Der Gin mit der Spreewaldgurke – die kleine geile Firma "Spree Gin"

© Marit Blossey

Gin ist nicht totzukriegen. Der Klassiker unter den Spirituosen erlebte in den letzten Jahren ein Revival wie kein anderer Schnaps und machte aus dem schnöden Gin Tonic für 5 Euro ein It-Getränk, das gern auch mal mehr als zehn Euro kosten durfte. Wo noch zu Beginn der 2000er-Jahre ein paar wenige ausgewählte Gin-Marken das Bar- und Supermarktregal zierten, kann man sich ob der großen Vielfalt heutzutage kaum entscheiden. Und der Trend reißt nicht ab.

Ganz neu auf dem Markt ist Spree Gin, über deren Crowdfunding-Kampagne wir 2017 berichtet haben. Spree Gin ist eine flüssige Liebeserklärung an Berlin und wartet mit einer besonderen Zutat auf: Spreewaldgurken vom Landgut Pretschen. Auch sonst finden sich in dem – zugegebenermaßen sehr leckeren – Gin nur ausgesuchte Zutaten wie Lavendelblüten, Pomeranzenschalen und Süßholzwurzeln.

Spree Gin ist das Baby der Freunde Gabriel Grote und Henning Birkenhake, die vor acht Jahren in einem kleinen Büro im Prenzlauer Berg angefangen haben, Spirituosen herzustellen. Los ging es mit dem Pijökel 55, dem Kräuterlikör aus der Apotheke von Gabriels Vater. Die völlig abstruse Story könnt ihr auf der Website nachlesen. In unserem Interview erzählt Gabriel, wie er Destillateur geworden ist und was man für den Job braucht.

Mit Vergnügen: Gabriel, was machst du die erste Arbeitsstunde des Tages?
Gabriel Grote: Einen Tee. Dann E-Mails checken und Telefonate.

Wie lange arbeitest du täglich?
Meistens neun bis zehn Stunden.

Und wie sehen deine Hände am Ende des Tages aus?
Wenn wir Mazerate ansetzen, dann etwas runzelig, weil das Reinigen der Apparaturen und Gefäße die meiste Zeit in Anspruch nimmt.

© Charlott Tornow
© Charlott Tornow

Was weißt du heute, was du nicht wusstest, als du gestartet bist?
Wie das Getränke-Business in Berlin funktioniert. Berlin ist ein ganz eigener Markt, der mit keiner anderen Stadt in Deutschland vergleichbar ist. Die Leute denken anders und konsumieren anders. Viele Marken probieren hier erstmals neue Dinge aus, bevor sie in anderen Städten starten.

Was war die größte Herausforderung im letzten Monat?
Unsere neuen kleinen 0,05l-Spree-Gin-Miniaturen an den Start zu bringen. Die größten Herausforderungen waren die Einzelteile wie Verschlüsse und Etiketten so herzustellen, dass sie passgenau und korrekt bei unserem Lohnabfüller ankommen. Hierbei muss auf Farbe, Größe, Beschaffenheit geachtet werden, weil sich sonst z.B. Falten bilden im Etikett. Außerdem benötigt man spezielle Umkartons, die wir extra haben fertigen lassen und bei denen man auch erst weiß, wenn sie zum Einsatz kommen, ob sie wirklich gut passen, damit die Flaschen nicht kaputt gehen.

Wenn du einen Tipp hättest für Menschen, die diesen Job machen wollen, welcher wäre es?
Nehmt euch Zeit. Nur so gelingen besondere und einzigartige Projekte von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. Außerdem ist es wichtig, ein Produkt von allen Seiten zu beleuchten, bevor man es auf den Markt bringt.

© Marit Blossey
© Marit Blossey
© Marit Blossey

Wolltest du eigentlich schon immer Gin herstellen? Was war dein Kindheitstraum?
Nein, eigentlich wollte ich Astronaut oder Landwirt werden als Kind. Später über meinen Vater kam ich dann zu den Spirituosen. Er war Apotheker und stellte einen eigenen Kräuterschnaps her. Die Neugier war groß. Der Beruf des Destillateurs erschien auch ein bisschen realistischer für mich als Landwirt oder Astronaut, als ich ernsthaft über Berufsfelder nachgedacht habe.

Was machst du, um dich und deine Mitarbeiter an einem schlechten Tag zu motivieren?
Wir hören zum Beispiel Musik (Study Beats Radio in YouTube) oder erzählen uns lustige Witze. Ein lockerer Umgang ist sehr wichtig für das gute Klima.

Und was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Kreativ zu sein und mir neue Rezepte und Produktideen einfallen zu lassen. Das ist etwas ganz Besonderes mit magischen Momenten, ähnlich wie beim Komponieren von Musik. Wir experimentieren fast täglich mit neuen Ideen und Rezepten in unserer kleinen Küche.

Erzähl mir mal von einer Situation, wo du alles hinschmeißen wolltest?
Das gab es öfter mal. Unsere erste Flaschenbestellung war katastrophal, weil eine ganze Palette Flaschen beim Transport so beschädigt wurde, dass wir sie nicht verwenden konnten.

© Charlott Tornow
© Marit Blossey
© Charlott Tornow

Kannst du mir sagen, wie viel Startkapitel du gebraucht hast?
Für den Spree Gin waren es 15.000 Euro. Die haben wir über Crowdfunding zusammen bekommen.

Und wie lange hast du gebraucht, um von deinem Job leben zu können?
Mit Vorbereitung: acht Jahre.

Wollt ihr noch weiter wachsen?
Ja. das haben wir vor. Und es gibt sehr spannende Ideen in der Schublade. Leider darf ich noch nicht so viel verraten.

Vielen Dank!

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