Fu Gee La #16 – Geflüchtete erhalten Gesundheits- und Geldkarte, Postbeamte helfen am Lageso aus

6. Januar 2016. Jede Woche gibt es neue Nachrichten zu der Flüchtlingssituation in Berlin. Deshalb informieren wir euch hier wöchentlich über die aktuellen Geschehnisse rund um Flüchtlingspolitik und soziales Engagement. Bei “Stil in Berlin” könnt ihr diesen Beitrag auch auf Englisch lesen.

Die Zahl der Woche

7.000 | So viele Flüchtlinge wurden letztes Jahr von den 80.000 in Berlin ankommenden Flüchtenden nicht registriert und warten noch immer vor dem Lageso – zusätzlich zu den wöchentlichen Neuankömmlingen. Mario Czaja hatte schon letztes Jahr angekündigt, dem Andrang mit einer seperaten Flüchtlingsbehörde Herr werden zu wollen.

Wie läuft’s beim LAGeSo?

Seit Montag ist die Behörde, die über Weihnachten und Silvester geschlossen war, wieder geöffnet. Mario Czaja und der Senat versprechen Verbesserungen der Situation vor Ort, zum Beispiel Neuankömmlinge direkt am 1. Tag zu registrieren, wie das ZDF berichtet. Aber erstmal mussten die Menschen bei Minusgraden in zum Teil schlecht beheizten Zelten – wie gewohnt – warten. (Der Tagesspiegel und der Fotograf Martin Gommel berichten.)

2016 soll es zudem mehrere, bürokratische Neuerungen geben, schreibt der Tagesspiegel. Die Flüchtenden sollen ab nächster Woche Gesundheitskarten bekommen. Diese ersetzen die temporären Krankenscheine und machen es den Menschen möglich, direkt zum Arzt zu gehen. Außerdem bekommen die Registrierten eine Geldkarte, auf den das monatlich festgelegte "Taschengeld" vierteljährlich aufgebucht und monatlich freigeschaltet wird. Czaja begründet dieses Vorgehen damit, dass es den bürokratischen Aufwand verringere, weil die Flüchtenden nicht alle vier Wochen am Lageso für ihre Leistungen anstehen müssen.

Darüber hinaus sollen ehemalige Postbeamte am Lageso aushelfen, berichtet die Berliner Morgenpost. Generell sollen das Personal am Lageso erheblich aufgestockt werden.

Was macht die Politik?

Sich wieder gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Jetzt mischt sich auch der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, ein, der eigentlich für seinen Wahlkreis in Passau zuständig ist. Er gibt Berlin Regierendem Bürgermeister Michael Müller die Schuld "Politikversagen".

Derweil wird weiter händeringend nach Unterkünften in Berlin gesucht. Damit in den 47 belegten Turnhallen wieder geturnt werden kann, sollen an 60 Standorten Modulbauten für 25.000 Menschen gebaut werden.

Dazu passt auch die Forderung des Bündnisses zwischen dem Flüchtlingsrat Berlin, der Initiative 100% Tempelhofer Feld, dem Bündnis Neukölln, dem Netzwerk Architekten für Architekten sowie den Plattformnachwuchsarchitekten. Das "Massenlager" auf dem Tempelhofer Feld müsse geschlossen werden. Auch sollten keine weiteren Unterkünfte auf dem Feld gebaut werden. Stattdessen müssten "die Menschen in Wohnungen untergebracht werden", schreibt der Tagesspiegel.

Dazu kommt, dass in Tempelhof nichts rund läuft. Noch vor der Eröffnung des Hangar 7 ist die Heizung ausgefallen, die Lautstärke sei unerträglich, die Luft schlecht und die Aufbewahrungsmöglichkeiten unzureichend.

Gibt es auch schöne Geschichten?

Wir berichten ja immer wieder über die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Berliner. Auch unsere liebe Redakteurin Maria Giesecke setzt sich ein und erhielt am Montag zahlreiche Geldspenden, um für die Menschen vor dem Lageso Hygieneartikel und Lebensmittel zu kaufen.

This is me being #emotional at @dm_deutschland #grocery #store #hermannplatz #berlin. Without asking for it, yesterday many of my #friends donated 855€ to me to spend it at dm for the urgent needs at #LaGeSo #moabithilft. Just because I've said I gonna go shopping there to bring it over. We spent 345,50€ at #dm, 130,36€ at #aldi and the rest is going to be spend via online orders. This women next to me was just awesome. My dear friends: you are the best. I love you all like crazy!!! + @kkrzmllr and @zesuhr ❤️ #bestbirthday

Ein von Maria Mareiha (@mareiha) gepostetes Foto am

So kannst du diese Woche helfen

Am Lageso wird alles Mögliche an Babybedarf (außer Kleidung) benötigt, z.B. Flaschen, Puder, Feuchttücher sowie Decken und Schlafsäcke. Die komplette Bedarfsliste findet ihr hier.

Am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge werden dringend Obst und Freiwillige fürs Müllsammeln gebraucht.

In Karlshorst fehlen besonders dringend Babytragetücher und Kinderwagen sowie Oberbekleidung für Männer.

Engagieren
Infos und Links zu einzelnen Flüchtlingsinitiativen Berlins findet ihr auf der Seite des Flüchtlingsrats Berlin und bei bürgeraktiv – das Engagementportal. Bei Volunteer Planner könnt ihr euch als freiwilliger Helfer an einer der zahlreichen Unterkünfte registrieren. Und hier findet ihr alle aktuellen Bedarfslisten der Unterkünfte.

 


Der Titel dieser Serie stammt von dem Fugees-Song “Fu Gee La”Das ist letzte Woche passiert.

Titelfoto: © Metropolico.org

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