Mit dieser App könnt ihr beim Taxi fahren sparen

Peter Kasprzyk/ unsplash

Auf dem Taxi-Markt ist derzeit viel in Bewegung. Zuerst kam die Digitalisierungswelle, dann mussten sich die Fahrer mit dem "Laien"-Konkurrenten Uber messen und jetzt soll auch noch ein Sharing-Modell eingeführt werden. So zumindest will es das zu Daimler gehörende Unternehmen MyTaxi, das das neue Angebot ab der ersten Mai-Woche in Berlin lancieren will.

Die Idee ist denkbar einfach: Menschen, die ähnliche Strecken zurücklegen, sollen sich gemeinsam in ein Taxi setzen. Der Preis wird entsprechend der gefahrenen Kilometer geteilt, kleine Umwege müssen in Kauf genommen werden. Mit der Kampagne will MyTaxi neue Zielgruppen ansprechen, allen voran junge Menschen, die gerne komfortabel in der Stadt unterwegs sind, es sich aufgrund eingeschränkter finanzieller Mittel allerdings nicht allzu häufig leisten können, in ein Taxi zu steigen.

Drei Monate lang in Hamburg getestet

Dass sich Menschen finden werden, die den Dienst nutzen, steht außer Frage. Zumal Daimler angekündigt hat, die Einführungsphase zu subventionieren. Wenn ein Fahrgast wünscht, den Sharing-Dienst in Anspruch zu nehmen, zahlt der App-Betreiber die andere Hälfte des Fahrpreises, insofern sich kein zweiter Fahrgast findet.

In Hamburg existiert das Sharing-Model bereits seit drei Monaten. Andreas Bauer, unser Kollege aus der Hamburger Mit-Vergnügen-Redaktion, hat es bereits für sich entdeckt. "Insgesamt vier Mal habe ich schon ein Taxi zum Teilen angefordert. Es lief alles wie bei einer gewöhnlichen Fahrt ab. Bislang ist tatsächlich niemand dazugestiegen", erzählt er mich. "Ich habe mich gefreut und auch den Taxi-Fahrer hat es nicht weiter gestört, schließlich hat MyTaxi den Fahrpreis aufgestockt." Doch was passiert, wenn die Subventionen wegfallen?

Viele neue Fortbewegungsmittel streiten in Berlin um Kunden

Dann vermutlich geht der große Kampf um Kunden los. Schließlich gibt es in der Stadt immer mehr Möglichkeiten, sich schnell fortzubewegen, seien es nun Leihräder, E-Scooter oder Carsharing-Anbieter, die um Nutzer buhlen. In direkter Konkurrenz dürfte am ehesten der Berlkönig stehen, ein Mitfahrdienst bestehend aus Kleinbussen. Konkurrenz ist dieser Service jedoch insofern nicht, als dass wiederum Daimler in Kooperation mit der BVG seine Finger im Spiel hat.

Man stelle sich nur vor, wie Clubgänger und Geschäftsleute sich über Koks austauschten

Bliebe die wichtige Frage: Wer teilt sich gerne ein Taxi? Als erste Zielgruppe werden junge Menschen benannt, die am Wochenende feiern gehen. Doch teilen sich die jungen Partygänger nicht eh schon den Taxi-Preis? Bedarf es dafür überhaupt einer App? Und falls man doch mal allein und bisweilen nicht ganz klar aus dem Club gestolpert kommt, will man dann ein Taxi mit einer wildfremden Person steigen, im schlimmsten Fall noch mit jemanden, der stocknüchtern auf dem Weg zu einem Geschäftstermin ist?

Andererseits könnten auf den geteilten Fahrten interessante Gespräche entstehen, schließlich sind Taxis anders als öffentliche Verkehrsmittel immer schon Vehikel gewesen, in denen schnell Gespräche zustande kommen. Man stelle sich nur vor, wie Clubgänger und Geschäftsleute sich über Koks austauschten, resolute Muttis betrunkenen Mädchen den Kopf tätschelten oder ein Partygänger den anderen noch auf einen Absacker in der Kiezkneipe um die Ecke überredet.

Doch das sind alles nur Spinnereien. Ob solche Fahrten und Gespräche wirklich zustande kommen oder die Idee wieder verworfen wird, weil sie unwirklich ist, bleibt fraglich. Die Erfahrung aus Hamburg zeigt, dass es in der Anfangszeit wohl wie immer abgeht: Man fährt allein, MyTaxi zahlt drauf. Ob sich in Zukunft Menschen Taxen in Berlin teilen, steht folglich in den Sternen.

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