11 Hörbücher, die ihr euch online anhören könnt

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Ihr denkt bei Hörbüchern an Bibi & Tina? Dann solltet ihr euch schleunigst eines besseren Belehren lassen, denn Hörbücher sind längst nicht nur etwas für Kinder. Von Dan Brown über Stephen King bis hin Simon Beckett gibt es fast alle Bücher auch zum Anhören. Und wenn man etwas Glück hat, werden sie sogar, wie bei Heinz Strunk, Benjamin von Stuckrad-Barre oder Sven Regener, vom Autor persönlich gelesen und ihr bekommt die tatsächliche Intention des Textes auf dem Silbertablett serviert.

Für alle, die lieber zuhören statt lesen und diejenigen, die während der Arbeit, dem Laufen, beim Putzen und Aufräumen oder auf langen Zugfahrten statt Musik lieber Geschichten hören, haben wir hier 11 wirklich tolle Hörbücher rausgesucht, die ihr bei Spotify hören könnt.

1. Benjamin von Stuckrad-Barre: "Panikherz"

Stuckrad-Barres "Panikherz" ist eines der bewegendsten Bücher, die in den vergangenen Jahren erschienen sind. Vom Bremer Jugendlichen, der besonders auffällige Karten bastelte, um bei den Radiogewinnspielen die Platten zu gewinnen, bis zum erwachsenen Halbstarken, der in Hamburg ein bisschen zu tief in die Musikindustrie eintaucht und mit einem ausgewachsenen Drogenproblem aus dem Schleudergang wieder heraus- und in die Entzugsklinik hineingespült wird, erleben wir alle Höhen und Tiefen mit. Eine Biographie, die so ehrlich wie schockierend und mitreißend geschrieben ist, dass man sie von keinem als Stuckrad-Barre selbst gelesen bekommen möchte.

2. Heinz Strunk: "Jürgen"

Es ist geradezu ein Geniestreich gewesen und ich frage mich, weshalb niemand vor Heinz Strunk auf die Idee kam, sich all die absurden und bescheuerten Ratgeber, wie sie auf den Krabbeltischen mittelmäßiger Buchhandlungen zur Genüge zu finden sind, zu eigen zu machen und darauf eine ziemlich großartige Persiflage zu schreiben. In seinem neuesten Buch "Jürgen" begleiten wir Jürgen Dose, der immer noch bei seiner Mutter lebt, und seinen Freund Bernd Würmer auf der Suche nach der richtigen, oder überhaupt einer Frau. Vom Speed-Dating über Liebestourismus in Polen bis hin zu höchst eigenwilligen Flirt-Tipps klingt alles großartig falsch und absurd, sodass Strunk selbst beim Vorlesen hin und wieder schmunzeln muss, sich verliest, kichert und weiterliest.

3. Thees Uhlmann: "Sophia, der Tod und ich"

Wenn man sich etwas nicht wünscht, dann ist es wohl die letzten Tage mit dem Ex-Partner und dem Tod zu verbringen. Genau das blüht allerdings dem Protagonisten des Debütromans von Sänger Thees Uhlmann, denn bei dem steht plötzlich der Tod vor der Tür. Gemeinsam mit dem Tod und seiner Ex-Freundin Sophia macht er sich auf den Weg zu seiner Mutter und seinem Sohn, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Es wird diskutiert, über die wichtigen Fragen des Lebens gesprochen und der Tod trinkt zum ersten Mal Kaffee und währenddessen ist man selbst ständig wahnsinnig berührt und amüsiert zugleich.

4. Volker Kutscher: "Der nasse Fisch"

Mit dem Roman "Der nasse Fisch", der auch als Vorlage zur TV-Serie "Babylon Berlin"diente, begann eine ganze Serie von Kriminalfällen, in denen Volker Kutscher seinen Protagonisten Kriminalkommissar Gereon Rath im Berlin der 1920er und 1930er Jahre ermitteln lässt. Gelesen wird das Buch von einer der bekanntesten und schönsten Stimmen, die die Synchronsprecherwelt zu bieten hat: David Nathan.

5. Sven Regener: "Wiener Straße"

Auch wenn Sven Regener bisher noch nie für den Buchpreis nominiert wurde, schaffte er es mit seinem neuen Roman sogar noch vor der eigentlichen Veröffentlichung. "Wiener Straße" spielt im selben Milieu wie seine berühmte Trilogie rund um Herrn Lehmann, nämlich im turbulenten Kreuzberg der 1980er Jahre, in dem Neu-Berliner, Künstler, Alteingesessene, Hausbesetzer und Punks aufeinanderprallen. Gelesen wird der Roman selbstverständlich von Regener selbst.

6. Moritz von Uslar: "Auf ein Frühstückei mit..."

Seit einigen Jahren lädt der Journalist Moritz von Uslar, der schon für die Süddeutsche und den Spiegel schrieb, Prominente für seine gleichnamige Kolumne in der Zeit "Auf ein Frühstücksei" ein. Er spricht mit Jungautorin Helene Hegemann über den Nahost-Konflikt, plaudert in der einen Folge mit Jan Böhmermann und in der nächsten mit Sahra Wagenknecht, Joko Winterscheidt oder Rocko Schamoni. Wer sich lieber den Spotify-Premium-Account als das Zeit-Abo gönnt, der kann sich die angenehm kurzen Episoden von Moritz von Uslars angenehm tiefer und ruhiger Stimme vorlesen lassen.

7. Tino Hanekamp: "Sowas von da"

Tino Hanekamp, heute Mitbegründer und -inhaber des Übel & Gefährlich in Hamburg, gründete vor ein paar Jahren quasi aus Versehen mit seinem Kumpel den Musikclub "Weltbühne", der dann allerdings wieder abgerissen wurde. Und genau das droht auch seinem Protagonisten Oskar. Der Club, den er gemeinsam mit seinem Kumpel Pablo eröffnete, steht vor der Schließung, in der Silvesternacht soll die letzte große Party stattfinden. Während Pablo Geld, das sie nicht haben, für Champagner-Brunnen und MDMA-Bowle ausgibt, wird Oskar von Kiez Kalle bedroht und auf viel Geld erpresst. Sehr viel Geld. Bevor demnächst die von Jakob Lass ("Love Steaks" und "Tiger Girl") gedrehte Verfilmung in die Kinos kommt, solltet ihr dringend das Buch lesen oder besser gesagt lesen lassen.

8. Lena Dunham: "Not that kind of Girl"

Die inzwischen ziemlich erfolgreiche "Girls"-Autorin Lena Dunham kann über Unsicherheiten, schlechten Sex und andere Peinlichkeiten so hervorragend schreiben, dass es weder aufgesetzt, noch pathetisch sondern schlichtweg ehrlich wirkt. In ihrem Buch "Not That Kind of Girl" lässt sie uns an einigen ihrer Geschichten, ihrer persönlichen Entwicklung unglaublich nahbar teilhaben. Gelesen wir das deutsche Hörbuch von Nora Tschirner und das macht sie so hervorragend, dass man ihr Keinohrhasen, Zweiohrküken und Co. fast schon verzeihen könnte.

9. Stefanie Sargnagel: "Statusmeldungen"

Die Österreicherin Stefanie Sargnagel ist Autorin, Künstlerin und Mitglied der feministischen Gruppe "Burschenschaft Hysteria". Ihr erstes Buch handelte von Erlebnissen, die sie in ihrem Job als Callcenter-Mitarbeiterin hatte. Ihr Buch "Statusmeldungen" liest und hört sich genauso an, wie der Titel klingt: Sargnagel liest mit Datum und Uhrzeit notierte Kurzmeldungen vor. Manchmal sind es ebenfalls kurze Storys aus ihrem Dasein als Callcenter-Mitarbeiterin, manchmal einzelne Sätze wie "Wenn ich genug Geld verdient habe, ziehe ich in den Wald und eröffne eine kleine Lebensberatungspraxis." Wer etwas für zwischendurch sucht, um gelegentlich zu schmunzeln, der sollte der jungen Österreicherin auf jeden Fall lauschen.

10. Michel Houellebecq: "Unterwerfung"

Mit seinem dystopischen Roman "Unterwerfung" hat Michel Houellebecq 2015 definitiv für Furore gesorgt. Der Roman spielt in Frankreich im Jahr 2022, der Protagonist ist ein mitvierzigjähriger Literaturwissenschaftler und Professor an der Sorbonne, als die anstehenden Wahlen Frankreich in zwei politische Lager teilt: Auf der einen Seite die Rechten und auf der anderen Seite die Muslime und Sozialisten. Franzosen wandern nach Israel aus, auf der Universität müssen plötzlich alle Frauen Kopftuch tragen und auf Paris Straßen ist man nicht mehr sicher. Gelesen wir der provozierende und gleichsam spannende Roman von Schauspieler Christian Berkel.

11. Roger Willemsen: "Wer wir waren"

Zwei Jahre sind seit dem Tod Roger Willemsens inzwischen vergangen. Sein letztes, posthum veröffentlichtes, Buch ist die längere schriftliche Version einer Rede, die er im Sommer 2015 hielt. Es ist eine Kritik der Dauerdigitalisierung, die, ganz in Willemsenscher Manier scharfsinnig, rhetorisch beeindruckend und dabei trotzdem nie pessimistisch klingend.

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