Wie werde ich Öko in 11 Tagen

© Wiebke Jann

Irgendetwas hat den Auslöser gegeben. Vielleicht hast du eine Doku wie "Plastic Planet" oder "Before The Flood" gesehen. Oder aber einfach die Nachrichten: Mikroplastik im Stuhl, Feuer in Australien, Heuschreckenplagen in Ostafrika und Pakistan. Auf jeden Fall hast du eines geschnallt: Der Klimawandel wird (auch) durch uns Menschen verursacht. Wie du, sehen das auch die Expert*innen, die es wissen sollten. 97 Prozent der Forscher*innen, die sich zum Klimawandel positioniert haben. Jetzt stellst du alles in Frage und willst von 0 auf 100 loslegen. Dann bist du hier genau richtig. Ich verspreche dir in 11 Tagen bist du ein neuer Mensch. Buche einfach das Öko-Starterkit für nur 299,90 Euro im MitVergnügen Shop. Ich komme noch heute auf meinem Drahtesel bei dir vorbeigeradelt und stelle es zu. Dann heißt es nur noch rein in die Birkis mit Socken, Batikshirt an und ab die Post. Das Tagesziel ist mit Bezahlung erreicht.

Okay, so funktioniert diese Öko-Nummer nicht. Nachhaltiger zu leben ist ein Prozess und kein Ablasshandel, für den es irgendein bescheuertes Starterset braucht. 11 Tage sind nicht genug, aber sie sind perfekt für einen Start und wenn du Lust hast eine kleine Challenge. Nimm dir in den nächsten Tagen doch jeweils etwas Zeit, um über folgende Themen nachzudenken. Und um es noch haptischer zu machen, notiere gerne deine persönlichen Gedanken und Erfolge im Notizbuch oder dem Smartphone.

Tag 1: Klimabewusstsein

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Die Challenge des ersten Tages ist wirklich schon so gut wie geschafft. Du hast dich informiert und eine Entscheidung gefasst: Du willst künftig klimafreundlicher handeln. Welche Bereiche möchtest du unbedingt angehen? Nimm dir heute fünf bis zehn Minuten Zeit und notiere einfach unsortiert, was dir in den Sinn kommt.

CO2-Emissionen privater Haushalte

Wenn wir unser Leben aktiv nachhaltiger gestalten möchten, tendieren wir dazu alles auf einmal austauschen zu wollen, um möglichst schnell die Spuren unseres alten, unökologischen Lebens zu verwischen. Plastik gegen Holz und Glas. Fast Fashion gegen Öko- und faire Klamotten. Aber ja du ahnst es schon, das wäre leider so gar nicht nachhaltig. Denn in jedem Produkt stecken wertvolle Ressourcen wie beispielsweise Wasser oder Erdöl, welche bei der Produktion CO2-Emissionen verursacht haben. Daher sollten Verbrauchsgegenstände in der Regel erstmal aufgebraucht, Gebrauchsgegenstände weiter gebraucht werden, sofern sie nicht gesundheitsschädlich für uns sind. Zusätzlich fokussieren wir uns zu Beginn häufig auf Themen, die einen vergleichsweise kleinen Hebel haben. Wir reden über Plastikstrohhalme und Mikroplastik in Kosmetika, die zweifelsohne auch wichtig sind. Dennoch sind es andere Bereiche, die den CO2-Kohl so richtig fett machen. Laut Statistischem Bundesamt teilten sich die CO2-Emissionen privater Haushalte in Deutschland 2015 wie folgt auf:

CO2 Emissionen

Deshalb konzentrieren wir uns in den nächsten Tagen erstmal auf die Bereiche Wohnen, Verkehr und Ernährung.

Tag 2: Wohnen

Beim Wohnen geht es um Fragen wie: Wie gut ist dein Wohnraum saniert? Wie viel Energie ziehen deine technischen Geräte? Wie grün ist dein Strom? Und ebenfalls eine besonders wichtige Frage: Womit wird geheizt? Denn die hohen CO2-Emissionen beim Wohnen lassen sich noch immer auf das Heizen von Brennstoffen (Erdgas, Heizöl) zurückführen. Um all diese Fragen auf einen Schlag zu klären, habe ich vor einiger Zeit den kostenlosen Basischeck der Verbraucherzentrale in Anspruch genommen und Besuch von einem Energieberater bekommen. Seither weiß ich genau wie viel wir verbrauchen, welche Geräte bald am Limit sind und wo wir schon sehr gut aufgestellt sind. Daher ist dies auch meine Empfehlung für Tag 2: Such' deine Strom- und Heizunterlagen heraus und vereinbare einen Termin für einen Basischeck. So bekommst du absolut kostenlos einen objektiven und guten Überblick über den vermutlich größten Batzen deiner CO2-Emissionen. Und vor allem auch Tipps wie du diese individuell reduzieren kannst. Geht persönlich, telefonisch oder online.

Tag 3: Verkehrsgewohnheiten erkennen

Ich weiß nicht in welcher Situation du gerade steckst. Studierst du oder arbeitest als Teamleitung in einem großen Unternehmen? Statistisch gesehen belasten wir die Umwelt auf jeden Fall mehr, je höher unser Einkommen ist. Denn mehr Geld auf dem Konto bedeutet mehr Geld für Flugreisen und Autos. Somit tragen Menschen mit höherem Einkommen im Durchschnitt auch mehr zu den 26,6 Prozent CO2-Emissionen im Verkehr bei. Hier ist der Großteil (16,6 Prozent) auf das Verbrennen von Kraftstoffen im Straßenverkehr zurückzuführen.

Interessanterweise trainieren wir uns unser Verhalten im Straßenverkehr über die Zeit an. Nutzen aus Gewohnheit häufig die gleichen Wege sowie die immer gleichen Transportmittel. Selbst wenn sich neue Optionen ergeben. Jetzt ist Zeit für Veränderung. Nimm dir heute doch etwas Zeit um deine Verkehrsgewohnheiten auf den Klimaprüfstand zu stellen und frage dich zum Beispiel: Wie oft gehst du zu Fuß? Welche Transportmittel nutzt du sonst? Fährst du regelmäßig mit dem Fahrrad und nutzt die Öffis wann es geht? Oder machst du dich doch häufiger mit Uber und Taxi auf den Heimweg? Wenn du ein Auto nutzt, wie oft sitzt du alleine darin? Wie oft fährst du kurze Strecken aus Bequemlichkeit? Nutzt du Sharing Angebote? Wenn ja, mit Verbrenner- oder Elektromotor? Gibt es stationsbasierte Carsharing Angebote in deinem Kiez? Welche Strecken fährst du regelmäßig? Wenn du die verschiedenen Optionen vergleichst: Was ist die schnellste und was die klimafreundlichste Option (außer zu Fuß). Stimmen diese vielleicht sogar überein? Fragen über Fragen. Nimm dir morgen und übermorgen doch mal die Zeit deine üblichen Muster zu durchbrechen und wähle (wenn möglich) klimafreundlichere Varianten als bisher.

Tage 4-5: Verkehrsgewohnheiten durchbrechen

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Es wird flaniert oder Fahrrad, U-Bahn, Bus oder E-Roller gefahren. Genieß die neuen Eindrücke der Stadt. Wenn du das Auto in Berlin hast stehen lassen, wie viel Zeit hast du gespart? Und als Bonus ein gar nicht mal so unnützer Wissensfakt: Der größte Anteil an Mikroplastik in der Umwelt stammt laut dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits-, und Energietechnik (UMSICHT) von Reifen- und Straßenabrieb. Demgegnüber stehen nur rund 1 Prozent in Kosmetika, Waschmittel, Reinigungsprodukten und Medikamenten. Es ist also super, wenn wir beim Duschgel- und Zahnpastakauf darauf achten, dass kein Mikroplastik drin ist. Wenn wir allerdings mit dem Auto zum Supermarkt um die Ecke fahren, nur um Duschgel zu holen, ist der Aufwand für die Katz.

Tag 6: Motivation

Apropos Supermarkt. Gegessen hast du in den letzten 5 Tagen hoffentlich weiterhin, auch wenn wir erst jetzt darauf zu sprechen kommen. Die ideale Öko-Kombination beim Lebensmitteleinkauf wäre für mich: bio, regional, saisonal, verpackungsfrei, vegan und all das zu einem fairen Preis entlang der Lieferkette und für uns Käufer*innen. Wer den leinsamenlegenden Haferbiowollmichtofu schon entdeckt hat, möge mir bitte schreiben. Da dies sehr unwahrscheinlich ist, verwenden wir nicht zu viel Energie darauf nicht immer alles auf einmal vereinen zu können. Probiere stattdessen eine ökologische Ernährungsweise zu finden, die in deinem Kiez verfügbar ist und in dein Budget passt. Je mehr Budget zur Verfügung, desto häufiger kann man ruhig mal ins Bio-Regal greifen und sich den Luxus gönnen. Und wenn du gerade knapp bei Kasse bist, mach dir keine Platte. Dafür trägst du insgesamt vermutlich zu wesentlich weniger CO2-Emissionen bei als Menschen mit großem Budget.

Aber nun zum Klimakiller Number 1: Fleisch. Wir wissen mittlerweile, dass die pflanzliche Ernährung für den Planeten die beste Option ist, da die CO2-Emissionen durch Viehzucht enorm sind. Nicht nur, dass bei der Herstellung viel CO2 emittiert wird, durch die massenhaften Rodungen von Wäldern, kann auch immer weniger gebunden werden. Vom Artensterben und den Bedingungen in der Massentierhaltung haben wir an dieser Stelle noch gar nicht gesprochen. Aber keine Panik. Wenn Fleisch bislang dein Gemüse war und du dir nicht vorstellen kannst darauf zu verzichten: Let’s take it slow. Zunächst einmal braucht es Motivation. Deshalb empfehle ich dir heute einen entspannten Netflix & Chill Abend mit der Dokumentation "The Game Changers". Ich war danach so hooked, dass ich von der Vegetarierin problemlos zur Teilzeit-Veganerin mutiert bin. Wenn es etwas härtere Kost sein soll, kannst du dir auch "Cowspiracy - Das Geheimnis der Nachhaltigkeit" über die Zustände der industriellen Viehzucht anschauen. Die Doku ist ebenfalls auf Netflix verfügbar. Wenn du lieber Bücher oder Hörbücher magst, empfehle ich "Wir sind das Klima" von Jonathan Safran Foer. Was auch immer dich motiviert, nimm dir Zeit dafür. Morgen geht es dann an die Recherche für den Speiseplan.

Tag 7: Rezepte und Einkaufen

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Die Umstellung auf eine klimafreundliche Ernährung sollte Spaß machen und sich nicht wie Verzicht anfühlen. Du musst dich nicht sofort verpflichten, für immer und ewig Vegetarier*in oder Veganer*in zu werden. Sieh es vielmehr als einen aufregenden Exkurs in eine neue Küchenkultur. Such dir beispielsweise vier Rezepte deiner Leibspeisen als pflanzliche Variationen heraus und kaufe heute bereits alles für die Gerichte der nächsten Tage ein. Alles was noch auf Vorrat da ist, egal ob veggie oder nicht, wird – im wahrsten Sinne des Wortes – mit verwurstet (oder verschenkt), damit nichts weggeschmissen wird.

Und egal was Hater sagen: pflanzliche Ersatzprodukte, die genauso schmecken wie Käse oder Fleisch, sind der Knaller.  Ebenfalls proteinreich, wesentlich bessere Klimabilanz und ganz ohne Tierleid. Dank einer eigenen Variation dieser relativ günstigen veganen Käsesauce, habe ich zum Beispiel mein „Auf Käse könnte ich nicht verzichten”-Vorurteil ins Wanken gebracht. Und auch auf Mit Vergnügen gibt es allerhand vegane Inspirationen für Restaurants und Rezepte. Ganz wichtig: Vergiss beim Einkauf nicht die Snacks. Ob Nüsse, Obst, Chips und/oder Süßigkeiten, Hauptsache du bekommst nicht das Gefühl, dass der Genuss fehlt.

Tage 8-10: Kochen, kochen, kochen

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Jetzt kommt der größte Spaß. Mealprep sei Dank, hast du bereits alles im Haus und kannst kochen und futtern was das Zeug hält. Was kocht sich leicht? Was schmeckt dir gut? Was eher nicht so? Vielleicht lädst du für Tag 10 sogar ein paar Freunde zu einem Veggie-Kochabend ein!

Tag 11: Resümee

Stark! Du hast dich die letzten Tage mit den drei größten CO2-Brocken privater Haushalte auseinandergesetzt und heute ist er da: Tag 11. Nimm dir ein paar Minuten Zeit für ein Resümee: Was hat dich überrascht? Was fandest du schwieriger als gedacht? Was war hingegen ein Klacks? Wie fühlst du dich jetzt? Und was hattest du dir eigentlich am ersten Tag notiert? Nachhaltige Mode? Zero Waste? Elektronische Geräte? Rettung der Bienen oder Meere? Ganz gleich, was es war, du kannst dich in den kommenden Tagen ganz in Ruhe und voll und ganz deinen eigenen Zielen widmen. Es heißt ja häufig es brauche 21 Tage, um Gewohnheiten zu ändern. Aber seien wir mal ehrlich: Im Herzen bist du jetzt schon ein echter Öko und stolz drauf!

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