Marcello Zerletti macht Bilder von Berlin, die schöner sind als die Realität

© Marcello Zerletti

Wenn man Marcello Zerlettis Bilder auf Instagram anschaut, glaubt man fast, auf ein anderes Berlin zu schauen. Marcello fängt Momente ein, die wir mit unserem bloßen Augen nie wahrnehmen würden und wählt Perspektiven aus, die uns Berlin nochmal ganz neu entdecken lassen. Weil wir so fasziniert sind, haben wir Marcello ein paar Fragen rübergeschickt.

Hallo Marcello, wie bist du eigentlich zur Fotografie gekommen?
Ich habe vor 5 Jahren eine DSLR von meinem Schwiegervater geliehen bekommen und war ab diesem Moment von der Fotografie begeistert. Kurz darauf habe ich mir meine eigene Kamera gekauft und seitdem bin ich eigentlich nur damit unterwegs. Obwohl ich als freier Fotograf sowieso täglich fotografiere, bin ich auch in meiner Freizeit mit der Kamera unterwegs. Der Fluch jedes Fotografen, denn er denkt immer, dass er DAS Motiv verpasst, wenn er mal nicht die Kamera dabei hat.

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Was macht für dich einen guten Fotografen aus?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Im Grunde habe ich auch gar keine Antwort darauf. Man sollte den Bildern einfach ansehen, das derjenige, der sie macht, es gern macht und sein Hobby oder sein Beruf liebt. Und meiner Meinung nach, sieht man es Bildern an. Gefühl für Bildsprache steht bei mir ganz klar vor Technik. Ich wurde da schon sehr oft eines Besseren belehrt.

Und was ist für dich das Wichtigste an einem Foto?
Es muss mich einfach begeistern. Dabei spielt weniger die Qualität des Bildes eine Rolle, sondern mehr das Motiv an sich. Es ist egal, ob es ein Schnappschuss oder ein professionelles geplantes Bild ist. Auch das Genre ist mir in dem Moment egal. Ich muss einfach gefesselt sein und dann schaue ich es mir gern länger und auch öfter an.

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Deine Fotos sehen so mühelos aus. Ganz ehrlich: Wie lange brauchst du in der Regel für ein Foto?
Ganz ehrlich?! Für die meisten Bilder sind es nur Sekunden. Ich bin ständig unterwegs und in Bewegung und versuche bei den meisten Motiven den Moment festzuhalten. Ich verweile selten an einer Stelle, da meine Umgebung ja auch ständig in Bewegung ist. Sogar die Sonne wandert relativ schnell und daher ändern sich auch Licht und Schatten.

Es gibt natürlich auch Motive, für die ich länger brauche, das sind dann meist Bilder, die ich schon vorher im Kopf habe, in der Regel dann Langzeitbelichtungen oder kurze Videos/Cinemagraphs. Da verweile ich schon mal länger, aber nie länger als 30 Minuten. Dann zieht es mich weiter.

Nehmen wir mal dein Supermond-Foto, über das wir auf dich aufmerksam geworden sind. Kannst du uns kurz erklären, mit welchen Einstellungen du das Foto geschossen hast?
Der „Supermond“ ist nur ein normaler Vollmond, den ich einen Monat vorher aufgenommen habe. Das Bild ist eher zufällig entstanden, als ich mit dem Auto unterwegs war. Auch wenn der normale Beobachter das nicht wahrnimmt, der Mond wandert relativ schnell, wenn man ihn an einem bestimmten Punkt haben möchte. Eine Minute später und das Motiv ist versaut.

Das Bild habe ich mit meiner Nikon D610 und einem Sigma 70-200mm 2.8 plus Sigma 2.0 Converter gemacht. Die Einstellungen waren ISO 100 | 400mm | f5.6 | 1/100sec. Da ich mit 400mm relativ weit weg vom Fernsehturm stand, musste es schnell gehen und ohne Stativ, also freihand.

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Mit welcher Kamera arbeitest du (am häufigsten)?
Wie eben schon gesagt mit meiner Nikon D610 und zu 80% mit einem Nikon 16-35mm 4.0. Für Timelapse kommt meine alte Nikon D5000 zum Einsatz. Ich bin da aber flexibel und komme auch gut mit anderen Marken zurecht. Mit Canon zum Beispiel verbindet mich eine gute Kooperation, die ich gern nutze. Zuletzt habe ich mit der Canon 6D und dem 11-24mm 4.0L sehr gute Erfahrungen gemacht.

Schießt du auch mal mit deinem Handy Fotos? Welche Programme kannst du empfehlen?
Ich mache auch gern mal Bilder mit einem Samsung Galaxy S7 Edge, die Möglichkeiten der Smartphone-Fotografie sind heutzutage einfach überzeugend. Auch diese Bilder schieße ich im RAW-Format und entwickle meine Bilder in Lightroom. Ganz selten kommt Photoshop zum Einsatz. Wenn es unterwegs schnell gehen muss, bearbeite ich auf dem Handy auch mal mit VSCO oder Snapseed, das ist aber eher die Ausnahme.

Du postest größtenteils Fotos aus Berlin auf deinem Instagram-Profil. Welchen Ort in Berlin magst du am meisten? Was fasziniert dich an der Stadt?
Es ist kein Geheimnis, dass ich den Berliner Dom und das Brandenburger Tor liebe. Diese Motive sind überdurchschnittlich viel in meinem Profil zu sehen. Und auch nach dem 1000. Besuch dieser Plätze finde ich noch einen Winkel oder eine Situation, die ich noch nicht fotografiert habe.

Mich fasziniert an Berlin, dass ich zu jeder Tages- und Jahreszeit einfach nur vor die Tür treten kann und dort bereits mein Motiv habe. Ich muss nicht stundenlang irgendwo hinfahren, ich kann einfach losgehen und machen. Egal, ob es die großen Motive sind oder die kleinen Alltagsszenen, alles ist sofort da.

Vielen Dank, Marcello!

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Noch mehr Fotos von Marcello findet ihr auf seinem Instagram-Account.

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