11 Gründe, warum ihr auch in Zukunft keine günstige Wohnung finden werdet

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Der Senat muss bei seinem Versuch, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, eine weitere Schlappe verkraften. Erstmals hat das Berliner Landgericht die Praxis, Häuser mithilfe eines Vorkaufsrechts zu erwerben, ausgehebelt. Begründet wurde dieses Vorgehen von den einzelnen Bezirken bisher mit dem Milieuschutz. Das Gericht wiederum ist der Auffassung, dass allein der Bebauungsplan zählt. Wenn dieser eingehalten und entsprechend der Anforderungen umgesetzt wurde, gibt es keine Basis für eine staatliche Intervention. Sollte der Senat auch in der Berufung scheitern, drohen dem Land für bisher vereitelte Verkäufe Klagen in Millionenhöhe.

Das auf der Kippe stehende Vorkaufsrecht ist jedoch nicht der einzige Grund, warum ihr auch in Zukunft keine günstige Wohnung finden werdet. Auch das sogenannte Zweckentfremdungsverbot, das vor allem Airbnb betrifft, droht gerichtlich eingefroren zu werden. Gleichzeitig sorgen der sich kontinuierlich erhöhende Mietspiegel und Berlins unantastbar cooles Image für steigende Mieten, die die Hauptstädter aufgrund von Dumpinglöhnen nicht mehr aufbringen können. Versprochene Wohnungen werden hingegen nicht gebaut – und falls doch, dann nur als Luxushäuser und Mikro-Apartments. Was fehlt sind nachhaltige, stabile und gerichtlich unanfechtbare Regelungen. Doch das sind nicht die einzigen Gründe, weswegen ihr künftig keine günstigen Wohnungen mehr in Berlin finden werdet.

1. Das Vorkaufsrecht steht auf der Kippe

Vor allem Friedrichshain-Kreuzberg nutzte in jüngster Vergangenheit mehrmals sein Vorkaufsrecht. Zuletzt wurde Ende Oktober das Wohnhaus in der Eckertstraße 15 „gerettet“. 17 Mietparteien können sich über ihren neuen kommunalen Vermieter, die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), freuen. Die Grünen, die den Bezirk regieren, jubeln über jede einzelne Heldentat. Doch nun müssen, wie das obige Beispiel zeigt, Konsequenzen befürchtet werden.

2. Das Zweckentfremdungsverbot ist antastbar

Wir alle nutzen Airbnb, um die Welt zu entdecken. In unserer eigenen Stadt soll das Portal aber möglichst nicht agieren. Diese Ambivalenz ist dem angespanntem Wohnmarkt geschuldet. Nach anfänglichen Erfolgen blockierte der Senat die Vermieter von Touristenwohnungen. Doch dieser Riegel scheint antastbar. Im September wurde der Bezirk Pankow erstmals zu einer gerichtlichen Einigung getrieben. Einem Mieter wurde daraufhin erlaubt, seine Wohnung für maximal 182 Tage im Jahr zu vermieten. Es folgte eine großangelegte Imagekampagne vonseiten Airbnbs. Weiterer Ausgang: offen.

3. Der Mietspiegel steigt und steigt

Schön, aber mittlerweile unbezahlbar: die klassische Berliner Altbauwohnung. Foto: © Redaktion

Der Mietspiegel gab in den letzten Jahren Sicherheit, mussten sich doch Neuverträge an dem Berliner Durchschnittsquadratmeter orientieren, der kalt derzeit bei 6,39 Euro liegt. Maximal zehn Prozent dürfen die Vermieter draufpacken. Ausgenommen sind jedoch der Erstbezug sowie Verträge, die nach einer Modernisierung geschlossen werden.

4. Neubauten sind meist Luxusprojekte oder Mikro-Apartments

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In Berlin wird gebaut, gebaut, gebaut – und das an allen Ecken und Enden. Dennoch sieht kaum ein Berliner diese schönen neuen Wohnungen von innen. Der Luxus ist schlichtweg nicht bezahlbar. Und irgendwie ist es ja auch klar: Die Bauherren, die Million für die letzten innerstädtischen Filetgrundstücke hinblättern, steht der Sinn nach Maximalprofit und nicht nach Sozialpolitik. Der kommunale Bau hingegen hakt. Gerade auch bei den Studentenwohnungen gibt es einen Stau: Der Senat hat 2015 die Schaffung von 5000 Wohnheimsplätzen angekündigt, realisiert wurden bisher aber erst 500.

5. Ein Miethai kommt selten allein

Egal wie beschissen sich dein Vermieter verhält, es gibt noch immer viel größere Gauner. So kam es in der Vergangenheit schon dazu, dass rückwirkend willkürliche WG-Aufschläge gefordert wurden, Kündigungen bei nur einmal verspäteter Mietzahlung einflatterten oder die Dauerbelästigung durch Sanierungsarbeiten den Alt-Mietern gezeigt hat, wo ihre Zukunft liegt: nicht in diesem Haus. Wer sich wehrt, landet zumeist vor Gericht.

6. Die Finanzkrise zieht noch immer Immobilien-Spekulanten an

„Ach, hätte ich mal vor einigen Jahren in eine Berliner Wohnung investiert“, sagte ein in Süddeutschland lebender Bekannter kürzlich. Das ist ein Satz, der Berlinern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Ausverkauf der Stadt geht weiter. Am Erschreckendsten ist jedoch die Tatsache, dass so lange Zeit nicht erkannt wurde, wohin der Markt gehen würde: Seit der Wende wurden 200.000 kommunale Wohnungen verkauft. Jetzt sollen die Wohngesellschaften wieder ranklotzen.

7. Alle wollen nach Berlin

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Berlin ist bei fast allen Menschen gleichbegehrt: Studenten, Kreative und Globetrotter ziehen in Scharen hierher. Dazu kommen die Geflüchteten, die versorgt werden müssen. Und die Berliner wollen ja auch irgendwo bleiben.

8. Die Außenbezirke haben ein Imageproblem

Klar, jeder von uns will in der Innenstadt leben. „Suche Wohnung, egal wo, Hauptsache innerhalb des S-Bahnrings“, lautet die Maxime. Doch wie kommt es eigentlich, dass kaum einer in Marzahn, Köpenick oder Spandau leben will? Ganz einfach: Die Randbezirke haben ein Imageproblem. Tote Hose, weit weg, schlechte Infrastruktur und Kultur höchstens auf Dorfniveau.

9. In Berlin werden noch immer Dumping-Löhne gezahlt

Sind wir doch mal ehrlich: Die meisten in Berlin angesiedelten Firmen zahlen Dumpinglöhne – und das durch die Bank weg. Egal ob Lehrer oder Kreativer, Arbeiter oder Ingenieur: Sie alle verdienen einfach viel zu wenig, um sich die hohen Mieten leisten zu können.

10. Das Potenzial bleibt ungenutzt

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Dachromantik. Wir alle haben sie erlebt. Wir alle kennen das eine oder andere Dach, auf das wir spielend raufsteigen und von dort mehrere Blocks weit laufen können. Rund 40 Millionen Quadratmeter von Berlins Dachflächen liegen brach. Hier könnte viel passieren – tut es aber bisher nicht.

11. Es mangelt an Metropolendenken

Die Politik macht einen großen Fehler: Sie denkt nicht global. Kein Wunder, dass Berlin ungebremst überrollt wurde. Es fehlt an Visionären und vor allem fehlt es an starken Volksvertretern, die auf den Putz hauen und die Missstände gezielt anpacken.

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