich anfühlt, wenn judenfeindliche Angriffe zunehmen und die Angst vor Hass und Gewalt wächst. Sie appelliert an ihre Leser und Mitbürger: "Steht zu uns, helft uns, greift ein! Denn auch für euch ist die Schonzeit vorbei."

Juna Grossmann: Schonzeit vorbei. Über das Leben mit täglichem Antisemitismus | 157 Seiten | Mehr Info

5. "Between The World and Me" von Ta-Nehisi Coates

"Between The World and Me" von Ta-Nehisi Coates wurde nicht umsonst zum New York Times Bestseller, gewann den National Book Award und wurde für den Pulitzer Preis nominiert. Was bedeutet es, heutzutage als Person of Colour in unserer Gesellschaft zu leben? Können wir uns von der Last unserer Geschichte befreien? Diesen und weiteren großen Fragen widmet sich Ta-Nehisi Coates in Form eines Briefes an seinen Sohn.

Ta-Nehisi Coates: Between The World and Me | 176 Seiten | Mehr Info

© Random House LCC US | S. Fischer

6. Gegen den Hass" von Carolin Emcke

Carolin Emcke engagiert sich immer wieder mit künstlerischen Projekten – seit über zehn Jahren organisiert und moderiert sie zum Beispiel die monatliche Diskussionsreihe Streitraum an der Berliner Schaubühne. In ihrem Essay Gegen den Hass äußert sich Carolin Emcke zu den großen Themen unserer Zeit: Rassismus, Fanatismus, Demokratiefeindlichkeit. Sie steht dafür ein, dass Demokratie allein mit dem Mut, dem Hass zu widersprechen, verwirklicht werden kann, und liefert überzeugende Argumente, um eine offene Gesellschaft zu verteidigen.

Carolin Emcke: Gegen den Hass | 240 Seiten | Mehr Info

7. "The Hate U Give" von Angie Thomas

Zur Abwechslung handelt es sich hier mal um einen Roman – um einen, der so erfolgreich war, dass er ebenfalls auf Platz 1 der New York Times Bestseller-Liste landete und 2018 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. In The Hate U Give geht es um die 16-jährige Starr, die in zwei verschiedenen Welten lebt: Sie kommt aus einem verarmten Viertel, besucht aber eine reiche Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, gerät ihr Leben aus den Fugen.

Angie Thomas: The Hate U Give | 508 Seiten | Mehr Info

© cbt | Ullstein Fünf

8. "Eure Heimat ist unser Albtraum" von Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah u. v. m.

Dieses Buch ist ein Manifest gegen das Konzept von "Heimat". Zum einjährigen Bestehen des sogenannten Heimatministeriums haben die beiden Herausgeberinnen Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah zahlreiche Autor*innen versammelt, die sich dieser völkischen Idee entgegenstellen und stattdessen ihre Perspektiven auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Alltag in Deutschland schildern. Mit dabei sind Beiträge von Max Czollek, Margarete Stokowski, Deniz Utlu, Simone Dede Ayivi, Enrico Ippolito und vielen weiteren. Eure Heimat ist unser Albtraum erscheint am 22. Februar 2019 – hier könnt ihr das Buch bereits vorbestellen. 

Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah: Eure Heimat ist unser Albtraum | 208 Seiten | Mehr Info

9. "So You Want To Talk About Race" von Ijeoma Oluo

In diesem Buch widmet sich Ijeoma Oluo auf eine unterhaltsame, klare und schonungslose Art den komplexen Zusammenhängen im aktuellen Diskurs um Rassismus in unserer Gesellschaft – von Themen wie Polizeibrutalität und das "N-Wort" über White Privilege und Intersektionalität bis hin zur "Black Lives Matter"  Bewegung.

© Suhrkamp

10. "Gegen Judenhass" von Oliver Polak

Der Komiker und Autor Oliver Polak beschreibt die Erfahrungen, die er als Jude in Deutschland in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten gesammelt hat – und das Bild, das dabei entsteht, ist erschreckend. Dabei sind dann so erschütternde Sätze zu lesen wie "Muss du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich." Gegen Judenhass ist darum ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und macht darauf aufmerksam, wie stark Antisemitismus noch immer in Deutschland verbreitet ist.

11. "Citizen. An American Lyric" von Claudia Rankine

Die amerikanische Lyrikerin Claudia Rankine hat für Citizen Geschichten gesammelt, die sie selbst oder Bekannte im Alltag erlebt haben – Geschichten, die geprägt sind von Ressentiments, Mikroaggressionen und dem Gefühl, auf seine Herkunft reduziert zu werden. Citizen bewegt sich dabei auf sehr bewegende Weise irgendwo zwischen Poesie und Essay, die Texte sind in sieben Kapitel gegliedert und werden von tollen Illustrationen und Fotografien unterstützt.

Claudia Rankine: Citizen. An American Lyric | 176 Seiten | Mehr Info

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