Wer tindert eigentlich noch während einer Pandemie? 

© Charles Deluvio | Unsplash

Na, hat euch Netflix heute schon gefragt, ob ihr immer noch zuschaut? Habt ihr euch auch ein wenig ertappt gefühlt und wart gleichzeitig irgendwie sauer, denn – JA, SORRY, was sollt ihr denn auch sonst machen, anstatt die nächste Folge Love Is Blind auch noch zu schauen und zu verdrängen, dass draußen die Welt still steht und ihr viel lieber mit euren Freund*innen Zeit verbringen würdet?

In Zeiten des Coronavirus bekommt der Ausdruck "Netflix and Chill" eine ganz neue Bedeutung: Er wird auf einmal wörtlich genommen. Das gilt wohl zumindest für die Singles unter uns. Sich mit flüchtigen Bekanntschaften, vorzugsweise zu unmöglichen Uhrzeiten, spontan zum "Netflix and Chill" zu treffen, fällt schließlich erstmal aus – wer Social Distancing ernst nimmt, bleibt zu Hause vor dem Bildschirm.

Netflix und Chatfenster statt "Netflix and Chill"

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen wir uns alle einschränken. Dazu zählt nun mal auch, dass wir alle versuchen, unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Hätte sich diese Pandemie vor 40 Jahren ereignet, wäre das mit dem neue Menschen kennenlernen jetzt sowieso erstmal vom Tisch gewesen: keine Bars, keine Clubs, keine Parties, keine Gelegenheit, sich wie in einem romantischen Hollywoodfilm ganz zufällig auf dem Weg ins Büro beim morgendlichen Kaffeeholen zu begegnen. Wie soll man selbst im Supermarkt "versehentlich" zusammenstoßen, wenn man mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander halten muss (und sich sowieso nur ganz schnell die letzte Packung Klopapier schnappen will)?

Das Gute daran, dass die Corona-Pandemie uns das Jahr 2020 versaut hat und nicht irgendein anderes, ist ja schließlich: Wir waren noch nie so gut vernetzt wie jetzt. Mit unserem Smartphone geht alles: Ablenkung im Insta-Feed, Essen bestellen, soziale Kontakte aufrechterhalten – oder eben neue knüpfen. Dating-Apps erlauben es uns normalerweise, uns jederzeit alle Optionen offen zu halten – das nächste Date oder zumindest unverbindlicher Sex sind ja immer nur ein paar Swipes entfernt. Was passiert auf Dating-Plattformen jetzt, während das soziale Leben quasi stillsteht?

Nein, ihr haltet das Kontaktverbot nicht dadurch ein, dass ihr ein Kondom benutzt

Wer sich auf Tinder, Bumble und Co. umschaut, stellt schnell fest: Hier geht noch einiges. Aber welchen Sinn hat Online-Dating gerade? Eigentlich müsste die Message inzwischen doch bei jeder*m angekommen sein: Haltet Abstand und bleibt zu Hause, wenn ihr könnt. Die meisten in meinem Umfeld halten sich daran und treffen ihre liebsten Menschen, mit denen sie nicht zusammenwohnen, höchstens auf einen Spaziergang mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand. Trotzdem scheint es noch immer genug Menschen zu geben, die bereit sind, für einen One Night Stand zu riskieren, sich und somit auch andere anzustecken. Erst vor ein paar Tagen erzählte mir eine Freundin, dass sie sich innerhalb der letzten Woche mit drei verschiedenen Typen getroffen hatte. Nicht nur zum gemeinsamen Netflix gucken, logisch. Ganz ehrlich: Muss das gerade sein? Könnt ihr euch nicht für ein paar Wochen mit dem kostenfreien Angebot von PornHub über Wasser halten und abwarten, bis das Schlimmste vorüber ist? Und nein, ihr haltet das Kontaktverbot nicht ein, wenn ihr ein Kondom benutzt. Sorry.

Ein Ende des Dating-Lebens muss die Corona-Krise natürlich trotzdem nicht bedeuten. Denn, um es mit den Worten von Tinder (!) zu sagen: Jemanden zum Sprechen zu haben, kann wirklich einen Unterschied machen – jetzt mehr denn je.

Wie Dating, nur anders

Dating-Portale und Apps haben in den letzten Monaten Maßnahmen ergriffen, mit der aktuellen Situation umzugehen. Bumble gibt zum Beispiel online Tipps zum virtuellen Dating in Corona-Zeiten und hat die "Virtual Date Badge"-Funktion eingeführt: Jedes Mal, wenn Nutzer*innen diese aktivieren, spendet Bumble an den COVID-19 Solidarity Fund der WHO.

So ein virtuelles Date kann auch ganz cool sein – und bietet vielleicht ja sogar mal eine willkommene Abwechslung zum Standard-Biertrinken in der Lieblingsbar. Vielleicht erleben wir also gerade auch eine Zeit, in der das Körperliche ein wenig in den Hintergrund rückt und stattdessen viel, viel mehr geredet (oder geschrieben) wird. Ein guter Freund von mir hat mir jedenfalls neulich erzählt, dass er mit seinem Match seit ein paar Wochen täglich Hunderte von Nachrichten schreibt – weil sie ja auch beide nichts zu tun haben. Inzwischen sind sie zu FaceTime übergegangen, spielen gegeneinander QuizDuell und schauen gemeinsam Netflix über das Party-Tool. Vielleicht treffen sie sich demnächst mal auf ein 1,5-Meter-Abstand-Spaziergangs-Date. Und dann mal sehen, wie es weitergeht – wahrscheinlich erst, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

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