11 Ausstellungen, die ihr im Spätsommer besuchen solltet

Während wir uns in den letzten Wochen zu Recht viel draußen aufgehalten haben, kehrt mit den kühleren Temperaturen und viel Regen langsam das Bedürfnis zurück, sich in warmen Innenräumen aufzuhalten. Wer nicht nur faulenzen, sondern trotzdem etwas erleben, sich inspirieren lassen oder dazulernen möchte, sollte den schönsten Museen und Galerien der Stadt mal wieder einen Besuch abstatten. Welche Ausstellungen ihr in diesem Spätsommer noch abklappern solltet und welche im September ganz neu starten, verraten wir euch hier:

Bitte beachtet, dass für den Besuch einer Kultureinrichtung in Berlin im Vorhinein ein Zeitfenster-Ticket gebucht werden muss. Darüber hinaus ist der Besuch nur mit FFP2-Maske möglich. Die Vorlage eines tagesaktuellen Testergebnisses ist für den Museumsbesuch bis auf Weiteres nicht mehr nötig. Bitte informiert euch zur Sicherheit aber noch einmal bei der jeweiligen Institution.

1. Alexander Calder. Minimal / Maximal

Alexander Calder. Minimal / MaximalAlexander Calder, Five Swords, 1976, Stahl, Bolzen, Farbe / Sheet metal, bolts, paint541 x 671 x 884 cm / 213 x 264 x 348 in.Calder Foundation, New York. © 2021 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York. Ludwig Mies van der Rohe / VG-Bildkunst Bonn, 2021 / © David von Becker

Zur Wiedereröffnung zeigt die Neue Nationalgalerie die Ausstellung "Alexander Calder. Minimal / Maximal". Der Bildhauer ist mit seinen monumentalen Skulpturen, den Stabiles, ebenso wie mit seinen winzigen, organischen und sich frei im Raum bewegenden Miniaturen (Mobiles) berühmt geworden. Calder gilt als Vertreter der kinetischen Kunst, die Bewegung und Partizipation der Betrachter*innen als zentralen Bestandteil des Kunstobjekts definiert. Und genau das wird in der Glashalle der Neuen Nationalgalerie erzeugt: Ihr könnt die riesigen Skulpturen aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Perspektiven entdecken, um sie herum schleichen, aus der Ferne oder ganz aus der Nähe betrachten. Die organischen Objekte Calders treffen in der Neuen Nationalgalerie auf die strenge Geometrie des Mies van der Rohe, wodurch ein spannender Kontrast entsteht. Solltet ihr nicht verpassen!

"Alexander Calder. Minimal / Maximal" | Neue Nationlagalerie | Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin | bis 13.02.2022 | Dienstag & Mittwoch: 10–18 Uhr, Donnerstag: 10–20 Uhr, Freitag – Sonntag: 10–18 Uhr | Mehr Info

2. Ende Neu

Ende Neu Installationsansicht / Installation view Maschinenhaus M1, KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin / Maschinenhaus M1, KINDL – Centre for Contemporary Art, Berlin Foto / Photo: Jens Ziehe, 2021 © Bastian Hoffmann / Michael Sailstorfer / VG Bild-Kunst, Bonn, 2021

In der ehemaligen KINDL-Brauerei in Neukölln, in der sich heute das Zentrum für zeitgenössische Kunst befindet, läuft derzeit die Gruppenausstellung "Ende Neu", die Arbeiten von Künstler*innen wie Katja Aufleger, Angela de la Cruz, Caterina Gobbi, Bastian Hoffmann, Soshi Matsunobe, Renaud Regnery, Michael Sailstorfer und Nicola Samorì zeigt. Was ihre Werke verbindet, ist, dass sie verschiedene Mittel der Zerstörung einsetzen und damit das Prinzip von Ursache und Wirkung infrage stellen, Dinge boykottieren oder die Wahrnehmung der Betrachter*innen stören möchten. Aber bedeutet Zerstörung automatisch das Ende? Auf ein Ende kann doch auch Veränderung folgen, Dekonstruktion kann doch auch Neuanfang sein. Die Ausstellung will die positiven Potentiale dekonstruktiver Kräfte mehr in den Fokus rücken und, wie ich finde, Mut machen, einen Neubeginn zu starten.

"Ende Neu" | KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst | Am Sudhaus 3, 12053 Berlin | bis 06.02.2022 | Mittwoch: 12–20 Uhr, Donnerstag – Sonntag: 12–18 Uhr | Mehr Info

3. Diversity United – Das künstlerische Gesicht Europas

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Im ehemaligen Flughafen Tempelhof wird noch bis zum 19. September die Schau "Diversity United – Das künstlerische Gesicht Europas" gezeigt, die Arbeiten von insgesamt 90 Künstler*innen versammelt, die aus über 34 Ländern kommen. Das Ergebnis ist ein Konglomerat zeitgenössischer und multimedialer Kunstwerke, die einen sehr guten Querschnitt der aktuellen Trends in der europäischen Kunstszene vermitteln. Themen, die euch bei eurem Rundgang häufiger begegnen werden, sind zum Beispiel Migration, Gleichheit und persönliche wie auch politische Identität. Was die Ausstellung aber vor allem zeigt: Kunst ist vielfältig, so wie unsere Herkunft, wie unsere Geschichte und unsere Gegenwart. Aber sie ist auch seit jeher eines der besten Mittel zur Verständigung und regt zum Austausch an – und das über alle Grenzen hinweg. Hin da, so lange ihr die Chance noch habt!

"Diversity United – Das künstlerische Gesicht Europas" | Flughafen Tempelhof, Hangar 2 + 3| Columbiadamm 10, 12101 Berlin | bis 19.09.2021 | Montag: 11–18 Uhr, Mittwoch: 11–18 Uhr, Donnerstag – Sonntag: 11–20 Uhr | Mehr Info

4. Swimming Pool – Troubled Waters

Rä di Martino, Controfigura (Stand In), 2017, Video (Videostill), 76:00 min

Im Künstlerhaus Bethanien läuft aktuell die Ausstellung "Swimming Pool – Troubled Waters". Im Mittelpunkt steht nur ein Bildmotiv – der Swimmingpool. Während viele von uns (inklusive mir) eher klischeebehaftete Assoziationen mit einem Swimmingpool haben und vor allem mit Wohlstand, Luxus und Leichtigkeit verbinden, repräsentiert er für andere Menschen das genaue Gegenteil. Der Swimmingpool kann ebenso Ausdruck von Wassermangel, Klassenunterschieden oder Sinnbild für Migrationsbewegungen sein. Menschen haben unterschiedliche Beziehungen zum Wasser, es lohnt sich darum wirklich sehr, seine eigenen Klischeevorstellungen mal zu hinterfragen. In der Ausstellung werden auch Referenzen zu Filmklassikern wie "Der Swimming Pool" von Jacques Deray oder dem Remake "A Bigger Splash" von 2015 gezogen. Sehr interessant!

"Swimming Pool – Troubled Waters" | Künstlerhaus Bethanien | Kottbusser Straße 10, 10999 Berlin | bis 15.09.2021 | Dienstag – Sonntag: 14–19 Uhr | Mehr Info

5. documenta. Politik und Kunst.

Guerrilla Girls, Why in 1987 is documenta 95 % white and 83 % male?, 1987 documenta 8, 1987 © Courtesy of Guerrilla Girls, www.guerrillagirls. com

Wie wurde mit Kunst auf der documenta Politik gemacht? Die Ausstellung "documenta. Politik und Kunst" im Deutschen Historischen Museum geht dieser Frage, wie sich die Bundesrepublik im Spiegel der Kunstausstellung vor allem zwischen den Jahren 1955 und 1997 neu erfand, nach. Zwar hat sich die documenta radikal von der Kulturpolitik des Nationalsozialismus abzugrenzen versucht, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit wurde allerdings sehr lange strikt verweigert. Auffällig ist außerdem, dass sich die documenta in all den Jahren politisch stark westlich orientierte, während man sich von der "sozialistischen" Kunst des Ostblocks eindeutig distanzierte. Ihr wollt Antworten auf all diese Fragen? Dann schaut unbedingt mal vorbei.

"documenta. Politik und Kunst" | Deutsches Historisches Museum, Pei-Bau | Unter den Linden 2, 10117 Berlin | bis 09.01.2021 | Freitag – Mittwoch: 10–18 Uhr,
Donnerstag: 10–20 Uhr | Mehr Infos

6. Stephan Erfurt: On the Road

Stephan Erfurt, From the series Highway No 1, California, 1988 © Stephan Erfurt

In der Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie sind aktuell parallel zur Ausstellung "America 1970s/80s" Fotografien von Stephan Erfurt zu sehen. "On the Road" zeigt eine Auswahl seiner fotografischen Arbeiten, die in den 1980er Jahren in den USA, auf Reisen von New York bis nach Kalifornien, entstanden sind. Erfurt, der in Essen studierte, dann lange Zeit in New York lebte und nach dem Mauerfall wieder zurückkam, hatte sich vor allem mit seinen intensiv recherchierten Reportagen für das FAZ-Magazin, häufig mit Texten von Jordan Mejias kombiniert, einen Namen gemacht und mit vielen berühmten Fotograf*innen zusammengearbeitet. Später gründete die C/O Berlin (ganz in der Nähe des Museums für Fotografie), die ihr sicherlich alle kennt und heute als einer der wichtigsten Orte für internationale Fotokunst gilt.

"Stephan Erfurt: On the Road" | Museum für Fotografie | Jebensstraße 2, 10623 Berlin | bis 10.10.2021 | Dienstag & Mittwoch: 11–19 Uhr, Donnerstag: 11–20 Uhr, Freitag – Sonntag: 11–19 Uhr | Mehr Infos

7. Tony Cragg: Drawing as Continuum

Tony Cragg, Manipulations, 2005, Wasserfarben, 37,5 x 53,5 cm, Courtesy der Künstler, Foto: Christer Hallgren, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Im Haus am Waldsee kommen Liebhaber*innen von Zeichnungen und Druckgrafiken ab dem 17. September auf ihre Kosten, denn die neue Ausstellung "Drawing as Continuum" beleuchtet das Werk von Tony Cragg. Über 200 Handzeichnungen, Lithographien und Aquarelle von den 1980er Jahren bis heute werden dort zu sehen sein. Inspiration für seine verdichteten Linienwerke auf Papier schöpft der international erfolgreiche Künstler Cragg aus Natur gegebenen Gesetzesmäßigkeiten, aber entdeckt sie auch in fossilen Funden oder Spuren ebenso wie in der digitalen Welt.

"Tony Cragg: Drawing as Continuum" | Haus am Waldsee | Argentinische Allee 30, 14163 Berlin | 17.09.2021 – 09.01.2022 | Dienstag – Sonntag: 11–18 Uhr | Mehr Infos

8. BERLIN GLOBAL

© Oana Popa-Costea

Im Juli hat das Humboldt Forum in Berlin-Mitte eröffnet und mit ihm auch gleich mehrere sehenswerte Ausstellungen, die sich nicht nur mit der Geschichte des Ortes rund um das Berliner Stadtschloss, sondern auch mit vielen weiteren Themen, die Berlin als Metropole geformt haben und bis heute prägen, beschäftigen. Eine von ihnen ist die interaktive Ausstellung "BERLIN GLOBAL", die das Stadtmuseum Berlin und Kulturprojekte Berlin gemeinsam konzipiert haben. In verschiedenen Themenräumen untersucht die Schau das komplexe historische sowie gegenwärtige Beziehungsgeflecht zwischen Berlin und der Welt, bespricht Entwicklungen und aktuelle Problemlagen. Spoiler: Auch die legendäre Tresor-Clubtür des berühmten Technoclubs, die bis heute als Sinnbild für Freiheit, Grenzenlosigkeit und Vergnügen steht, könnt ihr hier anschauen. Der Eintritt ist die ersten 100 Tage bis zum 13. November sogar frei!

BERLIN GLOBAL | Humboldt Forum | Schlossplatz, 10178 Berlin | bis 01.09.2022 | Mittwoch – Montag: 10–20 Uhr | Mehr Infos

9. Alicja Kwade: In Abwesenheit

Alicja Kwade, Selbstporträt, 2020, Courtesy of the artist; KÖNIG GALERIE, Berlin/ London/ Seoul/ Decentraland, Foto: Roman März

Die Berlinische Galerie widmet ab dem 18. September den neueren Arbeiten der Künstlerin Alicja Kwade eine Ausstellung mit dem Namen "In Abwesenheit". Kwade beschäftigt sich darin erstmals mit sich selbst, wenn man so will. Sie untersucht, wie sich der Mensch und seine physische Präsenz im Raum beschreiben lassen. Ihre Lösungsvorschläge scheinen vielfältig, hinterlassen aber auch Fragezeichen: Sind wir nur chemische Elemente, ein pulsierender Herzschlag oder ein vollständig ausgelesenes Genom? Kwades Skulpturen basieren auf verschiedenen Modellen und Konstruktionen, mit deren Hilfe wir immer wieder versuchen, Realität wahrzunehmen. Sie sind aber genauso auch Mittel, um Erkenntnisse – objektive ebenso wie subjektive – zu hinterfragen. 

"Alicja Kwade: In Abwesenheit" | Berlinische Galerie | Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin | 18.09.2021 – 04.04.2022 | Mittwoch – Montag: 10–18 Uhr | Mehr Infos

10. IN WAVES – #womenincovid

© Abi Shehu, "Floçka"

Wie verändert die Pandemie das Leben von Frauen? Ein Fotografinnenkollektiv hat sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigt und nun ein Projekt über Frauen während Corona realisiert, "IN WAVES – #womenincovid". Die Fotografien porträtieren alleinerziehende Mütter, Fabrikarbeiterinnen, obdachlose Frauen und geflüchtete ebenso wie alte Menschen, Hebammen und Teenager. Auch Themen wie häusliche Gewalt, Rassismus und Sexarbeit werden nicht ausgespart. In einer Zeit, in der Kultur fast zum Stillstand gekommen ist, soll die großformatig inszenierte Freiluftausstellung nun vielen Menschen einen direkten und unbegrenzten Zugang ermöglichen – um eben diesen Frauen eine Stimme und größere Sichtbarkeit zu geben. Ab dem 23. September wird auf rund 90 Metern Fläche die Köpenicker Straße mit den Fotos bespielt. Unbedingt anschauen.

"IN WAVES – #womenincovid" | Plakatwand | Köpenicker Straße 70, 10179 Berlin | 20.09.2021 – 3.10.2021 

11. The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990

Pollock-Krasner Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Sabrina Walz, rba_d035289, Courtesy: Museum Ludwig Köln, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung

Rund 30 Jahre ist es her, dass die Sowjetunion auseinander gebrochen ist. Aus diesem Anlass zeigt der Martin-Gropius-Bau ab dem 24. September "The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990" mit 165 Arbeiten aus der Sammlung Ludwig, die sich normalerweise in sechs verschiedenen Museen auf der ganzen Welt befinden. Das Paar Ludwig gehört zu den ersten Kunstsammler*innen, die parallel sowohl amerikanische als auch sowjetische Kunst gekauft haben. Dank ihnen kann die Ausstellung Werke aus beiden Lagern des Ost-West-Konflikts, also der Zeit des Kalten Krieges, kritisch gegenüberstellen. Wie wurden Vorstellungen von Freiheit, politische wie ästhetische Fragen auf beiden Seiten damals verhandelt? Etwa bei Andy Warhol, Ilja Kabakov oder Jackson Pollock?

"The Cool and the Cold. Malerei aus den USA und der UdSSR 1960–1990" | Martin-Gropius-Bau | Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin | 24.09.2021 – 09.01.2022 | Mittwoch – Montag: 10–19 Uhr | Mehr Infos

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