Theatervorschau: 11 Stücke, die ihr euch im Herbst ansehen solltet

© Wiebke Jann

Es gibt nicht viele Gründe, dem Ende des Sommers entgegenzufiebern. Ein besonders guter aber ist: Die neue Spielsaison hat begonnen! Unsere liebsten Berliner Theater stehen schon in den Startlöchern – vollgepackt mit lang erwarteten Premieren, überraschenden Neuerungen und natürlich den All Time Favorites. Weil man bei dieser riesigen Auswahl gar nicht weiß, wo man anfangen soll, haben wir uns schon mal durch das Herbstprogramm gewühlt. Ihr dürft euch auf "Eurotrash" nach dem gleichnamigen Roman von Christian Kracht ebenso freuen wie auf "It’s Britney, Bitch!" oder den Klassiker "Der Steppenwolf". Für diese 11 Stücke solltet ihr euch jetzt schon Karten sichern.

1. Exil – Berliner Ensemble

Exil_Berliner Ensemble
© Moritz Haase

Ab dem 10. September schickt uns das Berliner Ensemble ins Paris der 1930er-Jahre. Damals war die Stadt der Liebenden vor allem die Stadt der Tausenden Exilant*innen, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland verlassen mussten. Das Stück bereitet den Stoff des gleichnamigen Romans von Lion Feuchtwanger auf, der als Sohn eines jüdischen Fabrikanten 1933 selbst nach Frankreich ins Exil geflohen ist.

Wie erklärt man nachfolgenden Generationen die eigene Untätigkeit im Wissen über das Grauen, das in der Heimat geschieht? Und wie lässt sich in einer solchen Zeit über richtig und falsch entscheiden? "Exil" versucht, Antworten zu finden.

Exil | 10.09.–23.10.2022 | Berliner Ensemble | Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin | Mehr Info und Tickets

2. Mother Tongue – Maxim Gorki Theater

Mother Tongue_Gorki
© Esra Rotthoff

Wer bestimmt eigentlich, was Mutterschaft ist? Während sich die USA mit der Wiedereinführung des Abtreibungsverbotes rückwärts in der Geschichte bewegen, wird andernorts erfolgreich für die Selbstbestimmung der Mutter gekämpft. Gleichzeitig wird über niedrige Geburtenraten und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare diskutiert. Und wieso ist Leihmutterschaft in Deutschland eigentlich illegal?

Dieser und vielen weiteren Fragen stellen sich die Darsteller*innen von "Mother Tongue" – basierend auf wahren Geschichten von Müttern mit Migrationsgeschichte, Transvätern, Eltern, die auf künstliche Befruchtung angewiesen waren, von Frauen, die abgetrieben haben, und von Menschen, die keine Kinder haben wollen.

Mother Tongue | 10.09.–19.09.2022 | Maxim Gorki Theater | Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin | Mehr Info und Tickets

3. Eurotrash – Schaubühne

Eurotrash_Schaubühne
© Fabian Schellhorn

Christian Kracht, der 1995 mit "Faserland" die Stimme einer ganzen Generation gefunden hat, konnte 2021 mit seinem neuen Roman "Eurotrash" an den Erfolg von damals anknüpfen. Umso schöner ist es, dass sich die autobiografisch geprägte Geschichte rund um den Ich-Erzähler Kracht nun auch in der Schaubühne verfolgen lässt:

Ein letzter gemeinsamer Roadtrip mit seiner Mutter, einem Rollator und jeder Menge Wodka hinauf in die Schweizer Berge, dorthin, wo die Wurzeln des Autors liegen. Eine fesselnde Familiengeschichte, die sich mit Sucht, Krankheit und so manchem beschäftigt, das eigentlich im Verborgenen hätten bleiben sollen. 

Eurotrash | 30.09.–03.10.2022 | Schaubühne am Lehniner Platz | Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin | Mehr Info und Tickets

4. Enter // Return – Sophiensäle

enter-return_Sophiensäle
© Jessica Palalagi, Pelenakeke Brown

In Kooperation mit dem Schwulen Museum findet diesen Herbst das Festival "Queering the Crip, Cripping the Queer" statt. In dessen Rahmen präsentiert die Sāmoa-Pākeha-Künstlerin Pelenakeke Brown erstmalig ihre Performance in Deutschland. Mit ihrem Kollektiv aus behinderten Kunstschaffenden zeigt Pelenakeke Brown neue Perspektiven auf die Ästhetik und Kunst des behinderten Körpers.

Die Begriffe Enter und Return, nach denen die Performance benannt ist, verknüpft die Künstlerin mit indigenen Konzepten von Raum und Zeit und leitet gleichzeitig die Frage daraus ab, wie der queere, indigene und crippe Körper im (digitalen) Raum verortet ist.

Enter // Return | 09.09.–10.10.2022 | Sophiensäle | Sophienstraße 18, 10178 Berlin | Mehr Info und Tickets

5. Intolleranza 1960 – Komische Oper

Komische Oper_Intolleranza
© Jan Windszus

Das Libretto "Intolleranza 1960" entstammt im Original dem italienischen Komponisten Luigi Nono und handelt von einem Bergbauarbeiter, der in seine Heimat zurückkehren will. Auf seiner Reise erlebt er politische Unruhen, Folter und Gefangenschaft. Ihm gelingt die Flucht gemeinsam mit einem neuen Freund und bald tritt eine besondere Gefährtin in sein Leben.

Das Stück lebt von seiner mitreißenden Musik, die – repräsentiert durch zwei große Chöre – die Dysfunktionalität einer Gesellschaft aufzeigt. Das Highlight: Der Bühnenbildner Márton Ágh verwandelt die Komische Oper zum Saisonbeginn in eine Eiswüste. Lasst euch überraschen!

Intolleranza 1960 | 23.09.–03.10.2022 | Komische Oper | Behrenstraße 55–57, 10117 Berlin | Mehr Info und Tickets

6. Zorn – Theater im Kino

Theater im Kino_Zorn
© Shakespeare 2 Go

Der Jazzmusiker und Studienabbrecher Richie verliebt sich in eine junge Psychologiestudentin, deren gutbürgerliche Herkunft eigentlich eine bessere Partie für sie vorgesehen hätte. Immer mehr steigert er sich in seinen Zorn auf die Elite, die in seiner Wahrnehmung Schuld an aller Ungerechtigkeit der Welt ist.

Seine Beziehung zu Anna, der Psychologiestudentin, leidet zunehmend unter seinen Versuchen, seine Mitmenschen von seinen Gedanken zu überzeugen. Als Annas Freundin Victoria, eine Dokumentarfilmerin, zu Besuch kommt, eskaliert die Situation.

Zorn | 06.11.2022 | Tik – Theater im Kino | Rigaer Straße 77, 10247 Berlin | Mehr Info und Tickets

7. Das Leben des Vernon Subutex 1 – Schaubühne

Schaubühne_vernon_subutex
© Thomas Aurin

Vernon Subutex war einst der Inhaber eines in ganz Paris bekannten Plattenladens. Nun, dank des Aufstiegs der Streamingdienste, ist er ein arbeitsloser Einsiedlerkrebs, der zunehmend in seiner zugemüllten Wohnung verkümmert. Als er auch diese noch verliert, landet er auf der Straße. Es beginnt eine Odyssee durch das Paris, das den meisten Tourist*innen verborgen bleibt.

Thomas Ostermeiers Inszenierung nach dem gleichnamigen Roman von Virginie Despentes zeichnet mit unerwarteten Perspektivwechseln ein eindringliches Bild von den Konflikten zwischen sozialen Schichten, Geschlechtsidentitäten und politischen Orientierungen.

Das Leben des Vernon Subutex 1 | 03.09.–23.10.2022 | Schaubühne am Lehniner Platz | Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin | Mehr Info und Tickets

8. Operette für zwei schwule Tenöre – BKA

Operette für zwei schwule Tenöre_BKA
© BKA

Der Grafiker Tobi und der Krankenpfleger Jan haben sich ein gemeinsames Leben auf dem Land aufgebaut: Mit einem kleinen Häuschen mit Garten und freundlich grüßenden Nachbarn fiel es Tobi nicht schwer, Berlin und der schwulen Szene dort den Rücken zu kehren. Für Jan hingegen ist das neue Landleben die Hölle.

Das BKA feiert mit Operette für zwei schwule Tenöre die Wiedergeburt des Genres der Berliner Operette, das in den 1920er-Jahren maßgeblich an Berlins Ruf als Stadt der Diversität beteiligt war. Hier könnt ihr außerdem die weltweit erste Operette mit schwulen Protagonisten sehen.

Operette für zwei schwule Tenöre | 10.–13.08., 17.–20.08. und 24.–27.08.2022 | BKA – Berliner Kabarett Anstalt | Mehringdamm 34, 10961 Berlin | Mehr Info und Tickets

9. It’s Britney, Bitch! – Berliner Ensemble

It's Britney, Bitch
©JR Berliner Ensemble

Britney Spears ist für Tausende Menschen eine absolute Ikone – deren skandalträchtiger Fall von der ganzen Welt auf den Bildschirmen verfolgt werden konnte.

Die Regisseurin Lena Brasch und die Schauspielerin Sina Martens setzen sich in "It’s Britney, Bitch!" mit der Lebensgeschichte der Sängerin auseinander und erzählen eine musikalische Geschichte über eine unglückliche Liebe, eine kaputte Vater-Tochter-Beziehung und über Frauen auf der Bühne.

It’s Britney, Bitch! | 19.09.–21.10.2022 | Berliner Ensemble | Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin | Mehr Info und Tickets

10. Im Strom – Ballhaus Naunynstraße

Ballhaus Naunynstrasse, Im Strom
© Ballhaus Naunynstrasse

Kubi, dessen Eltern in den 1970ern aus der Türkei nach Deutschland emigriert sind, war der beliebteste Partyveranstalter der Stadt. Jetzt wohnt er wieder zu Hause und jobbt am Flughafen. Sein Kollege Hassan bringt eine ungeahnte Wendung in Kubis Leben…

"Im Strom" handelt davon, wie das Leben laufen kann, von Rassismus und wie man sich von den Vorstellungen der eigenen Eltern befreit. Die Textvorlage entstand im Rahmen der Schreibwerkstatt "Unconventional Signs – neue postmigrantische Theatertexte" am Ballhaus Naunynstraße.

Im Strom | 09.09.2022 | Ballhaus Naunynstraße | Naunynstraße 27, 10997 Berlin | Mehr Info und Tickets

11. Der Steppenwolf – Deutsches Theater

DT_Steppenwolf
© Arno Declair

Ein zeitloser Klassiker, der einfach immer geht: Hermann Hesses "Der Steppenwolf" kommt im Deutschen Theater wieder auf die Bühne. Die Hauptfigur Harry Haller leidet an einer gespaltenen Persönlichkeit: Seine bürgerliche Seite kämpft gegen den einsamen Wolf in ihm, so wie die Gesellschaft immer stärker durch Neid, Hass und Pessimismus gespalten wird.

Diese Interpretation des Klassikers beschäftigt sich mit Depressionen und dem ewigen Drang nach Intensität und Exzess. Der moderne Haller erscheint somit als Stellvertreter einer ganzen Genration.

Der Steppenwolf | 06.09., 18.09.2022 | Deutsches Theater | Schumannstraße 13A, 10117 Berlin | Mehr Info und Tickets

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