Wildes Brandenburg: Die Ruppiner Seenlandschaft mit dem Floß und dem Kajak erkunden

Sonnenuntergang am Ruppiner See in Brandenburg
© Insa Grüning

Ich liebe Berlin, für seinen schnellen Puls und die vielen tollen Menschen. Um nichts in der Welt würde ich mein Leben hier dauerhaft eintauschen wollen. Nur manchmal, wenn mir alles ein bisschen zu viel wird, überkommt mich das Gefühl, dringend für ein paar Stunden oder gar Tage aussteigen zu müssen, um meine Akkus wieder aufzuladen. Offensichtlich kommt hin und wieder doch die Landpomeranze in mir durch. Das Tolle an Berlin ist ja wiederum, dass man ruckzuck raus aus der Stadt und mitten drin im tiefsten und schönsten Brandenburg ist. Nach Ausflügen in den Spreewald oder die Uckermark bin ich längst von der landschaftlichen Vielfalt unseres Nachbarlandes überzeugt –  wohlwissend, dass Brandenburg eben noch viel mehr zu bieten hat. Deshalb habe ich mich ganz besonders auf meinen ersten Ausflug ins nahe gelegene Neuruppin und die Ruppiner Seenlandschaft gefreut.

Neuruppin und das Revier der Ruppiner Seen

Neuruppin, das Städtchen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Norden Brandenburgs ist sicherlich einigen von euch ein Begriff, nicht zuletzt weil der große Dichter Theodor Fontane im frühen 19. Jahrhundert hier geboren wurde und gewirkt hat. Aber darum soll es hier nicht in erster Linie gehen. Wir haben uns nämlich vorgenommen, die Ruppiner Seenlandschaft zu entdecken, es uns inmitten der Natur zwei Tage lang richtig gut gehen zu lassen und einfach mal abzuschalten – vorzugsweise natürlich auf dem Wasser.

Apropos Neuruppin. Der Ruppiner See befindet sich in direkter Stadtnähe. Ihr könnt hier entspannt an der Promenade entlang flanieren oder vom Steg aus euren Blick herrlich in die Umgebung schweifen lassen kann. Von der gegenüberliegenden Uferseite des Sees, an den die Siedlung Gildenhall anschließt, kann man den Sonnenuntergang aber am besten beobachten. Deshalb packen wir jetzt unseren Feierabenddrink und unsere Kameras ein, um uns das Spektakel samt Panoramablick über Neuruppin und das Wahrzeichen der Stadt, die Klosterkirche Sankt Trinitatis, nicht entgehen zu lassen. Ein Spaziergang um den See lohnt sich, denn immer wieder tauchen sehr verwunschene und romantische Plätze auf, die zum Verweilen und Träumen einladen. Einen besseren ersten Eindruck hätte Neuruppin an diesem Abend gar nicht hinterlassen können.

Sonnenuntergang am Ruppiner See in Brandenburg
© Insa Grüning

Am nächsten Morgen geht der Spaß richtig los. Wir frühstücken früh, packen unsere Lunch-Pakete und genügend Verpflegung für den ganzen Tag ein, denn heute geht es aufs Wasser und zwar mit dem Floß. Ich freue mich wie Bolle, denn das wollte ich wirklich schon immer einmal machen. Mit dem Auto fahren wir also los nach Molchow, wo wir mit Chris von TreibGut verabredet sind. Chris betreibt den Floßverleih und kümmert sich um alles selbst – von der Einweisung für Floßneulinge wie uns bis hin zu sämtlichen Reperaturen an den Flößen. Jetzt heißt es aufpassen, denn wir müssen die Dinger schließlich gleich selbst manövrieren und sollten wenn möglich nicht in irgendwelche Naturschutzgebiete fahren oder Brückenpfeiler rammen.

Floß auf der Ruppiner Seenlandschaft bei Molchow in Brandenburg
© Insa Grüning

Wir packen unser Proviant für den gesamten Tag aufs Floß und machen erst mal eine kleine Testfahrt, auf der uns alles ganz genau erklärt wird. Hört sich soweit alles machbar an. Nachdem wir Chris wieder an Land abgesetzt haben, sind wir nun auf uns allein gestellt. Vor uns liegen acht Stunden Fahrt auf der Ruppiner Seenlandschaft Richtung Norden, zu der unter anderem der Molchowsee, der Tetzensee, der Zermützelsee und der Möllensee gehören. Die Gewässer sind größtenteils durch sogenannte Rhins, also kleinere Kanäle, miteinander verbunden, sodass wir problemlos von einem See in den anderen stechen können.

Die Ruppiner Schweiz mit dem Floß vom Wasser aus entdecken

Zu dieser Jahreszeit, im Goldenen Herbst, ist auf den Wasserstraßen rund um Neuruppin nicht viel los. Auf mittlerer Strecke ankern wir und machen eine Kaffeepause. An Bord gibt es praktischerweise auch einen Gasherd und alle nötigen Utensilien, die man so für eine ausgedehnte Brotzeit benötigt. Es ist unfassbar, wie ruhig es ist, wenn der Motor still steht und lediglich mal ein paar Enten oder mit Glück auch Fischreiher vorbeiziehen. Wenn man sich so umschaut, könnte man denken, es hat uns in den wilden Dschungel eines anderen Kontinents verschlagen. Kurzer Reality Check: Wir befinden uns wirklich nur rund eine Autostunde nordwestlich von Berlin entfernt. Falls ihr mal Bock auf Abenteuer pur habt, könnt ihr die Flöße von TreibGut übrigens auch über Nacht mieten und mit bis zu 5 Personen in der Kajüte schlafen.

Ruppiner Seenlandschaft in Brandenburg
© Insa Grüning
Mit dem Floß die Ruppiner Seen in Brandenburg entdecken
© Insa Grüning
Ein Tag auf dem Floß ist wie eine Reise ins Outback und entschleunigt enorm

Wir fahren weiter vorbei an anderen Hausbooten und malerischen Kulissen bis auf den Möllensee. Bis hierher sind wir nun knapp 4 Stunden unterwegs gewesen, eine beachtliche Strecke, wenn man bedenkt, dass wir nur mit ein paar PS unterwegs sind. Da das Wetter nun umschwingt, entschließen wir uns, die Rückfahrt anzutreten. Man merkt, dass wir uns nach einigen Stunden auf dem Wasser immer sicherer fühlen und das Floß, zurück in Molchow bei Chris, nahezu elegant einparken und sicher ans Ufer zurückbringen können – trotz nun einsetzendem Regen. Ich sag' euch, so ein Tag auf dem Floß ist wie eine Reise ins Outback und entschleunigt enorm. Probiert's mal aus!

Hausboot in der Neuruppiner Seenlandschaft in Brandenburg
© Insa Grüning

Der letzte Tag unseres Brandenburgvergnügens bricht an. Noch ein wenig überwältigt von den vielen tollen Eindrücken des gestrigen Tages, geht es aber heute noch mal raus in die Ruppiner Seenlandschaft. Diesmal müssen wir noch ein wenig mehr Körpereinsatz zeigen, denn wir fahren Kajak. Da ich über die vergangenen Jahre zu einem absoluten Fan des Wassersports geworden bin, kann ich es kaum erwarten endlich ins Boot zu steigen. Die Kajaks holen wir an der Waldschenke in Stendenitz ab, die am Zermützelsee liegt, den wir gestern schon mit dem Floß überquert haben. Wir paddeln los, biegen in den Rottstielfließ ein und da ist es wieder, dieses Gefühl der völligen Verschmelzung mit der Natur. Keine Menschenseele, ringsherum nur Wald. Am Ende des Kanals eröffnet sich vor uns der Tornowsee, wieder nichts los, nur ein paar Angler, die Wasseroberfläche spiegelglatt.

Kajak fahren auf dem Tornowsee in Brandenburg
© Insa Grüning

Die Ruppiner Seenlandschaft erkunden: Mit dem Kajak durch den Rottelstielfließ zum Tornowsee bis zur Boltenmühle

Unser Ziel ist das Restaurant Boltenmühle am anderen Ende des Sees. Wir legen nach einigen Paddelschlägen an, tragen unsere Boote aus dem Wasser und haben einen hervorragenden Blick auf das Anwesen, das nicht nur eine wahnsinnig leckere Küche haben soll, sondern zugleich auch Hotel und Spa ist. Auf dem Weg hinauf vom Wasser zu unserem Tisch im Biergarten kommen wir vorbei an Eseln, nehmen noch ein bisschen Kräuterkunde mit und freuen uns dann auf eine warme Mahlzeit und eine standesgemäße Berliner Weiße. Auf der Karte stehen in der Boltenmühle allerlei Klassiker und viel Fisch, aber vor allem Speisen und Produkte aus der Region. Für Veganer*innen ist selbstverständlich auch gesorgt. Beim Anblick des Linsensalats mit Grilltomaten, den eine meiner Begleitungen gewählt hat, läuft mir jedenfalls das Wasser im Mund zusammen.

Esel und vegane Küche in der Boltenmühle in Neuruppin am Tornowsee
© Insa Grüning
Kajakfahren im Ruppiner Seenland in Brandenburg
© Insa Grüning

Nach einer ausgiebigen Stärkung verlassen wir die Boltenmühle und genießen noch ein letztes Mal die Ruhe und die Natur der Ruppiner Seenlandschaft. Auf dem Rückweg werden wir mit einer der schönsten Stimmungen, die man sich wünschen kann, belohnt. Ich kann mich nur schwer lösen und paddel' mit etwas Abstand zu meiner Gruppe so langsam wie möglich hinterher. Wer weiß, wann ich das nächste Mal meine Akkus in so einer Umgebung aufladen kann? Und dann fällt mir wieder ein, dass dieses wunderschöne Fleckchen Erde ja in Brandenburg liegt und von Berlin aus quasi nur einen Katzensprung entfernt ist. Könnte also gut sein, dass ich in den nächsten Wochen wieder komme, um die Ruppiner Seenlandschaft weiter zu entdecken.

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