Romantische Sonnenuntergänge im Glas: Eine Liebeserklärung an den Aperol Spritz

© Wiebke Jann

Es ist Frühling, den Temperaturen nach sogar schon der Beginn des Sommers. Wir hängen den Wintermantel und die Vernunft in den Schrank und fühlen uns genauso frei wie unsere nackigen Füße in Birkenstocks. Von Mai bis September knutschen wir in Parks. Spielen auf Dates nervös mit unseren Cocktailschirmchen. Erfinden uns ständig neu. Wir stromern gut gelaunt durch die Gassen. Und in der Luft liegt ein ganz besonderer Duft: der Duft von Freiheit. Von Liebe. Und von Aperol Spritz.

Allerspätestens seit dem letzten Sommer ist es nicht mehr das kühle Blonde, das aller Augen zum Leuchten bringt, sondern dieser bittersüße orangefarbene Saft, der uns italienische Leichtigkeit ins Glas zaubert. Aperol Spritz ist La Dolce Vita in Reinform und löst in uns unweigerlich das Gefühl von Sommerurlaub auf einer italienischen Piazza aus – egal ob wir gerade am Arno in Florenz, den Kanälen von Venedig oder an einer Autobahnraststätte an der A1 sitzen.

© Wiebke Jann

Mondän, cool und unisex: Der Aperol Spritz ist der perfekte Sommerdrink

Auf Aperol Spritz können sich alle einigen, er ist der VW Golf unter den Getränken. Mit der halben Orangenscheibe als Garnish und den immerhin drei verschiedenen Zutaten ist er mondäner und eben auch ein bisschen fancier als die wirklich heiß geliebte Weinschorle oder der Sekt auf Eis. Und auch wenn er leise an das dunkle Zeitalter des Hugo erinnert, lässt sich der Aperol Spritz, anders als seine holunderblütige Cousine, nicht vor den ländlichen Gartenparty-Karren spannen oder zum Star-Gast jedes Jungesell*innenabends machen – dafür ist er einfach zu cool. So cool, dass Freund*innen ihn sogar nur Spritz nennen.

Seine Coolness manifestiert sich aber nicht nur in den Eiswürfeln, sondern auch in der Gläserwahl: Er besteht nicht wie das Bier auf eine bestimmte Glassorte, er braucht auch nicht unbedingt den Chichi eines langstieligen Weinglases, der Aperol Spritz macht egal ob Wein- oder Schraubglas, Tumbler oder – gesehen bei meiner Kollegin Laura in München – der Maß eine durchweg gute Figur. Wer Aperol Spritz trinkt, eckt nie an. Der Aperol Spritz ist wie eine gute Beziehung: ein bisschen prickelnd, ein bisschen aufregend, ein bisschen süß, ein bisschen sexy und am Ende aber doch so herrlich unaufregend und comforting, dass man nach einem langen Arbeitstag immer gerne zu ihm nach Hause kommt, ihn in den Arm nimmt und gemeinsam mit ihm auf der Couch einschläft.

Und anders als seine kleine Cousine, der Hugo, oder der Deutschen liebstes Getränk, das Bier, hat es noch kein binäres Geschlecht geschafft, den Spritz unter seine Gender-Fittiche zu bekommen. Der Aperol Spritz ist mondän, cool und unisex tragbar, kurzum: Er ist der perfekte Sommerdrink.

Aperol Spritz ist La Dolce Vita in Reinform und löst in uns unweigerlich das Gefühl von Sommerurlaub auf einer italienischen Piazza aus – egal ob wir gerade am Arno in Florenz, den Kanälen von Venedig oder einer Autobahnraststätte an der A1 sitzen.
© Wiebke Jann

Der Aperol Spritz sieht aber nicht nur gut aus, er ist auch der Krisenhelfer Nummer 1 des vergangenen Jahres. Kein Getränk hat 2020 so viele einsame Herzen getröstet, Freund*innen beim Spaziergang begleitet, Couples zu einer unvergesslichen Date Night verholfen. Niemand war in so vielen Zoom-Calls, hatte so viele Insta-Auftritte und in keinem Getränk wurde so viel Frust, Unmut und Wut ertränkt. Wenn in den vergangenen 15 Monaten – abgesehen von Coroni – irgendjemand immer für uns da war, dann der Aperol Spritz. Was für Mexiko der Tequila, ist allerspätestens während Corona der Aperol Spritz für Deutschland geworden. Und genau deswegen sollte der Spritz auch unbedingt, ebenso wie der Tequila, zum immateriellen Kulturerbe werden. In seiner Heimat Italien, aber auch in seiner zweiten Heimat zwischen Elbe und Spree.

Aperol Spritz als immaterielles Kulturerbe! Jetzt!
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