Auf der Cuvrybrache wird jetzt gebaut – allerdings keine Wohnungen

<a target="_blank" href=“https://www.flickr.com/photos/ekvidi/"© ekvidi | <a target="_blank" href=“https://www.flickr.com/photos/ekvidi/16010681861/"Flickr CC BY-NC 2.0

Die Cuvrybrache in Kreuzberg steht mal wieder exemplarisch für das, was in Berlin schon seit Jahren falsch läuft. Seit fast zwei Jahrzehnten ist das Gelände hart umkämpftes Gebiet im linksorientierten Kreuzberg, das sich schon oft gegen allzu kapitalistischen Einfluss und für soziale (Wohnungsbau-)Projekte, vor allem auf der Brache, einsetzte. Sie war zuletzt Zufluchtsort für Besetzer, Vertriebene und Streetart-Künstler und wenn es nach den Anwohnern und dem Senat ginge, sollten auf dem Gelände Wohnungen gebaut werden.

Bereits Anfang der 00er-Jahre sollte auf dem Gelände der "Neue Spreespeicher" entstehen, ein Mediaspree-Projekt des Eigentümers Artur Süßkind, gegen das sich die Anwohner erfolgreich wehrten. 2016 wurde bekannt, dass dieses Projekt in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollte – auf Grundlage einer Genehmigung von 2002. Der Senat selbst plante wohl, auf dem Gelände Wohnungen zu bauen, doch Süßkind akzeptierte die Verpflichtung nicht, 25 Prozent Sozialwohnungen zu bauen – auch auf Grundlage der Genehmigung für das Projekt von 2002.

Online-Riese Zalando zieht auf die Cuvrybrache

Der Tagesspiegel berichtet nun, dass der Online-Handelsriese Zalando ziemlich sicher neue Bürogebäude auf der Brache bauen wird. "Es ist richtig, wir werden dort Mieter", sagt Zalando-Sprecherin Nadine Przybilski gegenüber dem Tagesspiegel. 2019 sollen die ersten Teams einziehen. Wer von der Kreuzberger Spreeseite aus einen Blick rüber nach Friedrichshain wirft, dem wird bereits die riesige Zalando-Zentrale aufgefallen sein, die an dem totgebauten Areal rund um die Mercedes-Benz-Arena entstanden ist. Da der Platz dort schon jetzt nicht ausreicht, wird also weiter gebaut – natürlich in der Innenstadt, wo Wohnungen mehr denn je gebraucht werden.

Aktuelle Zalando-Kampagne mit James Franco © Zalando

"Große internationale Konzerne mit kreativen Mitarbeitern suchen den Kiez mit Szeneflär (sic) – durch ihr massives Auftreten drohen sie jedoch die Kiezstrukturen zu zerstören", sagt Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg gegenüber dem Tagesspiegel. Es zeigt die Ohnmacht des Senats gegenüber großen Konzernen.

Zalando beteuert zwar, dass man sich um Kiezstrukturen Gedanken mache und der Zugang zur Spree weiterhin bestehen bleiben soll, aber wer braucht einen Zugang zur Spree, wenn er weit und breit keine Wohnung in der Nähe findet?

Weiterlesen in Stadt
Sags deinen Freunden: