ARTVERGNÜGEN #90 – Unsere 11 Kunsttipps für den Februar

Februar ist dann, wenn Galerien und Künstler endlich ausgekatert haben. Wir schicken euch los durch Epochen, vorbei an abscheulichen Machtspielchen, über den roten Teppich und verlosen sogar hübsche Künstlerkataloge für euer Bücherregal. Jetzt sage noch einer der Februar kann nix.

1. Power Hungy – KWADRAT
„Es gab Zeiten, da haben wir unser Essen gegessen.“, sagen die Instagram Husbands. Man fragt sich ja schon, ob unsere Lebensmittel in den letzten Jahren schöner geworden sind oder ob sie sich nur vorsorglich immer hübsch machen, weil die nächste Kamera nie weit ist; im besten Fall die des neuseeländischen Fotografenduos Hargreaves und Levin. Die Ausstellung Power Hungry ist weniger verspielt und unterhaltsam als ihre üblichen Serien. Sie thematisiert Nahrung als Machtwerkzeug. In einem Akt ungerechter Ungleichverteilung unterdrücken autoritäre Regimes ganze Bevölkerungsgruppen durch Restriktion von Lebensmitteln, andere richten sich durch zügelloses Fressen selbst hin. Nahrung als Politikum.

7. Februar bis 5. März 2016
Eröffnung: 6. Februar, 19.00–22.00 Uhr
KWADRAT, Manteuffelstraße 92
Mittwoch – Samstag: 13.00–19.00 Uhr

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2. Das Bild hängt schief – Galerie Max Hetzler
Nach dem Vormarsch von Fotografie und Installation ist die Malerei in den letzten Jahren leider zum Stiefkind der Kunst verkommen. Doch vielleicht ist das nur passiert, um uns jetzt umso mehr zu überraschen. Diese Gruppenausstellung zeigt eine neue Auseinandersetzung und Weiterentwicklung von abstrakter Malerei und beweist damit, dass diese Kunstform zu Recht aus ihrem Dornröschenschlaf geholt werden sollte.

Bis 5. März 2016
Galerie Max Hetzler, Goethestraße 2/3
Dienstag – Samstag: 11.00–18.00 Uhr

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3. Lennart Grau "2cm über dem Zenit" – Circle Culture Gallery
Eskapismus, Opulenz und Dekadenz beschreiben Lennart Graus Malereien. Der junge Maler bezieht seine Ästhetik und Motive aus den prunkvollen Werken des Rokokos, des Biedermeiers und des Barocks und holt ihre Stillleben und Heldenporträts in die Gegenwart; ohne zu verherrlichen, dass die großen Zeiten der Hauptfiguren lange vorbei sind – sie haben ihren Zenit überschritten. Aus klaren Linien werden in seinen Ölgemälden fließende Farbfelder, die Vergangenheit zur Abstraktion.

27. Februar bis 16. April 2016
Eröffnung: 26. Februar, 19.00–21.00 Uhr
Circle Culture Gallery, Potsdamer Straße 68
Dienstag: 14.00–18.00 Uhr, Mittwoch – Samstag: 12.00–18.00 Uhr

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4. In Formation – Galerie Sexauer
Die Geschichte lehrt uns wichtige Lektionen, beispielsweise dass die einflussreichsten Stilepochen bereits passé sind. Zeitgenössische Kunst und Design referenzieren immer wieder Ikonen der Vergangenheit. Ettore Sottsass zum Beispiel ist Inspirierter und Inspirierender. Der "Godfather of the Italian Cool" (Guardian) und Gründer des experimentellen Designkollektivs Memphis fand Muse in den Impressionisten, im Kubismus und Fauvismus, in Kandinsky und Ernst. Bei In Formation steht dieser Akt des ästhetischen Weiterreichens im Mittelpunkt – und Sottsass' legendäres Casablanca Sideboard, um das sich Arbeiten zeitgenössischer Künstler mit konzeptioneller oder ästhetischer Nähe gruppieren.

Bis 20. Februar 2016
Sexauer Gallery, Streustraße 90
Dienstag – Samstag: 13.00–18.00 Uhr

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5. Kiki Kogelnik – König Galerie
Mitte der 1960er Jahre bewegte sich die Österreicherin Kiki Kogelnik als junge Frau in einem zwischen Unruhe und Optimismus bestimmten New York. Mit Euphorie blickte man damals auf eine sich rasant verändernde Zukunft und feierte die neue Freiheit der Jugend. Von diesen Gefühlen vereinnahmt, nahm sich Kiki ihrer Farben an und malte abstrakte, positive Bilder, von denen wir gerade heute wieder viel für uns ziehen können.

6. Februar bis 6. März 2016
König Galerie, Alexandrinenstraße 118–121
Dienstag – Samstag: 11.00–18.00 Uhr

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6. David Lamelas – Sprüth Magers
Konzeptkunst spricht sich eigentlich nur in einem Atemzug mit Lamelas, auch wenn das furchtbar abgedroschen klingt. Doch seit über 50 Jahren bringt der Künstler durch seine Arbeiten immer wieder frischen Wind und neue Ideen in die Kunstwelt und zeigt uns in dieser Ausstellung zum Beispiel wie man einen Text kinematisch lesen kann. Begleitet wird das von einigen Kohlezeichnungen und Skulpturen, die die Räume der Galerie ganz wunderbar bespielen.

Bis 2. April 2016
Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18
Dienstag – Samstag: 11.00–18.00 Uhr

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7. Julian Rosenfeldt – Hamburger Bahnhof
Jedem sein Manifest! Der Film- und Fotokünstler Rosenfeldt nimmt sich dieser Sache sehr genau an und zeigt in seiner Einzelausstellung in 13 parallel laufenden Filmen die Collagen von Manifesten berühmter Künstler, Architekten, Choreographen und Filmschaffenden. Diese Texte werden von keiner geringeren als Cate Blanchett vorgetragen und verspricht ein wütendes, schreiendes und überzeugtes Happening zu werden.

10. Februar bis 10. Juli 2016
Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50–51
Dienstag – Sonntag: 10.00–18.00 Uhr, Donnerstag: 10.00–20.00 Uhr

© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


8. To Outland – SMAC
Medien vermitteln Wahrheiten und Lügen, Informationen und Meinungen. Carla Chan verwendet sie, um Eindrücke der Natur zu verarbeiten. In ihrem Computer verschmelzen Texturen, Größen und Bewegungen zu Videoarbeiten wie Black Moves, die sie bei SMAC auf einer knapp 4x3m großen Wand zeigt. Abstrahierte Eisberge, Strömungen und Wellen saugen euch auf und das so wahrhaftig immersiv, dass es einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Insgesamt 11 audiovisuelle Arbeiten spielen in ihrer ersten Soloshow in Deutschland mit euren Sinnen.

Wollt ihr eines von drei bildgewaltigen Büchern zur Ausstellung gewinnen? Dann verratet uns in den Kommentaren doch, was euch so richtig in Schwindel versetzt.

Bis 14. Februar 2016
SMAC: Linienstraße 57
täglich 13.00– 19.00 Uhr

Bei Interesse an einer exklusiven Tour mit Carla Chan am 4. Februar, von 19.00 bis 20.00 Uhr könnt ihr euch bis Mittwoch, 3. Februar, bei Kyle Chung ([email protected]) anmelden.  

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9. Kunst aus dem Holocaust  – Deutsches Historisches Museum 
Berufsverbot war im Nationalsozialismus noch die mildeste Bestrafung regimeuntreuer Künstler. Aber trotz der harten Peitsche geschah eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem herrschenden Horror sogar in den Konzentrations- und Arbeitslagern. Männer und Frauen erschufen mit dem Pinsel eine Gegenrealität zum unerträglichen Alltag, andere bildeten das Grauen in den Lagern ab. 100 Arbeiten von 50 inhaftierten jüdischen Künstlern aus der Sammlung Yad Vadesh aus Jerusalem sind jetzt im Deutschen Historischen Museum zu sehen. Nur die Hälfte der ausgestellten Künstler hat übrigens das Lager überlebt.

Bis 3. April 2016
Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2
täglich 10.00–18.00Uhr


© Nelly Toll, Mädchen im Feld / Girls in the Field, 1943, Collection of the Yad Vashem Art Museum, Jerusalem


10. Secret Surface: Wo Sinn entsteht  – KW Institute of Contemporary Art
Neuesten Studien zufolge schützt Spiritualität vor Traumata. Das könnte erklären, warum sie momentan bei einer tendenziell düsteren Nachrichtenlage ein Comeback im Mainstream erlebt. Spiritualität, die Nähe zu metaphysischen Energien, scheint Halt zu geben. Das KW versucht sich aber mit einer Gegenposition: Künstler wie Katharina Sieverding, Reena Spaulings, Alex Israel, Philippe Parreno und Auto Italia begeben sich auf Sinnsuche in dem scheinbar hohlen Weltlichen, nach dem "Geheimnis der Oberfläche".

14. Februar bis 1. Mai 2016
Eröffnung: Samstag, 13. Februar, 17.00–22.00 Uhr
KW Institute of Contemporary Art, Auguststraße 69
Mittwoch – Montag: 12.00–19.00 Uhr, Donnerstag: 12.00–21.00 Uhr 

© Ying Miao


11. Florian Kolmer – Studio Picknick
Natürlich lassen wir den Berlinale-Februar nicht ohne eine entsprechende Empfehlung verstreichen. Fotograf Florian Kolmer liefert die passende Ausstellung für Celebrity-Jäger. In den letzten Jahren hat er unzählige Prominente nationaler und internationaler Größe, von Lily Cole bis Bianca Jagger, vor die Linse bekommen. Sein Best-of zeigt er im Studio Picknick, stilgetreu mitsamt After-Show-Party.

Eröffnung 16. Februar, 19.00 Uhr, Party ab 22.00 Uhr
Studio Picknick, Mohrenstraße 63

Montag – Samstag: 12.00–18.00 Uhr 

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Im letzten Artvergnügen haben wir euch unsere Highlights für 2016 vorgestellt. Noch mehr Kunst findet ihr hier.

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