Lesevergnügen #19: 11 Neuerscheinungen im Sommer, die wirklich lesenswert sind

© Wiebke Jann

Summer is kicking in. Und mit dem Sommeranfang minimiert sich unsere Bildschirmzeit – zumindest die am Fernseher oder Computer – und die Zeit, die wir an der frischen Luft, im Park, am See oder im Freibad verbringen, potenziert sich. Was sich auf diesen Ausflügen immer in unserer Tasche befindet: Sonnencreme, Sonnenbrille, Wasser – wichtig! – und ein gutes Buch. Davon sind in den letzten Wochen wirklich ziemlich gviele erschienen und wenn man sich die Liste der demnächst erscheinenden Bücher bei einschlägigen Verlagshäusern ansieht, werden diesen auch noch sehr viele andere gute folgen. Julius Fischer meckert über seine Mitmenschen, Lisa Krusche erzählt eine fantastische, wilde Coming-of-Age-Story und Heinz Strunk schreibt mal wieder über die Liebe – und die Midlife Crisis.

Egal ob auf dem Balkon, im Park, am See oder zu Hause im Bett: Diese 11 Neuerscheinungen solltet ihr im Sommer auf eure Must-Read-Liste schreiben – und dann natürlich auch lesen.

Judith Hermann: "Daheim"

Wann haben wir uns eigentlich entschieden, diese oder jene Abzweigung im Leben zu nehmen? In der Stadt oder am Meer zu leben? Mit diesem Mann Kinder zu bekommen? Oder keine? Jenen Job aufzugeben, um ein neues Kapitel zu beginnen? In Judith Hermanns Roman "Daheim" begleiten wir die Protagonistin bei eben jenen Entscheidungen. Sie lässt ihr altes Leben samt Tochter und Ex-Mann hinter sich, zieht ans Meer und gewöhnt sich an das Leben an der rauen Küste. Sie schließt vorsichtig Freundschaften, lernt einen anderen Mann kennen und überlegt, ob sie bleiben oder erneut weiterziehen soll. Hermann schreibt mit viel Sinnlichkeit und Tiefe und schafft es, den Lesenden ein Gefühl für die Landschaft, die Leute und die Erinnerung zu vermitteln.

Erschienen im S. Fischer Verlag | 192 Seiten | 21 Euro | Mehr Info

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Julius Fischer: "Ich hasse Menschen. Eine Art Liebesgeschichte"

Wer Marc-Uwe Kling mag, wird Julius Fischer lieben. Und das ist auch keine große Überraschung, denn die beiden gehen regelmäßig mit ihrer Lesebühne "Lesedüne" gemeinsam auf Tour und bescheren Menschen mit ihren wirklich charmanten und humorvollen Texten einen tollen Abend. In seinem neuen Buch erzählt Julius Fischer davon, dass man Philanthropen kaum weiter als er entfernt sein kann. Er hasst Menschen. Sie sind ätzend und nervig. Nicht nur Fremde, sondern auch Bekannte, Freund*innen, ja, manchmal auch die eigene Frau. Die Leser*innen begleiten Julius also dabei, wie er schlecht gelaunt durch die Welt spaziert, immer darauf bedacht, möglichst wenig mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Und was sollen wir sagen, es macht wahnsinnig viel Spaß, Fischer dabei zuzusehen, wie er sich über sehr viele große und kleine Probleme aufregt. Wie er mit dem Landleben ebenso abrechnet wie mit der Frau, die in der Bahn – für seinen Geschmack zu geräuschvoll – einen Apfel futtert.

Erschienen im Voland & Quist Verlag | 272 Seiten | 15 Euro | Mehr Info

Bernhard Heckler: "Das Liebesleben der Pinguine"

"Wir sehen die Welt durch unsere Smartphones und Laptops, durch die Fensterfronten der Fitnessstudios. Sie sieht echt aus. Aber von Zeit zu Zeit pressen wir unsere Hände an das Glas, werfen das Smartphone an die Wand. Wir wollen uns begegnen. Uns berühren. Das ist alles. Wie immer schon. Und es ist, wie immer schon, unendlich schwer." In seinem Romandebüt erzählt Heckler die Geschichte von Nura, Niko und ihrem gemeinsamen, alten Freund Sascha. Nura ist eine erfolgreiche Ghostwriterin für Online-Dating, Niko arbeitet für ein Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmen und hat 14.000 Follower bei Instagram. Nach zehn Jahren Beziehung trennen sich die beiden. Und dann taucht auch noch Sascha auf. Der Sascha, in den Niko heimlich verliebt gewesen ist und mit dem Nura zusammen war – bis sie eines Nachts Niko geküsst hat. Und dann wäre da noch Farjad, ein Mann, den Niko über seine Schach-App kennenlernt und kurzerhand zu ihm nach Istanbul fliegt, um in seiner Nähe zu sein. Bernhard Heckler ist ein scharfsinniger und gleichsam feinfühliger Beobachter, der seine Leser*innen zwischen endloser Einsamkeit vor technischen Geräten und stiller Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung hin und her wiegt. Er erzählt eine Geschichte, die so alt ist wie die Menschheit und dennoch nie auserzählt ist. Er erzählt von der Liebe, von Freundschaft, von Sehnsucht; stilistisch verpackt in unsere Zeit zwischen Hipstertum, Selbstoptimierung und Dating-Apps.

Erschienen im Tropen Verlag | 208 Seiten | 20 Euro | Mehr Info

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Brandon Taylor: "Real Life"

Wallace ist jung, erfolgreich – und Schwarz. Er ist der einzige Schwarze Biochemie-Doktorand an der Uni. Seine Freund*innen sagen, er könne froh sein, dass er es als einziger POC so weit gebracht hat. Was sie nicht sehen? Seine unglückliche Kindheit in Alabama. Seine das Elend nicht aushaltende, trinkende Mutter. Als Wallace' Vater stirbt, brechen die Erinnerungen an damals herein, doch Wallace hat niemanden, dem er sich so richtig anvertrauen kann. Es ist eine Mischung aus Scham und Angst, weswegen er sich seinen Freund*innen nicht anvertraut. Ihnen nicht und seiner neuen Affäre Miller schon gar nicht. "Real Life" erzählt die Geschichte eines jungen, queeren, Schwarzen Mannes, der versucht die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ganz neu anzufangen. Es ist ein rührender und aufwühlender Roman, der zwischen der Subtilität mancher Diskriminierung und dem Struggle einer queeren Schwarzen Person in der heutigen Zeit changiert.

Im Piper Verlag erschienen | 352 Seiten | 22 Euro | Mehr Info

Ewald Arenz: "Der große Sommer"

Das neue Buch Ewald Arenz' erschien zwar schon Ende März, wie der Titel aber schon vermuten lässt, ist es das perfekte Buch für den anstehenden Sommer. Es ist Sommer, die großen Ferien stehen an und eigentlich auch Urlaub. Nicht so für Frieder, denn aufgrund seiner schlechten Noten muss er in Mathe und Latein zur Nachprüfung. Frieder muss in den Ferien also eher Bücher als sich selbst am Strand wälzen. Müsste, trifft es wohl eher. Denn Frieder erlebt den aufregendsten Sommer seines Lebens. Mit Alma und Johann und der wunderschönen Beate in ihrem flaschengrünen Badeanzug. "Der große Sommer" erzählt von Freundschaft, erster Liebe, Vertrauen und Angst und auch vom Tod. Beim Lesen dieses Buches bekommt man unweigerlich Sehnsucht nach dem Gefühl von Sommerferien. Sechs Wochen Freiheit. Sechs Wochen voller erster Male und aufregenden Abenteuern.

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Lisa Krusche: "Unsere anarchistischen Herzen"

Wie aufregend und anstrengend ist es eigentlich, erwachsen zu werden? Lisa Krusche verrät es uns in ihrem Roman "Unsere anarchistischen Herzen". Anders als viele Autor*innen – eigentlich sind es meist Autoren –, die von ihrer wilden, verklärten Jugend in den 1980er Jahren erzählen, bewegen wir uns mit Lisa Krusche aber im Hier und Jetzt. Sie selbst ist 1991 geboren und eröffnet damit eine wirklich notwendig gewesene Verschiebung der Coming-of-Age-Romane. Wir begleiten die beiden Freundinnen Charles und Gwen. Während Charles mit ihren Post-Hippi-Eltern aufs Land ziehen muss, setzt Gwen alles daran, sich von ihren wohlhabenden Eltern abzugrenzen. Den Jungs, mit denen sie schläft, zockt sie das Geld aus der Hosentasche – und spendet es. Und wenn sie mit Charles unterwegs ist, wird man in einen Rausch aus explosivem Ungehorsam und jugendlichen Leichtsinn gesogen.

Erschienen im S. Fischer Verlag | 445 Seiten | 23 Euro | Mehr Info

Anika Decker & Katia Berlin: "Nachrichten von Männern"

Let's be honest: Wir alle haben schon mal unsere Freund*innen angerufen, ihnen Nachrichten unseres Crushs vorgelesen und bis ins Kleinste durchexerziert, was genau er*sie mit dieser Kurznachricht wohl genau meinen können. Wer hier hochmütig den Kopf schüttelt, war wohl einfach noch nie richtig verknallt seit es Handys gibt. Weil das aber ja eigentlich ganz großer Quatsch ist und manche Männer – so Decker und Berlin – einfach Schwachköpfe sind, haben die beiden großartigen Frauen ein ziemlich gaggiges Buch herausgebracht, in dem sie all jene Männertypen beschreiben – inklusive Fallbeispiele – auf die wir alle gut und gern verzichten können. Es liest sich wie eine humoristische Enzyklopädie der hiesigen Dating-Welt. Wer sich in den Texten wieder erkennt, darf ruhigen Gewissens feststellen, dass er*sie nicht die einzige ist, die an so einen Typen geraten ist – und wer sich nicht wieder erkennt, hat wohl Glück gehabt, nie an so einen Typen geraten zu sein. Dieses Buch zu lesen fühlt sich an, als würde man heimlich in der Bahn Gespräche belauschen oder mit Freund*innen über die letzte Affäre tratschen. Es ist herrlich.

Erschienen im Ullstein Verlag | 192 Seiten | 15 Euro | Mehr Info

© Ullstein Verlag | Dumont Verlag

Linn Strømsborg: "Nie, nie, nie"

Eine Frau in ihren Dreißigern wird sich diese Frage unweigerlich irgendwann stellen, denn sie bekommt sie auch regelmäßig von ihrer Umgebung gestellt: Und was ist mit Kindern? Strømsborgs Protagonistin ist 35 und hat sich schon vor einiger Zeit gegen Kinder entschieden. Dass sich diese Entscheidung nicht nur auf ihre Beziehung, sondern auch auf ihren Umgang mit der Familie und Freund*innen auswirkt, wird in diesem Buch geschildert. Es werden die großen Fragen des Familienglücks gestellt. Braucht es wirklich ein Kind, um eine Familie zu werden? Wird ihr Partner Philip wirklich mit ihr zusammenbleiben, auch wenn das bedeutet, dass er seinen Kinderwunsch aufgeben muss? Wie geht man mit dem elterlichen Druck um, endlich eine Familie zu gründen? Und wieso darf man als Frau nicht selbst entscheiden, dass man einfach keine Kinder möchte? Ein wichtiges Buch, das sich mit vielen Fragen unserer Zeit beschäftigt und sich auf empathische und bewegende Weise mit Mutterschaft und Weiblichkeit auseinandersetzt.

Erschienen im Dumont Verlag | 256 Seiten | 20 Euro | Mehr Info

Johanna Adorján: "Ciao"

Wir wissen es langsam alle: Die Ära der alten, weißen Männer geht zu Ende. Junge, emanzipierte Frauen erkämpfen sich mehr und mehr ihren Platz, und junge, weiße Männer wissen inzwischen zumeist um ihre weiße Cis-Männlichkeit. Eine der wenigen Gruppen, die diesen Umschwung noch nicht wahrnehmen (wollen), sind die weißen Männer selbst. Und genau zu dieser Gruppe gehört der Protagonist des Romans "Ciao". Hans Benedek ist Journalist, erfolgreicher Feuilletonist. Er hat eine Frau und Kinder – und nebenbei Affären mit jungen Praktikantinnen. Während sich sein gesamtes Umfeld beginnt zu verändern, merkt Hans indes selbst nichts von seiner sich einschleichenden Bedeutungslosigkeit. Seine Tochter beschimpft ihn als Mörder, weil er noch immer Fleisch isst, die unkomplizierten Affären mit seinen Praktikantinnen sind gar nicht mehr so unkompliziert und seine Frau bringt ihn auf die Idee, die gefragteste junge Feministin zu interviewen. "Ciao" erzählt von Veränderung, vom Älterwerden und ein bisschen von der Liebe und das alles in Form einer wunderbar humorvollen Gesellschaftssatire.

erscheint am 08. Juli im KiWi Verlag | 272 Seiten | 20 Euro | Mehr Info

© KiWi Verlag | Rohwolt Verlag

Heinz Strunk: "Es ist immer so schön mit dir"

Wenn Heinz Strunk über die Liebe schreibt, dürfen wir uns auf Großes freuen. Auf ziemlich genialen Witz und pointierte Geschichten. Das hat er nicht zuletzt in seinem Buch "Jürgen" bewiesen. Seinem neuen Roman gibt er jetzt sogar noch den Zusatz "Eine katastrophale Liebe", als hätte man sich das bei Strunk nicht ohnehin denken können. Der Protagonist war mal Musiker, jetzt ist er Mitte vierzig. Dass es mit der Karriere nichts wurde, schmerzt mittlerweile nicht mehr und auch das Leben mit seiner halbwegs erfolgreichen Freundin läuft gut. Bis er die junge und schöne Schauspielerin Vanessa kennenlernt, sich in sie verliebt – und sie in ihn. Er trennt sich von seiner Freundin, durchlebt einen zweiten Frühling mit Vanessa und schwebt zwischen Liebesglück und Chaos, und die Spatzen rufen es von den Dächern: Midlife Crisis!

Erscheint am 20. Juli im Rohwolt Verlag | 288 Seiten | 22 Euro | Mehr Info

Judith Poznan: "Prima Aussicht"

Was hilft, wenn man seinen Sohn davor bewahren will, eine traumatischen Kindheit zu haben? Richtig, spießig werden. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls Judith, als ihr Partner ihr eröffnet, kein zweites Kind zu wollen. Und was gehört zur Spießigkeit dazu? Ein Wohnwagen, ein Campingplatz und eine Familie, die über den Sommer aus Berlin nach Brandenburg siedelt. Judith Poznan erzählt mit viel Witz und Schmerz von einem Leben zwischen Familienglück und Beziehungskrise, zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen dem Wunsch für unsere Kinder, alles richtig machen zu wollen und dem eigenen Unvermögen all das unter einen Hut zu bekommen. Es geht um die Ängste einer jungen Mutter, um den Wunsch, erfolgreich zu sein und mit dem, was man hat und tut, glücklich zu sein. Ein feinfühliger, humorvoller Roman, den ihr am besten, na klar, auf einem Campingplatz in Brandenburg lest.

Erscheint am 13. August im Dumont Verlag | 192 Seiten | 20 Euro | Mehr Info

© Dumont Verlag

Noch mehr Lektüre!

11 Hörbücher auf Spotify, die euch gut durch den Frühling bringen
In dieser Liste dürft ihr euch auf das selbst eingelesene Hörbuch von Sophie Passmanns "Komplett Gänsehaut" freuen, auf das von Linda Zervakis und Caren Miosga eingelesene gemeinsame Buch von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre und viele weitere spannende Geschichten. Enjoy!
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Lesevergnügen #18: 11 Bücher von queeren Autor*innen, die ihr kennen solltet
Werft mal einen Blick ins eigene Bücherregal und die Leseliste für den Sommer und erweitert sie vielleicht um das eine oder andere Buch, das queere Perspektiven und Lebensrealitäten in den Fokus rückt – Bücher von weißen, cis-männlichen Autoren haben wir in der Schule schließlich alle zu Genüge gelesen.
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