Allyship 101: Wie du ein guter Ally für Schwarze Menschen wirst

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Ein Text von Teresia Harris

Der Begriff Ally kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Verbündete*r. Jede*r kann ein Ally werden, wenn er*sie selbst nicht Teil einer marginalisierten oder diskriminierten Gruppe ist.

Aus dem Glossar für diskriminierungssensible Sprache von Amnesty International: “Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen,dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle" Eigenschaft", die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen 'ethnischen Gruppe' zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden."

#BlackOutTuesday und #BlackLivesMatter – Social Media ist derzeit voll mit solidarischen Posts. Nachdem der US-Amerikaner George Floyd brutal von dem Polizisten Derek Chauvin umgebracht wurde, ziehen Menschen weltweit auf die Straßen, um gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Doch das alles ist nicht nur ein Problem der USA: Auch hier in Deutschland spielt Anti-Schwarzer-Rassismus eine Rolle, auch wenn viele davor lange die Augen verschließen wollten. Es wird Zeit für ein paar unbequeme Wahrheiten.

Den vielen Support zu sehen ist schön, doch der Aktivismus muss auch über die sozialen Netzwerke hinausgehen. Es folgen deswegen 11 Schritte, die zeigen wie du dich sinnvoll und langfristig für Black People of Color einsetzen kannst.

1. Einfach mal zuhören

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Der erste und vielleicht wichtigste Punkt ist leichter gesagt als getan. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass uns offene Ohren geschenkt werden. Oft werden People of Color Erfahrungen abgesprochen, Situationen runtergespielt und es kommt der Vorwurf die „Rassismus-Keule“ zu schwingen. Es ist ermüdend und anstrengend, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen. Zuhören und versuchen zu verstehen wäre also schon mal ein guter Anfang.

2. Check your privilege

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White Privilege bedeutet in keiner Weise, dass weißen Menschen alles im Leben geschenkt wird. Wie wir behandelt werden, ist von zahlreichen Faktoren wie Status, Alter, Geschlecht, Religion und vielem mehr abhängig. Doch zumindest die Hautfarbe spielt für Weiße hier in Deutschland keine Rolle. Einen Job nicht zu bekommen wegen der Herkunft oder Hautfarbe, abgelehnte Wohnungsbesichtigungen und im öffentlichen Leben anders behandelt werden, gehört bei weißen Menschen nicht zur Tagesordnung. Werde dir dessen bewusst und handle dementsprechend.

3. Sei offen für neue Gespräche

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Wir alle scheuen uns vor unbequemen Themen und vermeiden unangenehme Gespräche oder Diskussionen. Leider bleibt den Betroffenen aber oft gar keine andere Wahl, wenn wir mit Rassismus oder Diskriminierung konfrontiert werden. Wer also das Privileg hat, sich aus solchen Gesprächen rauszuhalten, sollte damit nun aufhören. Es ist Zeit, für alle Betroffenen einzustehen. Du bekommst mit, wie Nachbar*innen, Dozent*innen, Kolleg*innen, Freund*innen oder Familienmitglieder problematische oder rassistische Dinge von sich geben? Speak up!  Falls es sich um nahestehende Personen handelt, fällt dies natürlich besonders schwer, macht es aber umso wichtiger! Thematisiert den Rassismus in Deutschland mal im Freundeskreis und zu Hause bei der Familie.

4. Erweitere deinen Horizont

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Die folgenden Bücher kann ich uneingeschränkt allen empfehlen, die sich im Anti-Schwarzen-Rassismus stark machen möchten und noch die richtigen Ressourcen suchen: "Exit Racism" von Tupoka Ogette, "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" von Alice Hasters, "Deutschland Schwarz Weiß" von Noah Sow und "Why I’m No Longer Talking to White People About Race" von Reni Eddo-Lodge.

Wer keine Lust hat zu lesen, findet die Bücher von Tupoka und Alice übrigens kostenlos als Hörbücher auf Spotify. Die beiden haben auch sehr empfehlenswerte Podcasts namens "Tupodcast" und "Feuer und Brot"

Netflix & Chill – und dabei auch noch was lernen! Die folgenden Serien, Filme und Dokumentationen helfen euch sicher dabei systematischen Rassismus und die Erfahrungen von Schwarzen Menschen besser zu verstehen: The 13th, I am not your Negro, Der Fall Kalief Browder, Whose Streets, Dear White People, When They See Us, Fruitvale Station, Selma, Who killed Malcolm X und Just Mercy.

5. Aktivismus auf Social Media

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Wer keine Zeit oder Lust auf Bücher hat, findet unzählige kostenlose Ressourcen in den sozialen Netzwerken. Und da wir alle eh viel zu viel Zeit am Handy verbringen, kann diese ja auch etwas sinnvoller genutzt werden. Einige Aktivist*innen nehmen viel Zeit und Mühe in Kauf, um ihre Follower zu educaten. Schau doch mal bei folgenden Instagram-Accounts rein: Aminata Touré, "Erklär mir mal", Fabienne Sand, Alice Hasters, Tupoka Ogette, "Kanackische Welle", "Scheidé Révoltée", "We The Urban", Ogorchukwuu und "No White Saviors".

6. Black Lives Matter

Es ist unsensibel und respektlos auf "Black Lives Matter" mit "All Lives Matter" zu reagieren. Der Gedanke dahinter ist natürlich nicht verkehrt: Alle Leben haben Bedeutung. Doch gerade sind nun mal Schwarze Menschen vermehrt Opfer von Gewalt und Diskriminierung. "BLM" heißt einfach nur, dass wir den Fokus – vor allem den medialen – auf Black Lives legen müssen. Vielleicht verdeutlicht dieses Beispiel, was ich meine: Ich gehe auch nicht auf eine Anti-Brustkrebs-Veranstaltung und schreie „Hey! Aber JEDER Krebs ist schlimm!“ – Got, it? 

All lives can't matter until black lives matter.

7. Die Situation in Deutschland

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Rassismus ist nicht bloß Sache der USA, sondern ein globales Problem. Und nur weil die Situation an anderen Orten schlimmer ist als hier, macht es die Sache nicht besser. Polizeigewalt und Rechtsextemismus spielen auch hier eine Rolle. Erst in den letzten Monaten wurden mehrmals rechte Strukturen innerhalb der Polizei aufgedeckt. Die folgenden Personen sind durch Polizeigewalt oder unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam verstorben: Rooble Warsame, Christy Schwundeck, Yaya Jabbie, Dominique Koumadio, Oury Jalloh, Kaye Condé, John Amadi, N’Deye Mareame Sarr.

Doch Rassismus fängt nicht erst bei Gewalt an. Der Alltagsrassismus, der Schwarzen Menschen tagtäglich widerfährt, wird viel zu wenig thematisiert. Es sind auch die subtilen Dinge und die Barrieren, die uns in den Weg gestellt werden. Achtet auf eure Schwarzen Mitmenschen, fragt nach ihren Erfahrungen und setzt euch für sie ein.

8. Black Culture

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Schwarze Kultur wird in all seinen Facetten von einer Mehrzahl an Personen konsumiert, gefeiert und appropriated. Wer also Hip-Hop, Techno, House, Jazz, Blues und Funk feiert, könnte sich doch auch für die Menschen einsetzen, die diese Genres prägten. Vor allem im Rap-Bereich wird sich auch in Deutschland vieles vom afroamerikanischen Vorbild abgeguckt und nachgeahmt. Genau von diesen Leuten erwarte ich nun die nötige Solidarität.

Sehr oft sieht man auch weiße, deutsche junge Frauen und Männer mit Frisuren wie Braids, Cornrows, Bantu Knots etc. Ich frage mich hierbei immer, ob die Person sich auch mit der Geschichte dahinter und vor allem dem Struggle von Schwarzen Frauen beschäftigt hat. Ich würde mir wünschen, dass solche Hairstyles nicht einfach nur ein Trend sind. Sie sind nämlich viel mehr als das.

9. Aktiv werden

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Nutze deine Stimme und werde aktiv! Derzeit finden in allen größeren Städten Demonstrationen in Solidarität mit Schwarzen Menschen statt – geh hin! Suche dir Gruppen in deiner Stadt, die du unterstützen kannst und frage nach, wie du helfen kannst (mehr dazu in Punkt 10). Bitte deine Vorgesetzten oder Dozent*innen um mehr Stoff über diese Themen und setze dich dafür ein, dass auf der Arbeit oder in der Universität mehr über Rassismus gesprochen wird.

Ganz schnell und einfach helfen kannst du übrigens mit Petitionen, zum Beispiel mit folgenden: N-Wort verbieten, Justice for George Floyd, Run with Ahmaud, Justice for Breonna Taylor, Justice for Tony McDade, Justice for Michael Dean, BLM: Defund The Police

10. Vereine und Organisationen supporten

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Erkundige dich nach Vereinen und Gruppen in deiner Stadt, die du unterstützen kannst. Es gibt in Deutschland etliche Kollektive, Communitys und Spaces, die sich über Spenden oder andere Formen der Unterstützung freuen. Frag doch einfach mal herum! Ein paar deutsche Vereine und Initiativen, die ich wärmstens empfehlen kann und deren Arbeit ich sehr schätze, sind die Folgenden: Afro Deutsches Akademiker Netzwerk, Each One Teach One, Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, Future of Ghana Germany, Initiative für Oury Jalloh, Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt.

11. Denke kritischer

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Beginne zu hinterfragen, was du siehst und hörst. Alles in allem: Werde aufmerksamer.

Dieser Punkt muss wie Zähneputzen du deinem Alltag gehören. Hinterfrage Dinge, über die du dir vorher vielleicht gar keine Gedanken gemacht hast. Schau dir dein Arbeitsumfeld genauer an: Wie geht die Chefetage mit Diversität um und wie werden Vorfälle gehandhabt? Augen und Ohren auf in der Universität: Bemühen sich die Dozent*innen um kulturelle Vielfalt im Hörsaal und bereitet dementsprechend die Vorlesungen und Seminare vor? Fühlen sich deine Schwarzen Kommiliton*innen wohl? 

Sprache hat Macht: Achte darauf, wie sowohl du als auch deine Mitmenschen sich äußern. Meide diskriminierende und beleidigende Sprache (unabhängig davon, ob Schwarze Menschen dabei sind oder nicht!) und mach auch andere auf ihre problematische Sprache aufmerksam. Mach dir Gedanken um die Wirkung von Medien und Werbung: Wie werden Schwarze Menschen in Film, Fernsehen und Literatur dargestellt? Beginne zu hinterfragen, was du siehst und hörst. Alles in allem: Werde aufmerksamer.

© Mit Vergnügen | Foto: Nikolas Feuerstein
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