"So geht man in der Szene nicht miteinander um" – White-Trash-Gründer Walter Potts spricht über die Übernahme-Pläne des Festsaal Kreuzberg

© White Trash Fast Food

Wenn das Leben ein Wunschkonzert wäre, dann würden die Berliner Clubs und Musikmenschen in trauter Zweisamkeit nebeneinander existieren und sich über den Erfolg des jeweils anderen freuen. Aber da besonders das Showbiz kein Zuckerschlecken ist und in Berlin gern mal vier Konzerte gleichzeitig stattfinden, tobt auch hier ein erbitterter Platzkampf. Was sich sonst eher hinter den Kulissen abspielt, trat vor Kurzem auf unschönste Art und Weise zu Tage.

Nachdem im November die vermeintlich frohe Kunde um die Wiedereröffnung des Festsaal Kreuzberg in der zweiten Halle des White Trash die Runde machte, kam schnell das Dementi: Alles abgekartetes Spiel, White-Trash-Gründer Walter Potts und Festsaal-Kreuzberg-Manager Björn von Swieykowski hätten sich auf gar nichts geeinigt, besonders nicht auf den Einzug des Festsaals. Wir haben bei Walter Potts nachgefragt, wie es nun um das White Trash steht und was es mit der Wiedereröffnung des Festsaals auf sich hat. (Wir haben auch Björn von Swieykowski um ein Interview gebeten, dieser möchte sich aber erst nach dem 16. Dezember zu der Situation äußern.)

Walter, ihr habt im Frühjahr Insolvenz angemeldet. Was glaubst du, woran liegt es, dass das White Trash an der Location am Treptower Park nicht funktioniert hat?
Walter Potts: Das Gelände war früher schon nicht einfach zu bewirtschaften, aber wir haben es geschafft, jetzt funktioniert es. Bevor wir kamen, war gerade erst Falk Walter mit der Arena insolvent gegangen und keiner wollte auf dem Gelände etwas machen. Auch die Leute vom Festsaal nicht. Die Halle, um die es jetzt geht, stand noch leer, als der Festsaal abbrannte. Aber wir haben daran geglaubt, dass wir mit viel Arbeit und der bekannten Marke White Trash hier etwas aufbauen können. Und das hat auch grundsätzlich geklappt. Das White Trash war immer gut besucht und auch der Insolvenzverwalter stellte damals fest, dass das Kerngeschäft aufgehen könnte. Was uns das Genick gebrochen hat, war zuerst eine geplatzte Finanzierung und dann die unglaubliche Bauverzögerung bei der Halle. Wäre die, wie geplant, nach sechs Monaten und nicht nach zwei Jahren fertiggestellt worden, hätten wir trotz der geplatzten Finanzierung keine Probleme gehabt. Aber so ist uns leider ganz kurz vor dem Ziel die Puste ausgegangen. Das ist bitter. Das große Interesse, dass nun plötzlich an dem, was wir hier aufgebaut haben, besteht, zeigt ja das Potential, das wir hier geschaffen haben.

© Walter Potts
Das große Interesse, dass nun plötzlich an dem, was wir hier aufgebaut haben, besteht, zeigt ja das Potential, das wir hier geschaffen haben.

Wie verlief das Insolvenzverfahren bisher und was waren eure Schritte seitdem?
Das Insolvenzverfahren wurde am 1. Juni 2016 eröffnet und Udo Feser zum Verwalter bestellt. Seitdem lief der Betrieb normal weiter. Parallel bemühte ich mich, Partner zu finden, die die letzten Meter zur Wirtschaftlichkeit mit mir zusammengehen möchten. Ich war mit verschiedenen Interessenten im Gespräch, aber leider ergebnislos. Im Oktober kam mir die Idee, die Leute vom Festsaal anzusprechen. Deren Laden war abgebrannt und ich fand immer gut, was die da gemacht hatten. Ich dachte, das könnte eine gute Indie-Underground-Koalition werden. Alex Hacke von den „Einstürzenden Neubauten“ vermittelte den Kontakt. Wir trafen uns dann mehrfach, die Jungs haben meine Mitarbeiter und Familie kennengelernt, ich weihte Björn, Teka und Christopher in alle Details meines Betriebs ein und wir überlegten, wie wir es in Zukunft zusammen machen könnten. Ich war sehr überrascht, als die mich dann an Halloween, einen Tag bevor der Hammer fallen sollte, abends anriefen und sagten, dass sie es nicht machen wollen. Es war ein glücklicher Zufall, dass Markus Kühn von FluxFM zufällig gerade daneben stand, das hörte und spontan sagte, dann solle ich ihm mal die Zahlen schicken. Ein paar Tage später waren wir uns einig und hatten einen Plan für eine gemeinsame Zukunft des White Trash.

Im Oktober kam mir die Idee, die Leute vom Festsaal anzusprechen. Ich dachte, das könnte eine gute Indie-Underground-Koalition werden.

Und wie kam es plötzlich zu der Übernahme der Veranstaltergesellschaft von Festsaal Kreuzberg, Astra, Lido, Bi Nuu und Kalkscheune? Inwiefern wurde das White Trash in die Entscheidung einbezogen?
Das ist ja das, was so perfide ist. Durch die Medieninformation von Björn von Swieykowski ist in der Öffentlichkeit der Eindruck erzeugt worden, die Übernahme sei bereits über die Bühne gegangen – vielleicht war das auch Taktik. Und vielleicht steckte auch eigentlich Torsten Brandt (Besitzer von Astra, Lido und Bi Nuu; Anm. d. Red.) dahinter, der die Festsaal-Leute und ihre Geschichte instrumentalisiert, um sich den vierten Laden zu sichern. Hinter den Kulissen tobt in Berlin ein harten Kampf um Venues und Veranstaltungen. Aber: Bisher gab es definitiv noch keine Übernahme. Darüber soll erst auf einer Gläubigerversammlung am 16. Dezember entschieden werden. Beide Konzepte, also das von FluxFM/Trinity und das von Festsaal/Torsten Brandt/Kalkscheune, sollen vorgestellt und dann darüber entschieden werden. Wir können dabei nur sagen, was wir für besser halten, die Entscheidung trifft die Gläubigerversammlung und der Vermieter. Und wir hoffen natürlich sehr, dass die für FluxFM/Trinity entscheiden, denn für mich, meine Familie, meine Mitarbeiter, unsere gemeinsame Idee geht es um alles. Die haben keine Zukunft mehr, wenn der Festsaal und Torsten Brandt den Zuschlag kriegen.

© White Trash Fast Food

Warum seid ihr generell gegen eine Übernahme durch Festsaal Kreuzberg und Co.?
Weil wir gar nicht wissen, was genau die vorhaben. Wir wissen nur, dass es ohne White Trash ist. Seit sie mir abgesagt haben, sind sie nicht mehr ans Telefon gegangen und haben auf keine Email mehr geantwortet. Stattdessen kamen die hier mal einfach rein und haben den Mitarbeitern gesagt, dass sie in Zukunft in anderen Läden arbeiten sollen. Das hat natürlich alle total verängstigt. Und mich auch. Schließlich ist das hier mein Lebenswerk. Ich habe 15 Jahre das Konzept White Trash Fastfood aufgebaut. Die ganze Energie, Geld und Arbeit von mir, meiner Familie und meinem Team seit vier Jahren in den Laden am Flutgraben investiert und eine leerstehende Fabrikhalle zu einem sehr schönen Veranstaltungsort mit Restaurant und Biergarten transformiert. Abgesehen davon geht man so in der Szene nicht miteinander um. Da ist das Verhältnis zu den Leuten von FluxFM und Trinity ein deutlich anderes – die sind offen, ehrlich, verstehen etwas von der Szene, in der wir uns bewegen und sind trotzdem sehr professionell.

Für mich, meine Familie, meine Mitarbeiter, unsere gemeinsame Idee geht es um alles. Die haben keine Zukunft mehr, wenn der Festsaal und Torsten Brandt den Zuschlag kriegen.

Warum wird das Ganze jetzt so in der Öffentlichkeit ausgetragen?
Wir waren alle sehr überrascht, dass Björn vom Festsaal am 16. November diese Pressemitteilung an alle Berliner Redaktionen geschickt hat, in der er sagt, dass der Festsaal jetzt in unseren Laden ziehen würde und vom White Trash nur der Standort übrig bleibt. Der VICE hat er auch gesagt, dass er den Laden zumachen und umbauen will. Und dass es dann eine „richtige Eröffnung“ geben soll. Das hat allen hier natürlich total Angst gemacht und ich musste dann notwendigerweise richtig stellen, dass ja noch gar nichts entschieden ist. Klar, lieber wäre es mir gewesen, wenn die Festsaal-Leute mal mit mir gesprochen hätten. Aber zumindest freut mich das große Interesse der Medien, denn das zeigt ja, dass wir hier echt was geschafft haben.

In deiner aktuellen Pressemitteilung schreibst du: "Zum Glück habe ich auf den letzten Drücker mit den Leuten von FluxFM und Trinity noch eine Lösung gefunden, wie wir das White Trash und die Arbeitsplätze erhalten können." Wie sieht diese Lösung aus?
Erstmal haben wir dann eine solide Finanzierung, um die Bauarbeiten endlich beenden zu können. Die sind sehr professionell und haben schon mit Bauingenieuren und Architekten alles geprüft und durchgerechnet. Wir haben schon alles so geplant, dass wir das alles machen können, während der Betrieb weitergeht. Gleichzeitig passen die beiden musikalisch sehr gut zu uns und werden viele Veranstaltungen in die Halle bringen, was natürlich auch wieder den Umsatz im Restaurant verbessert. Die bringen außerdem noch Gastro-Profis mit, die mir helfen, die Abläufe zu optimieren. Das ist echt eine total runde Sache und würde bedeuten, dass wir unser Konzept endlich fertigstellen und White Trash und alle Mitarbeiter hier weiterhin bleiben können.

Wir wollen das Restaurant so weiter betreiben wie bisher und endlich die Halle in Betrieb nehmen. Die Kombination von leckerem California-Style Bio-Food und coolen Konzerten gibt es so ja in Berlin noch nicht.

Am 16. Dezember 2016 wird also über die Zukunft des White Trash entschieden. Wir halten euch über alle Entwicklungen auf dem Neusten.

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