Lesevergnügen #8: 11 gute Bücher zum Thema Depression

© Maciej Ostrowski | unsplash

Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Menschen in Deutschland waren schon mal an einer Depression erkrankt. Trotzdem wissen viele Menschen immer noch nicht so genau, was es bedeutet, depressiv zu sein. Diese 11 Bücher nähern sich der Erkrankung auf unterschiedliche Weisen. Allerdings handelt es sich hier nicht um informative Sachbücher, sondern um Romane und Lyrik, die die Gefühle von Depressiven und deren Umfeld widerspiegeln – und trotz der Schwere des Themas teilweise sehr unterhaltsam sind.

1. Die Glasglocke – Sylvia Plath

Der einzige Roman, den die amerikanische Schriftstellerin und Lyrikerin Sylvia Plath je geschrieben hat, erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die an ihren eigenen Erwartungen scheitert und langsam in eine tiefe Depression fällt. Nach einem Selbstmordversuch wird sie in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wo sie langsam den Weg der Besserung findet. "Die Glasglocke" gilt als teilweise autobiografisch; Sylvia Plath litt selbst unter Depressionen. 1963 erschien der Roman zunächst unter einem Pseudonym; nur wenige Wochen später nahm sich Plath das Leben.

Sylvia Plath: Die Glasglocke | 262 Seiten | Mehr Info

© Suhrkamp | aufbau Verlag

2. Auerhaus – Bov Bjerg

Sechs Freunde stehen kurz vor dem Abitur und gründen in der Provinz eine WG: das Auerhaus. Im Auerhaus feiern sie nicht nur, sie stellen sich auch die ganz großen Fragen – denn keiner von ihnen kann sich vorstellen, dass das Leben wirklich aus "Birth – School – Work – Death" bestehen soll. Vor allem Frieder, der hat nämlich erst vor Kurzem versucht, sich das Leben zu nehmen. Was wie ein leichter Jugendroman daherkommt, ist untermalt von einer tiefen Traurigkeit – und gleichzeitig eine Geschichte über echte Freundschaft.

Bov Bjerg: Auerhaus | 235 Seiten | Mehr Info

3. Silver Linings – Matthew Quick

Zu Beginn des Romans lernen wir Pat kennen, der aufgrund einer manisch-depressiven Störung acht Monate in einer psychiatrischen Klinik verbracht hat. Als er diese verlässt, ist nichts in seinem Leben, wie es war – und dann trifft er auch noch Tiffany, die gerade ihren Ehemann verloren hat und die ebenfalls mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. In dieser ungewöhnlichen, komplizierten Beziehung versuchen beide auf ihre eigene Art, einen Umgang mit ihren Erkrankungen und miteinander zu finden. Die Verfilmung des Romans war sehr erfolgreich, Jennifer Lawrence erhielt dafür sogar den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Matthew Quick: Silver Linings | 304 Seiten | Mehr Info

© Rowohlt

4. Morgen ist leider auch noch ein Tag – Tobi Katze

Tobi Katze berichtet sehr ehrlich davon, wie seine Depression begann, ihn einzunehmen – und gibt dem Ganzen dabei so viel Selbstironie und Humor, dass man beim Lesen immer wieder grinsen muss. Sein Buch transportiert die Leichtigkeit, die es wohl manchmal braucht, um über etwas zu reden, das sich so schwer anfühlt.

Tobi Katze: Morgen ist leider auch noch ein Tag | 250 Seiten | Mehr Info

5. The Sun and Her Flowers – Rupi Kaur

Mit ihrem ersten Gedichtband Milk & Honey katapultierte sich Rupi Kaur auf den Olymp eines nie enden wollenden Instagram-Fame. Die kanadische Poetin mit indischen Wurzeln schafft es, in ihren Gedichten Themen von Liebe und Schmerz bis hin zu Rassismus oder Bodyshaming greifbar zu machen und trifft dabei genau den Nerv ihrer Generation. In The Sun and Her Flowers, ihrem zweiten Werk, finden sich Zeilen, die das Erleben von depressiven Gefühlen widerspiegeln und gleichzeitig Trost und Hoffnung spenden.

Rupi Kaur: The Sun and Her Flowers | 248 Seiten | Mehr Info

© Simon & Schuster | Diogenes

6. Spinner – Benedict Wells

Jesper Lier ist 20 und will Schriftsteller werden. Deshalb ist er, wie sich das so gehört, nach dem Abi frisch nach Berlin gezogen – und dort verliert er nun langsam den Boden unter den Füßen, wie sich das eben so gehört. Wenn Jesper schreibt, ist er meistens sehr betrunken, Geld für Essen hat er selten, außerdem ist sein Vater tot. Es ist also alles recht beschissen. Nimmt man die irrationalen Gedanken und selbstzerstörerischen Handlungen des Protagonisten, seine Ziellosigkeit und Suche nach einem Sinn zusammen, erhält man vor allem ziemlich viel Verwirrung und Schmerz – und versteht umso mehr.

Benedict Wells: Spinner | 319 Seiten | Mehr Info

7. Mein Schwarzer Hund – Matthew Johnstone

Der schwarze Hund, das ist die Depression, die Matthew Johnstone seit Jahren begleitet. In diesem berührenden kleinen Büchlein visualisiert der australische Autor und Illustrator das Leben mit Depressionen und zeigt, was er daraus gelernt hat. Wer verstehen möchte, wie es ist, täglich mit seinen düsteren Gedanken spazieren zu gehen, dem sei dieses Buch empfohlen.

Matthew Johnstone: Mein Schwarzer Hund | 48 Seiten | Mehr Info

© Antje Kunstmann | Grand Central Publ.

8. So Sad Today – Melissa Broder

Die Lyrikerin und Autorin Melissa Broder ist auf Twitter als So Sad Today für ihre melancholischen, provokativen und zynischen Tweets bekannt. Ihr gleichnamiges Buch erschien 2018 und enthält eine Sammlung von Essays, in denen Broder von ihrem Leben mit einer Angststörung, unglücklichen Beziehungen, ihrer Essstörung und Drogenabhängigkeit erzählt. Kein leichter Lesestoff, aber wahnsinnig lehrreich – vor allem, weil Broder so schonungslos ehrlich und bittersüß beschreibt, wie es sich anfühlt, an sich selbst und der Welt zu verzweifeln.

Melissa Broder: So Sad Today | 224 Seiten | Mehr Info

9. Minusgefühle – Jana Selig

Unter dem Hashtag #NotJustSad twitterte Jana Selig über ihre Depression und bekam wahnsinnig viel positive Resonanz. In Minusgefühle berichtet sie im Detail von ihrer Krankheit – davon, wie sie versuchte, die innere Leere mit Alkohol, Sex und Drogen zu füllen, und davon, wie sie scheiterte und weiter kämpfte. Ihr Ziel: Das Tabu zu brechen, das noch immer rund um das Thema Depression existiert.

Jana Selig: Minusgefühle | 221 Seiten | Mehr Info

© piper | dtv

10. Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben – Matt Haig

Mit 24 Jahren litt Matt Haig unter schweren Depressionen und dachte an Suizid. In seinem Bestseller, Reasons To Stay Alive, schafft er ein tieferes Verständnis für psychische Erkrankungen und hält dabei, was er verspricht: aufzuzeigen, warum es sich lohnt, am Leben zu bleiben.

Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben | 304 Seiten | Mehr Info

11. Drüberleben – Kathrin Weßling

2010 begann Kathrin Weßling, in ihrem Blog Drüberleben von ihrem Leben mit Depressionen zu erzählen. Darauf folgte 2013 der Roman Drüberleben – Depressionen sind doch kein Grund, traurig zu sein: Er handelt von Ida, die wegen einer schweren depressiven Episode in eine Klinik geht und dort langsam lernt, gegen das “Tiefdruckgebiet in ihrem Kopf” anzukämpfen.

Kathrin Wessling: Drüberleben | 317 Seiten | Mehr Info

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