11 einzigartige Berliner Kieze, die ihr kennen solltet

© Hella Wittenberg

Manchmal hat man das Gefühl, Berlin bestünde nur aus zwei Arten von Häusern – Altbau und Neubau. Dabei gibt es ja per se gar nicht "den Altbau" und "den Neubau", sondern viele verschiedene Typen vom Gründerzeithaus über den 30er-Jahre Bau, die Q3A-Platten, die ab den 50er-Jahren in der DDR entstanden sind, bis hin zu den modernen Glaspalästen, die derzeit überall in der Stadt aus dem Boden sprießen. Dass es in Berlin verschiedenste Bautypen gibt, aus denen ganze Siedlungen entstehen, beweisen auch diese 11 einzigartigen Berliner Kieze, die ihr auf jeden Fall kennen solltet. Also rauf aufs Rad und rein ins architektonische Sightseeing-Programm der besonderen Art!

1. Die Gropiusstadt in Neukölln

© Hella Wittenberg

Es ist schwer zu sagen, ob die Tatsache, dass Christiane F. aus der Satellitensiedlung am Neuköllner Stadtrand stammt, dieser mehr Popularität beschert oder ihr mehr geschadet hat. Fakt ist, dass die Uhren im letzten Winkel Neuköllns anders ticken. Die Straßen sind menschenleer, die meisten Bewohner haben die 60 schon lange überschritten. Trotzdem gibt es einiges zu entdecken, etwa das Ideal, das größte Wohnhaus Berlins, oder die Jungfernmühle. Unsere Kollegin Hella war für euch zwei Stunden im Viertel unterwegs und berichtet hier von ihrem interessanten Spaziergang.

2. Die Invalidensiedlung in Frohnau

Im hohen Norden an der Grenze zu Brandenburg liegt mitten im Wald die Invalidensiedlung. Wer hier leben will, braucht noch heute einen Nachweis über eine Schwerbehinderung in Höhe von mindestens 50 Prozent. Hinter der Invalidensiedlung steht die Stiftung Invalidenhaus Berlin, die kein geringerer als Friedrich der Große am 31. August 1748 zur Versorgung von Kriegsopfern ins Leben rief. Die entlang einer u-förmigen Straße angeordneten Häuser strahlen ziemlich viel Ruhe aus, am Eingang der Siedlung findet ihr das schöne Landhaus Hubertus. Auf der gegenüberliegenden Seite könnt ihr den alten Grenzverlauf sehen und seid in wenigen Schritten mitten in Brandenburg.

3. Die Weiße Siedlung in Neukölln

© Hella Wittenberg

Zwischen Sonnenallee, Dammweg, Arons- und Dieselstraße liegt umgeben von Kleingärten an der Grenze zwischen Neukölln und Treptow die Weiße Siedlung, die aus zwei gegenläufigen Hochhausbändern mit bis zu 18 Geschossen besteht. Insgesamt 1.678 in den 70er-Jahren errichtete Wohnungen verstecken sich hinter der Weißen Fassade. In den letzten Jahren verrohte die Hochhaussiedlung leider zusehends. Trotzdem solltet ihr einmal durch den Kiez spazieren und für euch verinnerlichen, dass es nicht nur im Osten Satellitenstädte gab.

4. Das Hansaviertel in Mitte

Das Hansaviertel in der Nähe von Moabit ist der Kleinste der 96 Berliner Ortsteile. Im Zweiten Weltkrieg wurde das alte Hansaviertel großflächig zerbombt, ab 1956 wurde das Areal zwischen Tiergarten und Moabit im Zuge der internationalen Bauausstellung Interbau nach den Plänen von 53 Architekten aus 13 verschiedenen Ländern im Stil der Nachkriegsmoderne neu bebaut, Pläne für die Neubauten lieferten unter anderem Walter Gropius, Oscar Niemeyer und Max Taut. Wenn ihr also das nächste Mal mit der Stadtbahn an den Hochhäusern vorbei fahrt, steigt doch einfach mal aus und streift quer durch den erst auf den zweiten Blick interessanten Kiez.

5. Cité Guynmere und Cité Pasteur in Tegel

Die Spuren der französischen Besatzung finden sich heute noch immer in Reinickendorf, so beispielsweise rund um den Tegeler Flughafen. Im Norden grenzt die Cité Guynmere an den Airport, im Südosten schließt die Cité Pasteur an. Beide Siedlungen sind sehr dörflich geprägt, die Straßen haben französische Namen, man kennt sich. Allerdings gibt es ein Manko, und das lässt sich eben nicht so einfach ausblenden: den Flughafen und den damit verbundenen Lärm. Trotzdem sind beide Siedlungen Faszinosa, nicht nur für Planespotter und Historiker.

6. Das Nikolaiviertel in Mitte

© Daliah Hoffmann

Einen historischen Stadtkern sucht man in Berlin vergebens, stattdessen wird den Touristen das Nikolaiviertel als solcher verkauft. Nun gut, man sieht auf den ersten Blick, dass es sich hierbei nicht um einen historischen Kiez handelt. Auf Alt getrimmte Platten umgeben die historische Nikolaikirche, selbst die Fachwerkshäuser in direkter Nachbarschaft zum Gotteshaus sind größtenteils Nachbauten. Dennoch lässt es sich hier im Sommer schön flanieren, insbesondere wenn man zuvor am hektischen und zugleich ziemlich hässlichen Alexanderplatz unterwegs war. Zudem findet ihr hier zahlreiche Berliner Restaurants, die nicht modern, dafür aber deftig und gutbürgerlich kochen.

7. Das Böhmische Viertel in Neukölln

© Felix Kayser

Zwischen Schmuddel-Neukölln und Piefik-Britz liegt ein Kiez, der so gar nicht nach Berlin und erst recht nicht nach Neukölln passen will: Das Böhmische Viertel. In den kleinen Gassen fühlt es sich nicht nach Großstadt an, sondern eher nach einem idyllischen Brandenburger Dorf. Falls ihr euch also nach etwas Ruhe sehnt, wisst ihr, wo ihr hin müsst. Und wenn ihr schon einmal da seid, vergesst nicht im wundervollen Paulinski Palme Essen zu gehen!

8. Das Märkische Viertel in Reinickendorf

© Kerstin Musl

Nachdem Sido mit dem Hit „Mein Block“ an die Chartspitze gestürmt ist, wurde das Märkische Viertel in ganz Deutschland bekannt. Für die Bewohner war das Fluch und Segen zugleich. Zum einen rückten sie in den Fokus der Medien, jeder wollte wissen, was es mit dem Mythos "MV" auf sich hat. Das ist eben aber auch der Knackpunkt. Der Song ist längst zum Klischee geworden und das MV hat seinen Ruf weg. Höchste Zeit, das Viertel selbst bei einem Spaziergang unter die Lupe zu nehmen.

9. Die Hufeisensiedlung in Neukölln

Nomen est omen: Im Fall der Hufeisensiedlung stimmt das sogar. Der Block, der unter dem Label „Sozialer Wohnungsbau" errichtet wurde, ähnelt tatsächlich einem Pferdehufeisen. Seit 2008 ist das von Bruno Taut entworfene Viertel Teil des UNESCO-Welterbes. Besonders auffällig sind die verschiedenfarbigen Türen. Wem gucken nicht ausreicht, kann sich auch einige Tage in einer der denkmalgerecht sanierten Wohnungen einmieten.

10. Der Hausvogteiplatz in Mitte

Townhouses müssen was Tolles sein. Das zumindest legt der aktuelle Bauboom nahe. Überall in der Stadt entstehen exklusive Wohnhäuser mit großen Glasfassaden, Dachterrassen und kleinen Gärten. Zugepflastert mit solchen Townhäusern ist bereits der Hausvogteiplatz zwischen Leipziger Straße und Gendarmenmarkt. Die Häuser sind in der Tat schön anzusehen, leider ist das Viertel dafür auch ziemlich tot, denn wer will denn noch auf die Straße, wenn es zuhause doch eh schöner ist?

11. Die Gartenstadt Falkenberg in Treptow-Köpenick

Mitten in Treptow-Köpenick zauberte Architekt Bruo Taut einen kunterbunten Kiez, die sogenannte "Tuschkastensiedlung". Jedes der unter Denkmalschutz stehenden Häuser hat seine eigene Farbe. Freunde des Fantasievollen und Kinder kommen hier definitiv auf ihre Kosten – und schön ruhig ist es außerdem.

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