40 DAYS OF EATING 2015 #5 – Beuster

Wie das bei Zwillingen so üblich ist, haben sie am gleichen Tag Geburtstag. Bei Maria und Sophia ist das heute der Fall, weshalb sie das Schöne mit dem Nützlichen verbinden und ihren Geburtstag passend zu dieser Serie mit 40 Freunden im neueröffneten Neuköllner Beuster feiern. Es gibt: moderne, deutsche Hausmannskost und viel Heimeligkeit. Wir gratulieren nochmal nachträglich und wünschen guten Appetit!

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1. Maria, erzähl von deinem Tag.

Montag. 30. Ich liege im Bett und starre an die Decke. Mit 26 bin ich durch die Welt gerannt und habe mit offenen Armen "Ich werde ewig leben!" gebrüllt. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. In der 4. Klasse sollten wir einen Aufsatz mit dem Titel "Mein Leben im Jahr 2015" schreiben. Sicherlich durch den damaligen Film "Zurück in die Zukunft" inspiriert, war unsere Lehrerin megastolz auf diese Idee und wir Rotzgören haben uns ordentlich ausgetobt. In meiner 2015-Vision sind meine 3 Kinder (herrgott!) mit Raketenrucksäcken zur Schule (wann bitte soll ich die bekommen haben?) geflogen. In unserer Villa (is' klar, kleine Maria, is' klar) gingen alle Türen automatisch auf und zu. Mein Mann (ja, wo issa denn?) war natürlich total erfolgreich und ist mit dem fliegenden Auto (ich hab Höhenangst!) jeden Tag zur Arbeit geflogen. Oder wurde eben gebeamt, je nach zeitlichem Stress. Voll daneben. Ich stehe auf, gebe meinem Mitbewohner eine Umarmung und mache mir einen Kaffee: Zweitausend-jetzt-zehn ist irgendwie auch ziemlich cool! Heute Abend feiern Sophia und ich Geburtstag. Will denn überhaupt jemand mit uns feiern? Selbstzweifel, Unterlippenbeißen, Fingernagelknibbeln. Ich bin nervös. Meine Nachbarin kommt hoch und riecht nach Kuchenteig. Ich bekomme ein wenig Pipi inne Augen und sie gibt mir eine warme, kuchenteigige Umarmung. Ich bin glücklich...

2. Wo habt ihr heute gegessen?

Beuster. Die wohl beste Bar mit Restaurant der Welt.
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3. Was hast du bestellt und wie hat das geschmeckt?

Es gibt ein 4-Gänge-Menü. Na ja, eigentlich gibt es 5 Gänge: 1. Zwei Grüße aus der Küche: Tatar mit Roter-Beete-Creme, Auberginensandwich mit Estragonmajo & Zwiebelmarmelade. Es ist, glaube ich, unnötig zu erwähnen, wie krass cool ich das Tatar finde. Es folgt der 2. Gang: Beuster-Salat. 3. Steckrübensuppe mit Praline von der Kalbsschulter. Unsere Gäste sind zu diesem Zeitpunkt bereits komplett begeistert. Die Suppe ist supercremig und die Kalbskrokette oben drauf rundet das Ganze perfekt ab. Ich sehe Fremd-Löffel in des Nachbarn Teller verschwinden und es gibt Rangeleien auf den hinteren Plätzen. Der 4. Gang ist auch echt lecker: Ochsenbackenragout auf Selleriepüree. Schmeckt wie bei Muddern (eventuell auch besser, aber das hab ich nicht gesagt). Dessert gibt es natürlich auch: 5. Cheesecake-Creme mit Karamellsoße und Schokogedöns. Die Portionen sind alle recht üppig.

4. Wie ist der Service dort?

Zucker. Süß. Sehr aufmerksam, sehr jung und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Generell einfach sehr unaufgeregt, nehmen sich nicht zu ernst, aber haben offensichtlich wirklich das Anliegen, dass es uns gut geht. Es gibt weder Uniformen, noch sonstigen Schnickschnack.
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5. Was gefällt dir an dem Restaurant besonders, was nicht?

Das Beuster gibt es erst seite Mitte Dezember 2014, aber bereits jetzt ist es jeden Abend knackevoll. Nicht ohne Grund: Diese ehemalige Physiotherapie-Praxis wurde komplett umgekrempelt und rennoviert. Von den Kacheln bis zur Deckenvertäfelung und den Tischen: Alles ist hier Handarbeit und wurde liebevoll zusammengestellt. Ja klar, die Betreiber sind Freunde von uns, aber als ich im Sommer noch die Tapeten mit einem Spachtel von den Wänden kratzte, hätte ich niemals gedacht, was für eine Perle der Neuköllner Restaurant- und Barlandschaft hier entstehen würde.

6. Wie würdest du die Menschen in dem Restaurant beschreiben?

Neuköllner Publikum: jung, leicht studentisch, aber auch ältere Leute. Bunte Mischung. Und heute: 40 Lieblingsmenschen. Liebe.

7. Mit wem würdest du definitiv nicht hierher kommen und warum?

Spießige Rumnörgler, die sich darüber beschweren, dass der Service keine Uniform trägt. Hier wird zum 4-Gänge-Menü auch mal Hip Hop gespielt.
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8. Worüber habt ihr gesprochen?

Über das Beuster. Richard, Ludwig und Stefan, die Beuster-Boys, erzählen mir, was es mit diesem Namen auf sich hat. Richard: "Also der erste Mieter des Hauses, das muss so um 1905 gewesen sein, der hieß 'Beuster'." Ludwig: "Ja, und er war transsexuell und hatte hier ein Etablissement". Stefan: "Und hier ist ein Schatz vergraben. Also im Keller. So heißt es." Um dieses Gebäude rankt sich mehr als nur ein Mythos und als ich in der Küche noch einmal nachfrage, wird mir wieder eine andere Story aufgetischt.

9. Was hast du Neues über deine Schwester gelernt?

Sophia ist niedlich und mag keine Reden reden.

10. Das Beste an diesem Essen...

Ja, ich weiß, langsam wird's öde, aber ich steh nun mal darauf: Tatar. Aber ganz ehrlich: Hier schmeckt alles richtig gut. Ich finde es cool, dass nicht nur wir langsam erwachsen werden, sondern auch unsere Freunde und wir solche coolen Restaurants in liebevoller Gruppenarbeit aus dem Boden stampfen. Man ey, was haben wir für ein Glück.

11. Möchtest du noch etwas sagen?

Danke, danke, danke, danke, danke! The future is now.

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1. Sophia, erzähl von deinem Tag.

Ich wache auf und alles ist gut. Hallo 30, ist ganz nett mit dir! Eine dicke Party zum Reinfeiern gab es gestern nicht, also bin ich fit und ausgeschlafen und kann das neue Lebensjahr voller Energie starten. Im Büro werde ich liebevoll empfangen – so macht die Arbeit Spaß! So richtig habe ich aber nicht kapiert, dass heute mein Geburtstag ist. Irgendwie ist heute ein ganz normaler Montag. Das ändert sich allerdings schlagartig mit dem Feierabend, denn heute gibt es 40 Days of Eating mit 40 Freunden! Als ich das Beuster betrete, wartet Mama schon. Und zack, kaum hab ich meinen Mantel und alle Hemmungen abgelegt, geht bereits der Geburtstagstrubel los! Zu diesem Zeitpunkt weiß ich aber noch nicht, dass dies der vielleicht schönste Abend seit sehr langer Zeit werden soll.

2. Wo habt ihr heute gegessen?

The Place to Be(uster) in Neukölln.
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3. Was hast du bestellt und wie hat das geschmeckt?

Es beschweren sich ja immer alle bei uns, dass wir den allerbesten Job der Welt haben (stimmt) und jeden Tag supertolles Essen essen können (stimmt auch) und superviel Spaß haben (stimmt fast immer). Also, was macht man da als nullende Food-Bloggerin? Man gibt 40 Freunden die Möglichkeit, auch mal bei 40 Days of Eating mitzumachen und lädt sie zu einem 4-Gänge-Menü ein. Ok, mit kleiner Selbstbeteiligung. Aber was gibt es denn nun zu Futtern? Für die Vegetarier: 1. knuspriges Auberginensandwich mit Estragonmajo & Zwiebelmarmelade (ich stopfe unbemerkt ein paar von den kleinen Rackern in meine Tasche). 2. Gang: Beuster-Salat mit reichlich Trüffel. I like a lot. 3. Steckrübensuppe ohne Bonbon aus Wurst. Ein "Mmmmmh" raunt durch den Raum, es wird um Reste gerungen. 4. Gang: Spitzkohl-Pie – außen knusprig, innen cremig. Hat also alles, was man von sich seinem neuen Lieblingsessen erhofft. 5. Cheesecake-Creme mit Karamellsoße und Schokolade. Mama meint, dass sich die Gerichte nicht hinter irgendwelchen superteuren, super-fancy Restaurants verstecken müssen. Hier schmeckt es sogar noch besser!

4. Wie ist der Service dort?

Lieb. Okay, vielleicht sollte ich das etwas genauer ausführen: sehr lieb!
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5. Was gefällt dir an dem Restaurant besonders, was nicht?

Zwar gibt es hier nicht den großen Ballsaal und auch einen abgetrennten, privaten Dining-Room sucht man vergeblich, jedoch lohnt es sich wirklich, das Beuster für ein Essen in großer Gruppe in Betracht zu ziehen. Der Service ist freundlich, professionell und "on time", die Speisen kommen schnell und niemand muss dem Nachbarn ewig beim Essen zusehen, während man noch auf sein eigenes Essen wartet. Die Deko ist zurückhaltend und trozdem einladened. Der perfekte Ort also, um einen tollen Abend zu haben. Maria ist ja fast täglich hier. Kann ich gut verstehen, denn das Essen ist wirklich gut.

6. Wie würdest du die Menschen in dem dem Restaurant beschreiben?

Die anderen Leute im Restaurant sind übercool, megaschön und total intelligent. Und das sind alles meine Freunde! Juhu!

7. Mit wem würdest du definitiv nicht hierher kommen und warum?

Mal kurz überlegen. Mir fällt da absolut niemand ein. Wem Neuköllner Lässigkeit zu lässig ist, ist spätestens nach der Vorspeise überzeugt, dass Neuköllner Lässigkeit ganz schön toll ist, denn hier kann man einfach richtig gut essen. Vielleicht sollte man aber lieber nicht mit dem oder der Ex herkommen. Zu romantisch. Und Liebe geht ja durch den Magen, nech?! Deswegen: Unbedingt Tisch für den Valentinstag reservieren!

8. Worüber habt ihr gesprochen?

Wir müssen natürlich ganz viel über 40 Days of Eating erzählen. Außerdem quetschen wir alle Gäste aus, wie es denn so schmeckt. Die Gäste meinen, dass es gut schmeckt. Ein Glück! Und worüber redet man noch bei einem Geburtstag? Über das Älterwerden, Zukunftspläne, Hyaluronbehandlungnen und darüber, wie viel eine solche Hyaluronbehandlung wohl kosten mag. Spoiler: Zu viel. In Würde altern kostet nix und sieht im Zweifel immer besser aus!
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9. Was hast du Neues über deine Schwester gelernt?

Maria kann ganz gut 'ne Rede reden.

10. Das Beste an diesem Essen...

Die Liebe! In dem Essen ist ganz viel Liebe, der Raum ist voller Liebe, die Gespräche sind voller Liebe und spätestens nach dem 2. Glas Wein hat auch die zurückhaltendste Primel gemerkt, dass sich heute alles um die Liebe dreht.

11. Möchtest du noch etwas sagen?

Kennt ihr das, wenn man so viel gelacht und gegrinst hat, dass einem die Wangen schmerzen? Genau so geht es mir nach diesem Abend!

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Beim letzten Mal waren die Zwillinge im House of Small Wonder essen. Alle Folgen 40 DAYS OF EATING gibt es hier.


Location: Beuster, Weserstr. 32, 12045 Berlin
Fotos: Daniel Müller
Text: Maria und Sophia Giesecke

Mit freundlicher Unterstützung von Fissler

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