Wer hat der AfD fünf Millionen Flyer geklaut?

© Zentrum für politische Schönheit

Die AfD ist stinksauer. Kurz vor der Bundestagswahl wurde die Partei offenbar mächtig hinters Licht geführt. Wer hat die AfD-Wahlkampfmaterialien geklaut?

Aber noch einmal von vorn: Einige Wochen vor der Bundestagswahl haben mehrere Kreisverbände und zahlreiche Bundestagskandidat*innen der AfD die Flyerservice Hahn GmbH mit der Verteilung von mehr als einer Million Flyern mit Wahlwerbung beauftragt. Die Firma warb auf ihrer Website damit, diese in den Wochen und Tagen vor der Wahl am 26. September deutschlandweit zu verteilen – und zwar bis in die Briefkästen der Haushalte. Ein scheinbar unschlagbares Angebot, das sich innerhalb der Partei schnell rumgesprochen hatte. So trudelten nach und nach über 85 Aufträge bei der Hahn GmbH ein, die AfD lieferte tonnenweise Flyer zum Verteilen aus. Genau genommen waren es am Ende fünf Millionen beziehungsweise 72 Tonnen Flyer.

Plakate abreißen war gestern

Am vergangenen Dienstag dann, also ziemlich genau fünf Tage vor der Wahl, teilte die Flyerservice Hahn GmbH der AfD mit, dass die Millionen Flyer leider "aus organisatorischen Gründen" nicht mehr fristgerecht ausgeliefert und verteilt werden können. Man könne die Flyer jedoch zurückgeben, wenn das gewünscht sei.

Was den AfD-Politiker*innen durch die Lappen ging: Die Website der Hahn GmbH war erst wenige Wochen alt und tauchte zudem in keinem offiziellen Handelsregister auf. Heißt im Klartext: Die Flyerfirma existiert überhaupt nicht. Das alles wurde im Vorhinein jedoch nicht von der Partei gecheckt, Verträge wurden weder geprüft noch unterzeichnet. Die AfD ist in eine Falle getappt. Autsch.

Der Vorgang sorgte verständlicherweise bis in die Parteispitze für Ärger. AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla äußerste sich empört: "Für Flyer, die nicht ausgeliefert, sondern am Samstag vor der Bundestagswahl an die AfD zurückgegeben werden, lässt sich keine rechtzeitige Verteilung mehr organisieren. Damit werden sie für unseren Wahlkampf nutzlos." Die für das Desaster Verantwortlichen hatte er auch schnell ausgemacht: "Genau darauf kommt es den Hintermännern dieser Aktion, zu denen Vertreter des sog. Zentrums für politische Schönheit gehören, offensichtlich an." Ohne dafür bis zu diesem Zeitpunkt Beweise zu haben, hat die AfD Strafanzeige gestellt.

Flyerservice Hahn verkauft AfD-Müll

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Das Zentrum für Politische Schönheit, ein Künstlerkollektiv, das sich dem sogenannten "radikalen Humanismus" verschrieben hat und seit Jahren immer wieder mit satirischen Kunstaktionen gegen die AfD für Aufruhr sorgt – zu den bekanntesten gehört bis heute die Kopie des Holocaust-Denkmals, die im Garten Bernd Höckes aufgestellt wurde –  äußerte sich zunächst nicht dazu. Bis heute Morgen.

Auf der Website afd-muell.de hat sich das Zentrum für Politische Schönheit zu den gestohlenen Flyern bekannt und gleichzeitig eine clevere Crowdfunding-Aktion gestartet, um den drohenden Schadenersatz und mögliche strafrechtliche Konsequenzen finanzieren zu können. Wie bei einer Crowdfunding-Kampagne üblich, wird dazu aufgerufen, "Gesellschafter:in des Fylerservice Hahn" zu werden. Mit jedem gespendeten Betrag helfe man, "den AfD-Müll" zu entsorgen und direkt auf den Recycling-Hof zu befördern. Ab einer Spende von zehn Euro gibt es sogar extra angefertigten Merch der Hahn GmbH, etwa ein Feuerzeug oder eine Käppi, als Geschenk obendrauf. Die Message: Mit jedem Cent bezahlen Unterstützer*innen nicht verteilte Flyer der AfD.

In wenigen Stunden kamen schon über 26.000 Euro zusammen. Erklärtes Funding-Ziel sind 80.000 Euro. Was nun mit den 72 Tonnen AfD-Müll passiert, verraten wir euch in den kommenden Tagen – es bleibt spannend!

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