Zwischen salzigen Küssen und Draußentanzen: So fühlt sich der erste (richtige) Sommer in Berlin an

© Xenia Beitz

"Es riecht nach Sommer. Dann, wenn Regentropfen auf den warmen Asphalt fallen. Dann, wenn die Essensgerüche über die mit Menschen gefüllten Tische auf der Straße in der Nase kitzeln. Dann, wenn Küsse in der Dämmerung leicht nach Wein und Salz schmecken. Küss' mich kurz Sommer und bleib für immer", tippe ich nach einer langen Sommernacht etwas verträumt in mein Handy, speichere es in meinen Notizen unter Schreibideen und lege es mit einem Lächeln zur Seite. Die Ofenuhr zeigt halb zwölf, wie an vielen Abenden, wenn ich leicht verschwitzt vom Tag in die kühle Wohnung stolpere, dürftig meine Sachen auspacke, mir ein Glas Wasser nehme und weiß: Es ist Zeit fürs Bett!

Dort überkommt mich dann ein wohlig warmes Gefühl von Zufriedenheit. Ja, gerade bin ich ziemlich glücklich und ich weiß, wer die Hauptverantwortung dafür trägt – der Sommer in Berlin. Streng genommen ist es gar nicht mein erster Sommer in der Hauptstadt, aber der erste richtige, denn als ich hergezogen bin, schwebte über Berlin noch der dicke Lockdown-Nebel. Inzwischen hat alles ohne Beschränkungen geöffnet, Open-Air-Kinos finden statt, Outdoor Clubbing ist wieder ein Ding, das Angebot an Festivals kam mir noch nie so üppig vor, Konzerte habe ich auch schon besucht und es wartet noch so viel mehr auf mich!

Humboldthain Club
© Xenia Beitz

Wenn es nach mir ginge, wäre ich am liebsten überall dabei, meine Wohnung bräuchte ich eigentlich nur noch zum Schlafen. Der Sommer in Berlin hat mich vollends gepackt. Mein Fahrrad wird so häufig ausgeführt wie nie, ganze sechs Badeseen in und um Berlin sind auf meiner Liste schon abgehakt, nach der Arbeit direkt nach Hause fahren wird zur Seltenheit, meist bin ich draußen mit Freund*innen verabredet und jeden Freitagnachmittag überlege ich aufs Neue, wie ich das freie Wochenende verbringen möchte und kann mich kaum entscheiden. Ein Lebensgefühl, das sich über zwei Jahre immer mehr zurückzog und das ich kaum noch spürte, ist zurück. Meine Energiereserven scheinen unendlich und das fast vergessene Gefühl der Lebendigkeit pulsiert in mir.

Lebendig fühle ich mich, wenn ich unter freiem Himmel tanze, abends ins kühle Nass springe und mich zum Sonnenuntergang mit einem Getränk ans Ufer setzte, Orte in Berlin entdecke, die ich nicht kannte, mit meinem Fahrrad durch die belebten Straßen radel, mir draußen das vierte Eis der Woche hole, mit dem Carsharing-Cabrio den Wind in den Haaren spüre oder auf dem Tempelhofer Feld mit Freund*innen grille.

Strandbad Weißensee
© Xenia Beitz

Küss' mich kurz Sommer und bleib für immer

Dieses Gefühl würde ich am liebsten einfrieren, noch besser die Zeit anhalten. Ein ewiger Sommer in Berlin. Wie lustlos, eingestaubt und düster die Wintermonate gewesen sind, merke ich jetzt im direkten Kontrast. Und oft stelle ich mir die Frage: War das wirklich die gleiche Person? Mein Bett hat mich im Winter an einem Tag häufiger gesehen als jetzt in einer Woche und mein Energielevel war ehrlich gesagt unterirdisch. Während ich jetzt mit einem Lächeln und leichtem Gefühl im Bauch durch die Straßen flaniere, zwang ich mich in der kalten Jahreshälfte täglich zum Spazierengehen nach draußen. Monatelang wartet man auf höhere Temperaturen, längere Abende und hellere Zeiten und wenn der Sommer da ist, spürt man es meist erst, wenn fast alles schon wieder vorbei ist.

Lebendig fühle ich mich, wenn ich unter freiem Himmel tanze. Abends ins kühle Nass springe. Mich zum Sonnenuntergang mit einem Getränk ans Ufer setze. Mit meinem Fahrrad durch die belebten Straßen radel. Mit mittwochs mein viertes Eis der Woche hole. Im Carsharing-Cabrio den Wind in den Haaren spüre.

Ich kann es nicht anders sagen: Ich liebe den Sommer in Berlin. Liebe die warme Luft, die Lebendigkeit der Stadt, die gute Laune der Menschen (ja, auch in Berlin), meine Spontanität, den Geruch von Regen auf warmem Asphalt, ewige Sonnenuntergänge und lange Nächte draußen. Auch wenn ich mich vorher schon in Berlin sehr wohlgefühlt habe, dieser Sommer verändert alles, verändert mich.