11 Theaterstücke und Performances, die ihr im Frühling nicht verpassen solltet

Ich weiß noch ganz genau, wie aufgeregt ich vergangenen August war, als ich das erste Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder im Theater war. Damals habe ich mir in der Schaubühne das Stück "Yerma" angesehen und bemerkt, wie sehr ich das Theater vermisst habe. Nachdem der Winter und die vierte Welle uns wieder so weit zurückgeworfen haben, ist aber auch dieser Besuch schon wieder viel zu lange her. Und so freue ich mich sehr, dass mit den verschiedenen Lockerungen auch eine mögliche Besserung für die Lage der Kulturinstitutionen in Sicht ist. Und so ist zumindest zu sehen, dass sich die gebeutelte Theaterbranche wieder nach vorne kämpft – und uns im Frühling dieses Jahres neben großartigen Stücken aus dem Repertoire auch fantastische Uraufführungen serviert.

1. reden über sex – Schaubühne

© Gianmarco Bresadola, 2021

Sechs Menschen reden über Sex. Zumindest versuchen sie es. Denn da kann unsere Gesellschaft so offen sein wie sie möchte, über Sexualität, Intimität, Einsamkeit und unsere verletzlichsten Gefühle können wir dann eben doch nicht so gut sprechen. Maja Zade versucht in ihrem Stück "reden über Sex" ihren Protagonist*innen, die jeweils ihr eigenes Schicksal und ihr eigenen Bedürfnisse haben, die richtigen Worte zu geben. Britta hatte beispielsweise mit Ende zwanzig zum ersten Mal Sex. Pascal ist mit Guido verheiratet und hält nichts von Sex vor der Ehe. Bernd pflegt seine kranke Mutter und kann deswegen nicht mal an Sex denken und Marie ist unglücklich mit ihrem zwischenmenschlichen Sexleben, dafür sehr zufrieden mit ihrem Vibrator. Sie alle treffen sich einmal im Monat, um über Sex zu reden. Und stellen sich dabei Fragen, für die wir vermutlich alle gerne Antworten hätten.

Termine: 31. März, 1.-3. April, 28.-30. April | Mehr Infos & Tickets

2. Auf meinen Schultern – Ballhaus Naunynstraße

© Ballhaus Naunynstraße

"Auf meinen Schultern" ist die erste Soloperformance des Choreografen Raphael Hillebrands. Darin verarbeitet er nicht nur seine eigene Geschichte, seine Kindheit und Jugend, die er im Berlin der 1980er und 1990er verbrachte, sondern dreht das Ganze weiter. Schließt das Aufwachsen seiner Tochter in Berlin mit ein. Das Leben als POC in einer Großstadt. Er erzählt von Erfahrungen, die er seiner Tochter lieber erspart hätte, von Privilegien und der Frage danach, ob sie einem Möglichkeiten eröffnen oder für andere Dinge blind machen. Es entsteht eine beeindruckende und tief gehende Performance, in der getanzt, gebreakt und gesprochen wird – begleitet von seinem Cellisten Eurico Ferreira Mathias.

Termine: 17.-20. März | Mehr Infos & Tickets

3. Sym-Phonie MMXX – Staatsoper Unter den Linden

© Staatsballett

Sasha Waltz zählt zu den erfolgreichsten Choreograf*innen Deutschlands. Nach einigen Opern ist "Sym-Phonie MMXX" das erste Tanzstück für die Bühne und verbindet Musik, Tanz und die Bildenden Künste. Die Sinfonie wurde für ein großes Orchester geschrieben und hält dennoch Pausen und Momente bereit, in denen der Tanz im Vordergrund steht. An anderer Stelle verschmilzt die Körpersprache der Tänzer*innen förmlich mit der Sprache, die die Musik erzählt. Eigentlich hätte das Stück 2020 Premiere feiern sollen. Aufgrund der Pandemie wurde diese allerdings bis jetzt aufgeschoben. Nun findet am 13. März endlich die Uraufführung statt.

Termine: 13., 18. & 19. März | Mehr Infos & Tickets

4. Transit – Deutsches Theater

© Arno Declair

Anna Seghers Roman "Transit" diente schon für zahlreiche Stücke und auch Kinofilme als Vorlage. Jetzt könnt ihr euch die fesselnde Geschichte, die sie auf ihren verschiedenen Etappen auf der Flucht vor dem Krieg geschrieben hat, auch im Deutschen Theater ansehen. Wir bewegen uns in Marseille im Sommer des Jahres 1940, wo sich zahlreiche Flüchtende versuchen, aus Europa heraus mit einem Visum in eine sicherere Zukunft nach Übersee zu retten. Unter ihnen befindet sich auch ein junger Deutscher, der mit falschen Papieren aus einem Arbeitslager geflohen ist – und sich hoffnungslose in Marseille in Marie verliebt. Marie wiederum ist auf der Suchen ach ihrem Mann, den sie seit dem Einmarsch der Deutschen in Paris nicht mehr wiedergesehen hat. Ein spannendes Stück, das sich zwischen Chaos, Warten, Hoffnung und Verzweiflung, die gerade dieser Tage so greifbar scheinen, auch immer noch einen Platz für die Liebe lässt.

Termine: 22., 26. & 27. März, 16. April | Mehr Infos & Tickets

5. Geht es dir gut? – Volksbühne

©️ Felix Kayser

Klimakatastrophe, eine globale Pandemie, atomare Waffen – was soll denn eigentlich noch kommen? Spricht Gott persönlich bald zu uns? Greifen uns Außerirdische an? Was jetzt folgt, können sich vermutlich nicht mal Verschwörungstheoretiker*innen erträumen. Aber was bedeutet das für uns? Unsere Verantwortung? Was hinterlassen wir unseren nachkommenden Generationen? Hilft überhaupt noch irgendetwas? Vielleicht nicht nur Grundrechte für alle, sondern auch Grundpflichten? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich das neue Stück "Geht es dir gut?" an der Volksbühne, das am 24. März Uraufführung feiert.

Die Uraufführung von "Geht es dir gut?" am 24. März ist bereits ausverkauft, schnell sein lohnt sich also bei den Tickets.

Termine: 26. März, 2., 14. & 25. April | Mehr Infos & Tickets

6. Rabatt – Maxim Gorki Theater

© Esra Rotthoff

Nora Abdel-Maksoud ist mit ihrer neuen Komödie "Rabatt" zurück am Gorki. Und wie man es von ihr gewohnt ist, thematisiert sie die Eigenarten unserer Gesellschaft und Ordnung und konfrontiert uns mit jeder Menge Witz damit. Dieses Stück stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit Menschen, die sterben, aber kein Geld für eine Beerdigung hinterlassen? Wer bezahlt die Beerdigung? Was bedeutet eigentlich "Sozialbestattung"? Um sich diesen Fragen zu nähern, schickt sie ein erfolgreiche Journalistin aus Berlin in ein stinkreiches Dorf im Speckgürtel – das Valley. Hier regiert der Undertaker mit seinen Discountbestattungen. Was Wasserrohre mit Bestattungen zu tun haben und woher das Geld für all das kommt, erfahrt ihr vielleicht, wenn ihr euch mal wieder ins Gorki begebt.

Termine: 27. März, 2. & 9. April | Mehr Infos & Tickets

7. Sentimental Bits – This Magic Is In Spite Of Me – Ballhaus Ost

@ Wiebke Jann

Vier Perfomer*innen und ein humanoider Sexroboter. Gemeinsam bewegen sie sich in einem Experiment, in dem Überwachsungstechnologien ihre Emotionen analysieren, klassifizieren und verarbeiten. Daraus entstehen digitale Zwillinge ihrer selbst, die sie mithilfe anderer Technologien hacken. Sie bewegen sich in einer Zwischenwelt, einer Matrix, in der sie nicht nur ihr reales Ich, sondern auch ihre digitales transformieren. Doch was macht das mit der Wirklichkeit? Was genau ist diese Wirklichkeit? Und wie kann man sie mit einer neuen Realität vereinen? "Sentimental Bits – This Magic Is In Spite Of Me" ist ein spannendes Stück, das sich mit der Frage beschäftigt, wie man die menschliche Körperlichkeit mit (neuen) Technologien verbinden kann.

Termine: 31. März, 1. & 2. April | Mehr Infos & Tickets

8. Semiotiken der Drecksarbeit – HAU3

© HAU3

Dass Menschen aus dem Ausland, die mit ihren Familien nach Deutschland kommen, häufig in Jobs arbeiten, für die sie viel zu qualifiziert sind, ist leider keine Seltenheit. Aber geht es den Kindern dieser Elterngeneration besser? Können sie sich aus diesen institutionellen Machtstrukturen befreien? Die Performer*innen, die bei dem Stück "Semiotiken der Drecksarbeit" auf der Bühne stehen, verkörpern Kinder jener Generation. Und sie zeigen: Auch sie werden noch immer dazu gedrängt, ideologische Ablagerungen, auch in der Theaterszene, zu verdrängen. Nuray Demir zeigt, gemeinsam mit Minh Duc Pham, "wie auch diese Generation mit aggressiven Allzweckreinigern der Cultural Studies den White Cube zum Erstrahlen bringen und ohne Schutzanzüge oder gewerkschaftliche Organisation den toxischen Müll aus den Theatern entsorgt".

Termine: 12.-14. April | Mehr Infos & Tickets

9. Futureland – Maxim Gorki Theater

© Esra Rotthoff

Was muss passieren, damit ein*e Teenager*in alleine, ohne die Eltern, in ein fremdes Land flieht? In welcher Situation befinden sich Eltern, die ihr Kind wegschicken, in der Hoffnung, dass es dort in Sicherheit ist? Und was sagt das eigentlich über unsere Gesellschaft aus, wenn wir diese Situationen und unmenschlichen Entscheidungen im 21. Jahrhundert aufgrund von Unruhen, Kriegen und einer dysfunktionalen Welt immer noch verantworten? Dass Kinder und Jugendliche ihr Leben riskieren, in der Hoffnung auf eine bessere, sichere Zukunft? "Futureland" ist ein Science-Fiction-Dokumentartheaterstück, das mit Jugendlichen, die alleine aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Guinea und Bangladesch nach Deutschland gekommen sind.

Termine: 17. & 18. April | Mehr Infos & Tickets

10. Jewels – Staatsoper Unter den Linden

© Staatsoper

Wer sich nach rund zwei Jahren der Corona-bedingten Abstinenz mal wieder von klassischem Ballett verzaubern lassen möchte, der*die sollte sich die Inszenierung von "Jewels" in der Staatsoper nicht entgehen lassen. Choreograf George Balanchine hat sich damals als Vorreiter des modernen Tanzes etabliert und maßgeblich zur Findung des sogenannten neoklassischen Balletts beigetragen. Zu "Jewels" hat ihn damals die pompöse Auslage eines Juweliers in New York inspiriert. Gegliedert ist das Stück in drei Teile: Emeralds, Rubies und Diamonds. Jeder Part wird dabei auch tänzerisch von der Musik von Gabriel Fauré, Igor Strawinsky oder Peter I. Tschaikowsky geleitet. So bringt uns die Komposition von Fauré einen ästhetischen, französischen Stil, Strawinsky bringt musikalischen Witz auf die Bühne und Tschaikowsky tut das, was diese Musik am besten kann: die Brillanz des russischen Balletts präsentieren.

Termine: 19., 22. & 28. April | Mehr Infos & Tickets

11. Beyond Caring – Schaubühne

© Folkert Eilts

Drei Frauen, zwei Männer, 15 Nächte, eine Fleischfabrik. Was nach den Zutaten für eine wahrlich gruseligen Horrorfilm klingt, sind in Wahrheit die Hautbestandteile des neuen Stücks "Beyond Caring" von Alexander Zeldin. An der Schaubühne erzählt er mit lakonischem Humor und einer schonungslosen Ehrlichkeit die Geschichten jener Menschen, die für den Gros der Gesellschaft unsichtbar sind. Und so lernen wir fünf Menschen kennen, die aus verschiedenen Gründen jede Nacht in die Fleischfabrik kommen, um zu putzen. Der eine ist fest angestellt, andere sind über eine Fremdfirma engagiert und wieder andere sind da, weil ihre Arbeit hier als Maßnahme des Arbeitsamtes gilt. Mit viel Recherche, eigener Arbeit als Putzdienst und in engem Austausch mit Putzkräften hat Zeldin dieses Stück konzipiert. Ein Stück, das uns nicht selten unser eigenes Verhalten infrage stellen lässt.

Termine: 25.-27. April | Mehr Infos & Tickets

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