Techno-Rave vs. Pandemie: Alle Regeln über Bord geworfen?

Superspreader-Events – das neue Buzzword der Corona-Krise. Mit den neuen Lockerungen sind in einigen Bundesländern schon wieder Versammlungen mehrerer Menschen erlaubt und auch private Feiern finden teilweise wieder statt. Doch auch die Infektionsrate ging am vergangenen Wochenende schon wieder leicht nach oben. In Göttingen haben sich einige auf einer privaten Feier mit dem Virus infiziert und für die Bilder der Schlauchboot-Rave-Versammlung in Berlin auf der Spree hagelte es Kritik. Der Reproduktionswert liegt in Berlin am Dienstagabend fast wieder bei 2. Aber was ist denn jetzt gerade okay und was nicht? Darauf gibt es wohl keine eindeutige Antwort.

Auch ich frage mich jetzt: Was kann ich in diesen Tagen machen und was lieber noch nicht? 

Gestern saß ich mit drei Freund*innen auf dem Balkon in der Sonne und wir haben gemeinsam gegrillt – definitiv ein Highlight der letzten Wochen. Wir hatten einen superschönen Nachmittag und Corona war kaum Thema. Aber sobald die drei weg waren, kam mir der Gedanke: Hoffentlich machen wir gerade das Richtige. Hoffentlich war das alles so okay und keiner hat sich hier irgendwie angesteckt.

Natürlich weiß ich, dass das Leben auch weitergehen muss. Ich möchte auch niemandem vorhalten, mit wem er oder sie sich trifft oder wenn die Mutter mal in den Arm genommen wird. Diese Treffen mit meinen Freund*innen oder auch der Familie, die jetzt langsam wieder stattfinden, geben mir so viel Energie, dass ich auch gar nicht darauf verzichten will. Trotzdem mache ich mir, selbst bei diesen kleinen Treffen auf Abstand Gedanken, ob ich gerade alles richtig mache. Während andere sich mit 3.000 Menschen auf der Spree besaufen und das Ganze auch noch auf Social Media teilen – ohne den Funken eines schlechten Gewissens. Bin ich eine langweilige Spießerin, weil ich lieber noch zuhause bleibe, beziehungsweise mit wenig Menschen persönlichen Kontakt habe?

Bei all den aktuellen Lockerungen hat man zwischendurch das Gefühl, das Virus ist verschwunden. Hat sich das alles jetzt erledigt und wir können quasi zurück zur Normalität?

Die Bilder vom Schlauchboot-Rave auf der Spree geben mir zu denken. Per se ist diese Versammlung als angemeldete Demonstration ja weder illegal noch verboten – solange sich an die aktuellen Bestimmungen gehalten wird (Mundschutz, Mindestabstand und so weiter). Trotzdem denke ich mir bei diesen Bildern: Was soll das denn jetzt?! Und wo bitte sind Abstand und Mundschutz?

© private Quelle

Wir alle haben keine Lust mehr auf Corona

Eine Freundin von mir war selbst auf einem Schlauchboot mit dabei. Das Ausmaß dieses als Demonstration angekündigten Raves, war ihr vorher nicht wirklich bewusst, erzählt sie mir danach. Sie wollte einfach nur mit Freund*innen mal wieder ein bisschen rauskommen und etwas Neues erleben. Verstehe ich. Würde ich auch gern. Mache ich aber trotzdem nicht.

Wir alle haben keine Lust mehr auf Corona. Aber das Virus ist nun mal da und geht wohl auch nicht allzu bald einfach so wieder weg. Meiner Freundin war vorher nicht bewusst, auf was sie sich dort eingelassen hat. Aber gilt das als Entschuldigung? Sollte uns nicht allen klar sein, auf was man sich einlässt, wenn man in der aktuellen Zeit auf so eine Veranstaltung geht? Auch wenn es nicht direkt verboten ist?

Wer macht es denn jetzt gerade richtig? Darauf gibt es wohl keine Antwort. Mein eigenes Verhalten möchte ich auf jeden Fall auch nicht als Maßstab nehmen, denn ich weiß selbst manchmal nicht, an wen ich mich jetzt halten soll. Was ich aber weiß, ist, dass ein Rave während einer Pandemie falsch ist. Auch, wenn jetzt heiße Sommertage mit 26 Grad und Sonnenschein vor uns liegen, sollten wir unser eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren: ein hoffentlich "normaler" Sommer 2021.

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