Der Shot unter den Eissorten – Die kleine geile Firma "Schleckdruff"

© Charlott Tornow

Wahrscheinlich hatte fast jeder Festival- und Open-Air-Besucher in Berlin schonmal ein Stieleis von Schleckdruff in der Hand. Und genauso wahrscheinlich ist, dass jeder dieser Besucher nach Verzehren des Eises betrunken war. Ja, das Eis enthält wirklich Alkohol und davon nicht zu wenig. "Ich will kein Alkopop anbieten, man muss den Alkohol spüren", sagt Felix Riederer von Paar. Seit 2014 kreiert er mit seinem dreiköpfigen Team beschwippstes Eisvergnügen. Longdrinks am Stiel quasi, aus 100% Frucht und mind. 11% Vol.Alc.

Felix und sein Team stellen das Eis komplett von Hand in ihrer Mischküche in einem Lichtenberger Gewerbehof her. Dann riecht es im kompletten Haus gern mal nach frischen Erdbeeren und weil die Nachbarn bei dem Design der Verpackungen helfen, springt für alle regelmäßig ein Eis und ein Schwips dabei raus. Das wollte ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen und hab mich mit Felix getroffen.

Was machst du die erste Arbeitsstunde des Tages?
Felix: In der ersten Arbeitsstunde meines Tages prüfe ich unsere Lager- und Produktionsräume. Anschließend besprechen wir die Tagesproduktion und bereiten den Versand der Bestellungen für den Tag vor.

Und wie lange arbeitest du täglich?
In der Selbstständigkeit arbeitet man irgendwie die ganze Zeit. In meinem Kopf wimmelt es nur so vor Ideen, die ich versuche schnellstmöglich umzusetzen, wenn sie mir gefallen. Wartet man nämlich zu lange damit, macht man es am Ende meist sowieso nicht mehr.

Tun dir manchmal die Hände am Ende des Tages weh?
Ja auf jeden Fall. Da wir eine eigene Manufaktur haben, in der wir unsere Frozen Drinks produzieren, können die Hände auch schnell mal kalt werden.

Was weißt du heute, was du nicht wusstest, als du mit dem Unternehmen gestartet bist?
Dass Leute auch im Winter Eis mit Alkohol schlecken und es im Sommer auch mal richtig kalt werden kann.

Erzähl mir, was die größte Herausforderung im letzten Monat war.
Die größte Herausforderung im letzten Monat war für mich das Entwickeln einer neuen Einzelverpackung. Dieses Thema wird mich sicherlich auch noch die nächsten Monate weiter beschäftigen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten der Verpackung und auch der Verpackungsmaschinen. Jede Art der Verpackungen hat Vor- und Nachteile und diese müssen jeweils analysiert, getestet und überprüft werden. Das ist zeitlich sehr intensiv und es muss mit vielen Leuten gleichzeitig koordiniert werden.

Wenn du einen Tipp hättest für Menschen, die diesen Job machen wollen, welcher wäre es?
Jeder, der in dieser Branche arbeiten will, sollte sich bewusst sein, dass Eis weiterhin ein sehr saisonales Produkt ist. Als „Eismann“ ist man den ganzen Sommer und an jedem warmen Tag (insbesondere an Wochenenden und Feiertagen) draußen und verkauft seine Produkte. An den Strand/See legen oder im Sommer in den Urlaub fahren ist daher fast unmöglich. Man muss im Sommer so viele Eis verkaufen, dass man gut durch den Winter kommt. Da kann ein verregneter Sommer einem schon mal schnell die Laune verhageln.

Und welcher Ratschlag wird in deiner Branche oft gegeben, ist deiner Meinung nach aber nicht wichtig?
Ich habe viele Ratschläge bekommen, immer auf Masse zu fertigen. Wir leben aber Qualität vor Quantität.

An den Strand/See legen oder im Sommer in den Urlaub fahren ist daher fast unmöglich.

Wolltest du schon immer Eismacher werden? Was war dein Kindheitstraum?
Ich liebe Eis seit ich ein kleines Kind bin, dass es sich jetzt so ergeben hat, war aber eher ein glücklicher Zufall. Die Idee hatten wir bei einer Open-Air-Party in Berlin. Am Anfang war es eher nur ein Gag und als die Leute dann immer öfter auf uns zukamen und fragten, ob wir nicht wirklich so ein Eis produzieren könnten, haben wir uns irgendwann entschieden das Eis selber zu machen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade bei meinem alten Job im Marketing aufgehört und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Daher hatte das dann irgendwie ganz gut gepasst.

Jetzt war Eis machen vielleicht nicht der Kindheitstraum all deiner Mitarbeiter. Was machst du, um dich und sie zu motivieren?
Vielversprechende Wochenendarbeit auf Festivals! (lacht)

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Menschen (über 18 Jahren) glücklich zu machen!

Und was nervt dich regelmäßig?
Regen, Schnee, Kälte, Nebel und wenn unser Fotograf jeden Montag aufs Neue versucht, mit dem Rauchen und Trinken aufzuhören.

Ich habe viele Ratschläge bekommen, immer auf Masse zu fertigen. Wir leben aber Qualität vor Quantität.
© Charlott Tornow

Wie viel Startkapitel hast du gebraucht, um Schleckdruff zu starten?
Das kann man nicht an einem festen Betrag festsetzen. Es ist viel Zeit, Geld und Leidenschaft in diese Firma geflossen.

Wie lange hast du gebraucht, um von deinem Job leben zu können?
Das hat ca. 2 Jahre gedauert.

Zum Schluss: Willst du noch weiter wachsen?
Na klar! Ich liebe meinen Job und hoffe diesen noch lange machen zu können. Aktuell sind unsere Frozen Drinks in der DACH-Region erhältlich, mein Traum wäre es aber noch ein paar warme Länder wie Spanien oder Italien als Märkte zu gewinnen.

Danke, Felix!

Bisher kann man das Eis von Schleckdruff leider nicht im Einzelhandel kaufen, aber Felix arbeitet mit Hochdruck daran. Wer dieses Jahr wieder Shots schlecken will, der kann sich aber das Eis nach Hause ordern oder hält einfach auf diversen deutschen Festivals Ausschau.

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