11 Bücher, die wir gerade lesen und die uns ein gutes Gefühl geben

Heute ist Welttag des Buches. Ein schöner Anlass, um euch einfach mal zu erzählen, welche Bücher wir in der Redaktion gerade lesen und die uns zudem ein gutes Gefühl geben. In turbulenten Zeiten wie diesen, gehört Lesen nämlich ziemlich sicher zu einer der besten Beschäftigungen überhaupt, um zumindest für einen kurzen Moment in eine andere Welt zu fliehen oder sich einfach mal mit einem anderen Thema als immer nur Corona auseinanderzusetzen. Lesen ist wie Urlaub für Kopf und Körper zugleich. Findet ihr nicht auch? Also gönnt euch öfter mal eine Auszeit und blättert in den Schmökern, die schon viel zu lange bei euch im Regal vor sich hin stauben. Falls ihr noch Inspiration für neue Lektüre sucht, scrollt euch einfach durch die Liste unten. Da sind einige Sachen dabei, die richtig spannend klingen!

1. Marit liest gerade "The Lonely City" von Olivia Laing

@ Marit Blossey

"The Lonely City" von Olivia Laing trägt den schönen Untertitel "Adventures in the Art of Being Alone" und passt damit natürlich fantastisch zur aktuellen Situation. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass ich es gerade jetzt lese, denn tatsächlich steht es schon eine ganze Weile in meinem Bücherregal; eine gute Freundin schenkte es mir letztes Jahr zum Geburtstag mit den Worten, dies sei so ein Buch, für das man genau den richtigen Moment braucht. Olivia Laing betrachtet in acht Kapiteln, wie sich verschiedene Künstler*innen (zum Beispiel Edward Hopper, Andy Warhol oder Zoe Leonard) mit dem Thema Einsamkeit beschäftigt haben, und verarbeitet dabei auch ihre eigene, persönliche Erfahrung des Alleinseins in New York City in wunderschönen Sätzen.

2. Lilly liest "Auf Erden sind wir kurz grandios" von Ocean Vuong

© Lilly Brosowsky

Ich lese gerade "Auf Erden sind wir kurz grandios" von Ocean Vuong. Er erzählt von seinem Leben als Kind vietnamesischer Einwanderer in Amerika, als homosexueller Jugendlicher und als kreativer Mensch – eine Geschichte, die manchmal heftig, machmal schön und so toll geschrieben ist. Mir tut es gut sie zu lesen, sie rückt die Perspektive gerade, ohne brutal zu sein. Kaum angefangen zu lesen, kann man sich in den schönen Worten vergessen und wenn man aufhört, kommen mir meine eigenen (Corona-)Probleme ziemlich klein und unwichtig vor.

3. Milena liest "Backpacking in Pakistan"

© Milena Magerl | Milena liest gern auf dem Kindl

Da ich gerade nicht unterwegs sein kann, nutze ich jede erdenkliche Minute, um mich in Gedanken weit weg zu träumen. Was mache ich also, um mein Fernweh zu stillen? Ich lese einfach die Reiseanekdoten anderer Traveller. Eigentlich will ich in diesem Jahr nämlich nach Pakistan reisen – vielleicht klappt das ja auch noch. Um mir also die Wartezeit bis zur Abreise zu verkürzen, schmökere ich in "Backpacking in Pakistan". Hier berichten die beiden Reisenden Anne Steinbach und Clemens Sehi über ihre Erlebnisse in dem oft so missverstanden Land und lassen mich mit ihren Erzählungen die klassischen Symptome des Reisefiebers spüren.

4. Charlott taucht mit "Ich bin Circe" von Madeline Miller in die griechische Mythologie ab

© Charlott Tornow

Ich wollte mich schon immer in die griechische Mythologie einlesen, aber die alten Schinken wie Homers "Odyssee" waren mir immer zu ungenießbar in ihrer Sprache. Das machte mir weder als Schülerin noch jetzt als Erwachsene Spaß. Dann habe ich "Ich bin Circe" von Madeline Miller entdeckt, das 2019 erschienen ist – und ich musste mich jeden Tag zwingen, das Buch wieder wegzulegen, damit ich es nicht in einem Rutsch durchlese. Das Buch erzählt die Geschichte der weniger bekannten Göttin Circe, eine Tochter des Sonnengottes Helios, die auf die einsame Insel Aiaia verbannt wird, nachdem sie ihre Zauberkünste entdeckt und eine ungeliebte Widersacherin in ein Seeungeheuer verwandelt. Zwar behandelt das Buch vor allem Circes Geschichte, aber durch Gespräche, die sie mit dem Helden Odysseus und dem Götterboten Hermes führt – mit denen sie jeweils eine Affäre hat –, erfährt der Leser ganz nebenbei auch eine Menge über all die anderen griechischen Sagen. Was mich an dem Buch besonders begeistert hat, ist, mit welcher sanften Poesie Madeline Miller die Göttin Circe zum Leben erweckt und zeigt, wie Circe durch Pein und Ausgrenzung langsam den Weg zu sich selbst findet.

5. Ida ist in Marc-Uwe Klings "QualityLand" vertieft

© Ida Maria Heinzel

Wer bei den "Känguru-Chroniken" kichern musste, wird auch "QualityLand" lieben. Denn Marc-Uwe Kling ist wohl der einzige Mensch der Welt, der eine Dystopie schreiben kann, die einen trotzdem zum Lachen bringt! Der Roman ist eine Gesellschaftssatire, die in einem vollständig digitalisierten Deutschland spielt, das aus PR-Gründen jetzt "QualityLand" heißt. Kling erzählt auf gewohnt humorvolle Weise von einem düsteren Überwachungsstaat, in dem Produktivität heilig und vollkommene Transparenz ganz normal ist. Technik dominiert das ganze Land und Algorithmen haben sämtliche Bereiche des Lebens optimiert. An einigen Stellen muss man kurz schlucken, weil die beschriebenen Technologien zum Teil schon existieren und einem die Zukunftsvorstellung erschreckend realistisch vorkommt. Und trotzdem schafft der Roman es in den Vordergrund zu stellen, welche Komik dieser irren neuen Welt innewohnt. Er schreibt von Drohnen mit Flugangst, Staubsaugern mit Messie-Syndrom und fälschlicherweise gelieferten Delfinvibratoren – und am Schluss bleibt die Gewissheit, dass auch in jeder scheinbar noch so perfekten Zukunftswelt ein bisschen Humor und Lächerlichkeit erhalten bleibt.

6. Franzi stillt ihr Fernweh mit Eve Harris "Die Hochzeit der Chani Kaufmann"

© Franziska Simon

Da meine Reise nach Israel durch Corona ausfallen musste, tauche ich zumindest mit diesem Buch in die jüdische Kultur ein. In "Die Hochzeit der Chani Kaufmann" von Eve Harris geht es um die junge orthodoxe Jüdin Chani aus London, die nach nur drei Treffen mit Baruch verheiratet wird. Während die beiden jungen Menschen in der britischen Metropole versuchen ihr Glück zwischen Tradition und Regeln zu finden, zerbricht in Jerusalem langsam eine Ehe zwischen einem älteren jüdischen Paar. Besonders gefällt mir an der Geschichte, dass die Protagonist*innen sehr echt und greifbar sind, mit dem orthodoxen Regeln hadern, auch mal frech sind und zwischendurch eine große Portion bissiger Humor Platz findet.

7. Caro verschlingt aktuell Rutger Bregmans "Utopien für Realisten"

© Carolin Franz

Gerade in Zeiten wie diesen sollte man nicht aufhören, von Utopien zu träumen und unsere Welt zu einer besseren zu machen – die Utopien in Rutger Bregmans Buch scheinen dabei manchem noch sehr weit entfernt, für andere sind sie die logische Entwicklung unserer Gesellschaft. 15-Stunden-Woche? Armut abschaffen? Na, wie denn? Durch die vielen Beispiele aus aller Welt, mit denen uns Bregman zeigt, wie Fortschritt im 21. Jahrhundert funktionieren kann, beginnt sich aber auch der Letzte so langsam zu fragen: Worauf warten wir eigentlich noch? Ein Buch über Visionen und über Menschen, die bereit sind, die Verwirklichung dieser einzufordern, macht Mut – und den können wir gerade gebrauchen.

8. Wiebke liest gerade "Nerds retten die Welt" von Sibylle Berg

© Wiebke Jann

In Zeiten von Corona zu einem Buch von Sibylle Berg zu greifen, die für ihre dystopischen Geschichten ja nun mehr als bekannt ist, scheint etwas seltsam, zugegeben. Tatsächlich ist dieses Buch aber etwas anders. Nicht, weil es hier nicht um den Weltuntergang gehen würde (die erste Frage jedes Interviews ist, ob der*die Gefragte sich heute schon um den Zustand der Welt gesorgt hat). Sondern weil in ihren Interviews von genialen Erfindungen, wie dem Exoskelett, mit dem Menschen wieder gehen können, und wegweisenden Theorien die Rede ist. Mit Nerds sind hier Menschen gemeint, die einfach 1000 Mal schlauer sind als ich, die für etwas absolut brennen und die mit ihren Theorien, Gedanken und Erfindungen tatsächlich die Welt retten könnten – und das ist, gerade jetzt, dann doch wieder irgendwie beruhigend.

9. Marie-Therese liest Jackie Thomaes "Brüder"

© Marie-Therese Freise

Das Buch handelt von zwei sehr verschiedenen Söhnen eines senegalesischen Gaststudenten, die in der DDR aufwachsen. Jackie Thomaes Roman "Brüder" erzählt von den unterschiedlichen Wegen, die die Halbbrüder jeweils einschlagen, der erste als sorgloser Lebemann im Nachtleben Berlins und der zweite in der Londoner Architektenszene mit gesetteltem Familienleben. Was ich an dem Buch mag? Die ungewöhnliche Familiengeschichte, dass dieses Werk eine tolle Charakterstudie ist und dass das hedonistische Partyleben im Berlin der 90er Jahre beleuchtet wird.

10. Sophie vergnügt sich die Zeit mit "Auerhaus" von Bov Bjerg

© Sophie Koch

Klein, aber fein. "Auerhaus" von Bov Bjerg habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. Einer meiner Neujahrsvorsätze war es, wieder mehr zu lesen. Da eignete sich das kleine Buch perfekt für die U-Bahn. Seitdem lag es jedoch in meiner Handtasche. Es stellt sich raus: es ist die perfekte Balkonlektüre, die mich direkt zurück in meine Abiturzeit auf dem Land versetzt. Bov Bjerg erzählt in seinem Roman von Schülern, die Ende der 80er, kurz vor ihrem Abi, eine WG in einer schwäbischen Provinz gründen. Sechs Idealisten, die nicht nur ihr eigenes Leben retten wollen, sondern vor allem das ihres besten Freundes Frieder. Denn der ist sich nicht so sicher, warum er überhaupt leben soll. Ein wunderbares Buch über die Jugend, Liebe, Freundschaft und das Erwachsenwerden. Am liebsten wäre ich auch mit eingezogen ins Auerhaus - in the middle of the street.

11. Insa liest endlich das "Das weibliche Prinzip" von Meg Wolitzer

Meg Wolitzer, Das weibliche Prinzip
© Insa Grüning

Überall in meinem Zimmer bilden sich seit Monaten kleine Stapel mit Büchern, die ich lesen möchte – irgendwann, wenn mal Zeit ist. Irgendwo dazwischen lag auch Meg Wolitzers "Das weibliche Prinzip". Jetzt habe ich es endlich geschafft, anzufangen und bin schon nach 100 Seiten begeistert. Die Hauptprotagonistin des Romans heißt Greer Kadetsky. Greer ist eine junge Frau, die das College besucht, sie führt eine bodenständige Beziehung mit Cory, wirkt aber etwas schüchtern und manchmal auch sehr unsicher. Aber dann trifft sie Faith Frank. Faith ist hingegen eine gestandene Frau, 63 Jahre alt, selbstbewusst, kämpferisch und eine Ikone der Frauenbewegung. Die Begegnung mit Faith hinterlässt nachhaltigen Eindruck bei Greer, denn sie stellt sich daraufhin, nun ja, die großen Fragen des Lebens. Wer bin ich? Und wer möchte ich eigentlich sein? Einige Jahre später, Greer hat ihren Abschluss längst in der Tasche, lädt Faith sie zu einem Vorstellungsgespräch nach New York ein – der erste Schritt in ein ungeahnt abenteuerliches Leben für Greer. Meg Wolitzer hat mit "Das weibliche Prinzip" nicht nur ein Buch über Feminismus, Mut und besondere Begegnungen im Leben geschrieben, sondern auch eine präzise Beschreibung unserer Zeit abgeliefert.

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