RIPMARK: Rocco und seine Brüder protestieren gegen die neue Primark-Filiale am Zoo

© Screenshot Vimeo, Rocco und seine Brüder

Ich muss zugeben, dass ich die neue City West rund um den Zoologischen Garten architektonisch ziemlich gelungen finde. Früher gruselte man sich beim Anblick des Zoo Palastes und des Bikinihauses. Heute ist das Kino eines der schönsten der Stadt, und das Bikini Berlin ein ziemlich gelungenes Beispiel dafür, wie man auch alten, heruntergekommenen Gebäude neues Leben einhauchen kann. Gegenüber ragt das Hotelhochhausensemble in den Himmel und besticht durch interessante Architektur. Und selbst an der Joachimsthaler Straße, wo man sich zwischen Beate-Uhse-Shop und asiatischen Schnellimbissen durch eine Unterführung schlängeln musste, steht mittlerweile ein schicker, gläserner Neubau.

Für eben jenen hatte ich große Hoffnungen. Schon zu Baubeginn hatte ich mich gefragt, was hier wohl reinkommt. Und war mindestens genauso schockiert, als dort plötzlich ein riesiges Primark-Schild prangte. Einerseits hatte ich gehofft, dass jetzt auch endlich diese Ecke des Zoos aufgewertet wird. Andererseits ist Primark wirklich der größte anzunehmende Modegau. Wie kaum eine andere Modekette steht Primark für Ausbeutung und verheerende Arbeitsbedingungen.

Unmoralisch und unmenschlich

Als vor vier Jahren die zweite Filiale von Primark am Alexanderplatz eröffnete, ging gerade ein Aufschrei durch die Konsumwelt. Zwei Britinnen hatten in ihren Primark-Hosen eingenähte Hilferufe gefunden, die asiatische Arbeiterinnen dort (vermeintlich) platziert hatten, um auf ihre missliche Situation aufmerksam zu machen. Ob die Etiketten eine bloße PR-Aktion waren oder nicht, ist egal. Wer bei Primark einkauft, kauft automatisch schlechte Produktionsbedingungen mit. In Bangladesch verdienen die zumeist weiblichen Arbeiterinnen gerade mal 68 Dollar im Monat. Der Preisdruck bei uns wirkt sich auch auf den Anfang der Lieferkette aus. In dem Gebäude in Bangladesch, das 2013 einstürzte, wurde auch für Primark produziert.

Natürlich sollte nicht nur Primark boykottiert werden. Auch andere Billigketten lassen unter schlechten Bedingungen produzieren. Aber wer T-Shirts für 2 Euro und Schuhe für 8 Euro als angemessen betrachtet, schreibt der Kleidung jeglichen Wert ab. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern auch unmenschlich. Um darauf nochmal aufmerksam zu machen, veranstaltete die Künstlergruppe rund um Rocco und seine Brüder zusammen mit der Konzeptkünstlerin Herakut letzte Woche einen stillen Protest vor der neuen Primark-Filiale. In der Mitte der Joachimsthaler Straße platzierten sie Einkaufstüten, die an Grabsteine erinnerten. Herakut ging mit einem Grabstein-Kinderwagen durch die Filiale, derer sie nach nur kurzer Zeit verwiesen wurde.

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