Kaffee für den guten Zweck im Refugio Café in Kreuzkölln

© Milena Zwerenz

Es ist wohl das Best Practice-Model der Integration in Berlin: Im Refugio in Kreuzkölln leben seit Juli 2015 Geflüchtete und Einheimische auf fünf Etagen miteinander in einem Hausprojekt. Es sind über vierzig Menschen, die ihre Heimat verloren oder verlassen mussten oder nach einem neuen Zuhause oder einer Gemeinschaft suchten – und sie im Refugio fanden.

Seit ein paar Jahren betreiben die Bewohner und Bewohnerinnen zusätzlich ein Café im Ladenlokal des Hauses in der Lenaustraße. "Mit der Gründung des Cafés wollten wir die Türen öffnen für alle Menschen, die sich für das Projekt interessieren oder auch nur vorbeikommen, um einen Kaffee zu trinken", sagt Tabea Büttner, 25, die schon seit drei Jahren im Refugio wohnt, ehrenamtlich für die Community und seit Kurzem auch im Café arbeitet.

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Die hohen Decken, die warmgrünen Wände und das freie WLAN locken Menschen, die es sich mit ihren Laptops auf den bestickten Kissen gemütlich machen oder auch nur den günstigen Kaffee und Kuchen genießen – und dabei Gutes tun. Denn "alle Einnahmen fließen in das Projekt Refugio", versichert Tabea. Zu den Kaffeespezialitäten aus ausgewählten Bohnen von Kaffee 9 gibt es selbstgebackene Kuchen (Banane, Rhabarber), Sandwiches (Mozzarella, Tomate, Pesto) und Tagessuppe.

Der Großteil der Mitarbeitenden im Café arbeitet derzeit ehrenamtlich. Die Arbeit im Café sei für Tabea aber immer eine Bereicherung gewesen. "Ich lerne hier wahnsinnig viel", sagt Tabea. Es ist nicht nur das Kaffeemachen oder die Latte Art, was sie im Refugio Café lernt – sondern auch die Menschen, die sie hier im Café kennenlernt, machen sie um einiges reicher.

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Oft finden in den Räumlichkeiten des Cafés Veranstaltungen und Workshops statt, viele zum Thema Migration. Ab und zu organisieren die Ehrenamtlichen Film- und Spielabende, Vernissagen oder Veranstaltungen, zum Beispiel zur Fete de la Musique. Auch das Projekt "Über den Tellerrand kochen" fand im Refugio schon oft einen Ort für ihre Events.

Gerne würde das Team des Refugios das kulinarische Sortiment erweitern, doch aktuell fehlt es an Ressourcen dazu. Lange Zeit sorgte die syrische TV-Köchin und Kochbuch-Autorin Malakeh Jazmati für einen wöchentlichen Brunch im Refugio Café. Doch seit sie sich mit ihrem syrischen Restaurant in der Potsdamer Straße selbstständig machte, fiel das Wochenendfrühstück im Refugio weg.

Dafür arbeitet die Refugio-Community an einem neuen Projekt: Den Refugio-Ambassadors. Dazu starteten sie eine Crowdfunding-Kampagne. "Wir haben gemerkt, wie bereichernd es ist, neue Menschen kennen zu lernen", heißt es auf der dazugehörigen Startnext-Webseite. Deshalb möchte die Community sogenannte Refugio Ambassadors aussenden: Ein Teil der Refugio-Bewohner*innen soll reisen und ähnliche Häuser besuchen, um die Idee des Refugios zu streuen. So soll ein Netzwerk an Wohnprojekten aufgebaut und Erfahrungs- und Wissensschätze zukünftig geteilt werden.

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Unbedingt probieren: Die Kaffee-Spezialitäten

Veggie: Für Veggies ist gesorgt.

Besonderheit des Ladens: Die offene Atmosphäre und der gute Zweck.

Mit wem gehst du hin: Mit Freunden, Familienmitgliedern oder auch alleine mit Laptop.

Für Fans von: coolen Projekten.

Preise: Latte für 2,90 Euro, Flat White für 2,20 Euro – alles im grünen Bereich.

Refugio Café | Lenaustraße 4, 12047 Berlin | Montag – Freitag: 10–18 Uhr | Mehr Info

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