Refugees Welcome – So könnt ihr Flüchtlingen in Berlin helfen

Momentan gibt es kaum ein anderes und wichtigeres Thema als die Flüchtlinge, die täglich in Deutschland ankommen. Das Internet ist voll von Hilfeaufrufen auf der einen und Hasstiraden auf der anderen Seite; eine Lösung scheint schwer zu finden. Besonders präsent ist derzeit die Lage in Moabit, wo Flüchtlinge bei Temperaturen um die 40 °C vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) seit Tagen auf einen Termin zur Erstregistrierung warten. Doch die Hilfsbereitschaft der Berliner ist groß, viele haben die Flüchtlinge mit Getränken, Lebensmitteln und Kleidung versorgt.

Die vielen Geschichten vom Leid dieser Menschen lösen Entsetzen aus. Gleichzeitig fühlt man sich machtlos, denn viele von uns wissen nicht, wie sie helfen können. Dabei gibt es viele Hilfsangebote, eines davon ist ref.connect. Ref.connect vermittelt Sprachmittler, die Flüchtlingen bei ihren Behördengängen, Arztbesuchen und sonstigen Terminen begleiten und unterstützen sollen. Dabei werden nicht unbedingt ausgebildete Dolmetscher gesucht, sondern Freiwillige (Sprachstudenten, Muttersprachler etc.), die sich in der Lage sehen, Sprachbarrieren zu überwinden. Wir haben mit Lenemarie Leukefeld, einer der Initiatorinnen, gesprochen.

Wer seid ihr und wie seid ihr auf die Idee ref.connect gekommen?
Das Team von ref.connect besteht aus vier Studenten der Kulturarbeit an der FH Potsdam. Im Rahmen des Studiums entstand die Idee, einen Beitrag zur Willkommenskultur von Flüchtlingen zu leisten. Wir sprachen mit Flüchtlingseinrichtungen, um herauszufinden, wo Bedarf besteht. Dabei fanden wir heraus, dass vor allem anfängliche Sprachbarrieren problematisch sind. Deswegen wollten wir eine Plattform erstellen, auf der sich Sprachmittler registrieren können, um bei nicht zertifizierten Übersetzungstätigkeiten die Kommunikation des Geflüchteten zu verbessern.

ref.connect Team

Könnt ihr kurz schildern, wie so eine Zusammenarbeit abläuft?
Die Flüchtlingseinrichtung sendet uns ein Gesuch des Geflüchteten zu, in dem alle wichtigen Informationen wie Zeit, Ort, Anlass und mögliche Anmerkungen drin stehen. Wir veröffentlichen dieses Gesuch auf www.refconnect.de. Die potenziellen Sprachmittler registrieren sich auf unser Seite und werden informiert, sobald es ein Gesuch in der jeweiligen Sprache gibt. Wenn ein Sprachmittler Zeit und Lust auf einen Termin hat, meldet er sich bei uns. Auf unserer Homepage findet man einen Leitfaden, der alle wichtigen Punkte enthält, um eine Sprachmittlung durchzuführen. Mit unserem Träger, der AWO Potsdam, planen wir auch Ehrenamtsschulungen, um die Sprachmittler besser zu begleiten und vorzubereiten.

Geht es nur ums bloße Übersetzen oder auch darum, dass Flüchtlinge mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen und sie lernen?
Die Übersetzung ist die Hauptaufgabe. Natürlich steht nichts im Wege, sich auch außerhalb des Termins zu treffen und Deutsch zu üben und zu lernen. Allerdings steht die Tatsache, jemanden gefunden zu haben, der die Muttersprache oder eine Fremdsprache spricht, die der Flüchtling versteht und somit den Termin wahrnehmen kann, oft im Vordergrund.

Gibt es keine staatlichen Einrichtungen, die sich um Behördengänge von Flüchtlingen kümmern?
Es gibt Einsätze, für die ausschließlich zertifizierte Dolmetscher infrage kommen. Außerdem kann beim Sozialamt für einige Fälle auch ein Dolmetscher beantragt werden. Das ist jedoch ein bisschen komplexer und reicht oft nicht aus.

Wie viele Flüchtlinge sind derzeit dabei und wie viele Sprachmittler?
Im Moment sind circa 40–50 Sprachmittler registriert und 25 Flüchtlinge benötigten bis jetzt einen Sprachmittler. Einige Sprachmittlungen kamen leider nicht zustande, weil niemand gefunden wurde.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?
Wir würden gerne möglichst viele Sprachmittler gewinnen, um im Raum Potsdam und Berlin viele Gesuche von Flüchtlingen zu decken. Gesuche gibt es ausreichend, aber es könnte noch sehr viel mehr Sprachmittler geben. Bis 2017 studieren und arbeiten wir für ref.connect. Auch wenn das Projekt im Rahmen des Studiums entstanden ist, soll es weitergeführt werden. Unser Träger die AWO plant eine Stelle, die unsere Aufgaben dann übernimmt, damit ref.connect weiter existieren kann.

Hier könnt ihr eure Sprachhilfe anbieten. Momentan werden vor allem Menschen aus Berlin und Potsdam gesucht, die Arabisch, Russisch oder Persisch sprechen. 

 

Wichtig ist jede noch so kleine Unterstützung. Werdet aktiv und zeigt, dass die Flüchtlinge bei uns willkommen sind. Hier sind einige weitere Möglichkeiten, um zu helfen:

– Auf der Website "Wie kann ich helfen?" gibt es eine Sammlung von Hilfsprojekten und Anlaufstellen, an die ihr euch wenden  könnt.

– "Flüchtlinge Willkommen" vermittelt freie WG-Zimmer an Flüchtlinge, sammelt Spenden, vernetzt Helfer und sucht nach Paten.

– "Moabit hilft" ist eines von vielen Kiezprojekten und kümmert sich im Moment u.a. um LaGeSo. Sie sammeln Spenden, organisieren Feste und Begleitungen. Auf ihrer Website findet man eine ständig aktualisierte Bedarfsliste für LaGeSo sowie eine Bedarfsliste für alle Unterkünfte in Moabit.

– Wenn ihr an [email protected] schreibt, bekommt ihr alle Infos und Links zu den Mitmachlisten für die Notunterkunft in der Kruppstraße/Lehrter Straße.

– Der Verein Multitude e.V. bietet in mehreren Berliner Flüchtlingsunterkünften kostenlosen Deutschunterricht und Kinderbetreuung an. Wenn ihr mitwirken wollt, findet ihr hier den Kontakt zum Verein.


Titelfoto: © flickr Gabriele Kantel
Foto: © ref.connect

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