11 Fakten über Winterdepression – und was du gegen sie tun kannst

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Die Sonne lässt sich immer seltener blicken, schon um 16.30 Uhr ist es stockdunkel. Dazu kommen noch Kälte, Wind und Regen. So langsam macht sich gedrückte Stimmung breit, und wer nicht von der ersten Grippewelle erwischt wurde, fühlt sich mindestens unmotiviert, antriebslos und dauermüde. Ein bisschen kennen wir die negativen Gefühle zu dieser Jahreszeit wohl alle. Aber ab welchem Punkt spricht man tatsächlich von einer Winterdepression? Und was hilft, die dunklen, kalten Monate ein bisschen besser zu überstehen? Diese 11 Dinge solltest du über Winterdepression wissen.

1. Ja, die Winterdepression ist eine "richtige" psychische Störung

"Dieses Wetter macht mich ganz depressiv!" – Das haben wir sicher alle schon mal gehört oder selbst gesagt. Doch es muss nicht bei jedem, dem die Dunkelheit in den Wintermonaten aufs Gemüt schlägt, eine Winterdepression vorliegen. Die Winterdepression ist nämlich tatsächlich eine anerkannte psychische Störung: Sie wird auch als saisonal-affektive Störung bezeichnet und im Englischen häufig mit SAD (für Seasonal Affective Disorder) abgekürzt. Laut dem ICD-10, dem weltweit anerkanntesten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, zählt sie als Sonderform zu den rezidivierenden depressiven Störungen.

2. Depression oder Winterdepression – was ist dann der Unterschied?

Von einer saisonal bedingten Depression spricht man eben dann, wenn depressive Symptome ausschließlich zu einer bestimmten Jahreszeit (in diesem Falle im Herbst und Winter) wiederholt auftreten und mit dem Ende dieser Jahreszeit auch wieder verschwinden. Die Symptome selbst ähneln in der Tat denen einer Depression: gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust oder auch Konzentrationsstörungen. Hinzu kommen oft körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Magenprobleme. Darüber hinaus können bei der Winterdepression atypische Symptome wie Heißhunger und ein erhöhtes Schlafbedürfnis dazukommen.

3. Gibt es auch eine Sommerdepression?

Tatsächlich, "Summertime Sadness" gibt's, und das nicht nur bei Lana Del Rey. Das kommt zwar wesentlich seltener vor, aber grundsätzlich kann eine saisonal bedingte Depression auch im Frühling und Sommer auftreten. Diese hat jedoch andere Auslöser und zeigt sich auch durch andere Symptome.

4. Okay, und woran merke ich jetzt, ob ich nur schlechte Laune habe – oder eine Winterdepression?

Eine psychische Erkrankung ist leider in der Regel weniger eindeutig zu diagnostizieren als ein gebrochenes Bein oder eine Mittelohrentzündung und nicht allen negativen Gefühlen liegt eine Depression zugrunde. Aber vielleicht ist dir schon mal aufgefallen, dass es dir jeden Winter so geht und es eigentlich erst mit den ersten Frühlingstagen wieder so richtig besser wird? Wenn du dich über einen längeren Zeitraum hinweg durch den Alltag schleppst, dir schon kleine Aufgaben wie eine große Belastung erscheinen und du den Spaß an Dingen verlierst, die dir sonst Freude bereiten, solltest du das ernst nehmen und überlegen, was dir helfen könnte.

5. Wodurch wird eine Winterdepression ausgelöst?

Die Symptome einer Winterdepression haben in erster Linie etwas mit unserem Serotonin-Melatonin-Stoffwechsel zu tun. Wenn wir Tageslicht ausgesetzt sind, wird in unserem Gehirn verstärkt Serotonin produziert, wodurch sich unsere Stimmung verbessert. Im Herbst und Winter kriegen wir natürlich viel weniger Tageslicht ab als zur Sommerzeit. Hinzu kommt, dass das Hormon Melatonin unser Schlafbedürfnis steigert. Die Produktion von Melatonin wird gehemmt, wenn Licht auf die Netzhaut unserer Augen trifft, was bedeutet, dass unsere Melatonin-Werte im Winter tendenziell höher sind als im Sommer – wir benötigen also mehr Schlaf. Dieser Prozess ist ganz normal, jedoch reagieren Menschen unterschiedlich empfindlich auf solche Schwankungen.

6. Also stimmt es, dass mir Tageslicht hilft, mich besser zu fühlen?

Ja! Jetzt fragst du dich vielleicht, wie du das im Berliner Winter bewerkstelligen sollst, weil DIE SONNE SCHEINT HALT NICHT. Deshalb gibt es Tageslichtlampen, die wesentlich heller sind als normale Zimmerbeleuchtung. Damit kannst du dir selbst eine ordentliche "Lichtdusche" verpassen, am besten gleich morgens nach dem Aufstehen.

7. Wenn die Sonne dann doch mal scheint: Geh spazieren!

Wenn die Sonne sich dann doch mal am wolkenverhangenen Berliner Winterhimmel blicken lässt, versuche die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang zu nutzen. Wichtig: Dabei keine Sonnenbrille tragen, damit die Lichtreize über die Netzhaut aufgenommen werden können.

8. Hast du schon mal deinen Vitamin-D-Spiegel checken lassen?

Ein Mangel an Vitamin D und Depressionen können zusammenhängen und somit spielt Vitamin D logischerweise auch bei Winterdepression eine nicht zu unterschätzende Rolle. Vitamin D kann sowohl über die Nahrung aufgenommen als auch durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet werden. Ein Vitamin-D-Mangel kommt tatsächlich recht häufig vor und lässt sich durch die Einnahme von Tropfen oder Tabletten ganz leicht beheben – es lohnt sich also, beim Hausarzt vorbeizuschauen und mal wieder ein Blutbild anfertigen zu lassen.

9. Auch wenn du es nicht hören willst: Sport kann wirklich helfen

Die Floskel, eine Depression ließe sich mit ein bisschen Sport und gesunder Ernährung heilen, ist natürlich Bullshit. Trotzdem kann regelmäßige Bewegung (am besten an der frischen Luft) sich positiv auf unsere Gesamtverfassung auswirken. Verschiedene Studien belegen, dass schon moderate sportliche Aktivität die Symptome einer Winterdepression lindern kann.

10. Achte auf dich – und akzeptiere, dass es dir auch mal scheiße geht

Positives Denken hin oder her – manchmal hilft einfach gar nix und dann ist es auch okay, mal eine Pause einzulegen und zu versuchen, herauszufinden, was man gerade braucht. Und wenn das gerade ist, nochmal alle sieben Harry-Potter-Filme hintereinander zu schauen, dann ist das halt so.

11. Und wenn es gar nicht mehr besser wird:

Hab keine Angst, dir Hilfe zu suchen. Wenn du dich über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen und antriebslos fühlst, geh einfach mal zum Hausarzt oder Hausärztin und sprich deine Beschwerden an. Die können als erstes mögliche körperliche Ursachen (Stichwort Vitamin-D-Mangel) abchecken, dich beraten und schauen, welche Therapiemöglichkeiten vielleicht in Frage kommen.

Informationen und Hilfsangebote findest du auch bei der Deutschen Depressionshilfe  oder beim Seelsorgetelefon.

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