11 Gründe, warum du Tagebuch schreiben solltest

Neulich, als ich auf Stippvisite zu Hause bei meiner Mutter war, fielen mir meine alten Tagebücher in die Hände. Auf einer der ersten Seiten lese ich: "Wir haben gestern meinen Geburtstag gefeiert. Ich durfte auch Jungs einladen. Steffen ist sogar gekommen. Ich hatte ganz schön Herzklopfen. Ich glaube, ich bin verliebt" und ein Kapitel weiter "Oma war ganz traurig, weil Prinzessin Diana heute gestorben ist. Jetzt bin ich auch traurig". Ich habe auch das Datum dazu geschrieben. August 1997.

Der Monat, als ich elf Jahre alt geworden bin. Und der Monat, als Prinzessin Diana bei einem Autounfall ums Leben kam. Ich erinnere mich wieder genau, wie sich das damals angefühlt hat. Dass nichts anderes im Fernsehen lief und wie traurig das alles war. Und dass meine Oma, die gerne über den Adel in der Bild der Frau las, ganz aufgelöst war. Hätte mich vorher jemand gefragt, was im Sommer diesen Jahres gewesen ist, ich hätte keinen blassen Schimmer gehabt. Auch nicht davon, dass ich damals offensichtlich in Steffen verliebt war. Und zwei Wochen später in Karli. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe mich später gefragt, warum ich heute eigentlich kein Tagebuch mehr schreibe. Allein schon, um mich später daran erinnern zu können, was war. Oder wie man sich gefühlt hat. Um alte Fotos wiederzufinden oder um einfach nur über mich selbst lachen zu können. Tagebuchschreiben hat viele Vorteile, die ich nicht mehr nutze. Deshalb habe ich mir elf Gründe gesucht, warum ich unbedingt wieder beginnen möchte. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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1. Struktur und Ordnung im Kopf schaffen

Wer regelmäßig Tagebuch schreibt, sorgt damit für Ordnung und Struktur – nicht nur auf dem Papier, sondern (noch viel wichtiger) auch im Kopf. Was war letzte Woche eigentlich los? Wie geht's mir im Hier und Jetzt? Und was kommt als nächstes? Durch das Schreiben können wir unseren Gedanken Ausdruck verleihen, uns selbst in der Welt verorten, ob beruflich oder privat, Belastendes loswerden und für Klarheit sorgen, wo es hingehen soll.

2. Stress und Spannungen abbbauen

Der Prozess des Schreibens hat etwas Meditatives (manche sagen sogar Therapeutisches) an sich. Man konzentriert sich ganz auf den Moment, lässt seine Gedanken fließen und entschleunigt nebenbei automatisch. Das ist wichtig, weil es beim Tagebuchschreiben, also den Rückzug in die Intimität, nicht um die Bewertung irgendeines Inhalts oder das Erledigen einer Aufgabe geht, sondern einfach nur darum, Dinge los- bzw. rauszulassen, ganz wertfrei. Das kann helfen, anhaltenden Stress und Spannungen aus dem Alltag abzubauen.

3. Schreibblockaden überwinden

Jede*r, der oder die beruflich mit Texten zu tun hat, weiß vermutlich, wie blöde es sich anfühlt, wenn es gerade mal nicht läuft mit den richtigen Worten. Die Angst vor dem weißen Blatt Papier (oder dem Doc) macht einen manchmal ganz kirre. Dabei gehören Schreibblockaden zum Leben eines*r jeden*r Journalist*in oder Texter*in dazu, das ist normal und ich kenne wirklich niemanden, der sich davon frei machen kann. Aber es gibt diverse Möglichkeiten, solche Blockaden zu lösen. Eine davon heißt: Tagebuchschreiben. Fangt einfach an zu schreiben, es ist nicht wichtig, was ihr schreibt, sondern dass ihr schreibt. Lasst eurer Fantasie freien Lauf, es darf ruhig ganz abstrakt und fiktiv zugehen. Hauptsache, ihr kommt dabei wieder in einen Schreibflow. Und vielleicht entstehen genau währenddessen die besten Geschichten, die ihr je geschrieben habt.

4. Bucket Lists schreiben, um Vorfreude zu steigern

Wie ihr euer Tagebuch strukturiert, welche Textformen und Sprachstile sich darin wiederfinden, ist ganz euch selbst überlassen. Während manche lange Fließtexte und innere Monologe schreiben, bevorzugen andere stichpunktartige Notizen. Alles ist erlaubt. Für viele besteht ein Großteil des Tagebuchschreibens auch darin, Pläne zu schmieden oder die Vorfreude auf den nächsten Urlaub oder aktuell für die Zeit nach Corona zu steigern. Deshalb darf eine Bucket List in meinem Diary nie fehlen. Wie ist das bei euch so?

5. Erinnerungen konservieren

Wie ich an meinem Beispiel mit dem Tod Dianas verdeutlichen wollte, kann ein Tagebuch auch eine wunderbare Möglichkeit sein, historisch bedeutende Ereignisse einzuordnen. Wir alle sind Zeitzeugen unserer Geschichte, von unserer ganz persönlichen und kollektiven. In einem Tagebuch könnt ihr eure Erinnerungen konservieren und arbeitet damit auch ein Stück weit gegen das Vergessen an. Ich finde, das ist gerade aktuell ein guter Grund, anzufangen zu schreiben. So könnt ihr in drei oder zehn Jahren noch einmal nachlesen, was im April 2020 bei euch und auf der Welt los war.

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6. Persönliche Veränderungen und Fortschritte dokumentieren

Manchmal, wenn ich eine ruhige Minute habe, komme ich ins Nachdenken über mich selbst und damit verbunden entstehen bei mir auch immer wieder Selbstzweifel. Mache ich meinen Job gut? Bin ich eine gute Freundin? Habe ich mich überhaupt weiterentwickelt? Ich sehe das so: Selbstzweifel sind nichts Schlimmes und viel zu oft negativ konnotiert. An sich selbst zu zweifeln, heißt auch, sich zu hinterfragen und zu reflektieren, eine Eigenschaft, die ich an anderen sehr schätze. Nur darf man dabei nicht in eine Negativspirale geraten, sondern sollte auch versuchen, seine ganz persönlichen Entwicklungen und Fortschritte zu dokumentieren. Also warum nicht dem Tagebuch einfach mal mitteilen, dass man heute dieses oder jenes richtig gut gemacht hat? Oder zumindest schon viel besser als noch vor einem Jahr.

7. Über sich selbst lachen lernen

Hach ja, beim Durchstöbern meines alten Tagebuchs ist mir aufgefallen, dass ich ungelogen alle zwei Wochen in einen anderen Jungen aus meiner Klasse verliebt war. Da kann ich heute herrlich drüber lachen, war das süß. Und auch über die Dramatik, die wirklich in allem und jedem*r steckte. Meine Güte. Aber es hilft irgendwie, wenn ich heute über mich selbst und meine ganz eindeutig hormongesteuerten Gedanken lachen kann. Darüber, in welchen fancy Spice-Girl-Outfits ich vor meinem Spiegel posiert habe, übrigens auch.

8. (Re)Aktiviere deine Kreativität

Noch so eine Sache, die ich mit einem Tagebuch verbinde, ist Kreativität. Bunte Skizzen, eingeklebte Fotos von mir und meinen Freund*innen oder tollen Orten, an denen man war, Liebesbriefe von meinem Schwarm. Man hat sich damals echt viel Mühe gegeben. Das sollte man sich auch heute wieder vornehmen. Holt eure Stifte, das Klebeband oder Glitzer raus und legt einfach mal los. Malen und zeichnen hat nämlich so ziemlich den gleichen Effekt wie das Schreiben, ihr seid ganz bei euch und in dem Moment.

9. Persönliche Motivation steigern

Auch wenn ein Tagebuch in erster Linie für euer emotionales Wohlbefinden gedacht sein sollte, kann es euch natürlich auch dabei helfen, eure Motivation zu steigern, um bestimmte Ziele zu erreichen. Mit mir macht es jedenfalls etwas, wenn ich lese, was ich mir vor XY Wochen vorgenommen habe und dann bemerke, dass ich bis heute nichts davon umgesetzt habe. Dann will ich sofort produktiv werden. Warum also nicht auch ein Tagebuch dazu nutzen, um sich selbst daran zu erinnern, wo man hin will, falls man mal ein bisschen vom Weg abgekommen ist.

10. Den Blick weiten und neue Perspektiven einnehmen

Ein Tagebuch dient aber nicht nur der Selbstreflexion, sondern auch ganz hervorragend dazu, den Blick mal von sich abzuwenden und dafür über den Tellerrand seines Mikrokosmos zu schauen. Wie verhält sich eigentlich mein Vater zu diesem oder jenem Sachverhalt? Warum hat mein*e Kolleg*in heute wohl dies oder das zu mir gesagt? Und wieso war heute noch immer kein Klopapier im Supermarkt zu bekommen? Ja, ich weiß, alle machen sich lustig und die Klopapierthematik ist langsam durch, aber alles hat ja nun mal seine Gründe. Warum hamstern Menschen denn überhaupt? Was steckt dahinter? Angst? Panik? Ich finde es spannend, sich auch darüber Gedanken zu machen und diese zu notieren. Ein Perspektivwechsel hat noch niemandem geschadet – erst recht nicht im eigenen Kopf.

11. Die kleinen Dinge schätzen lernen

Noch eine Sache, die Tagebuchschreiben ganz wunderbar trainiert, ist der Blick fürs Detail. Wenn ihr die Perspektiven gewechselt habt, ist es ebenso ratsam, sich zwischendurch wieder auf die kleinen Dinge zu konzentrieren. Über welche Kleinigkeit habt ihr euch heute geärgert? Welche Geste hat euch gefreut? Wie hat euch das Essen geschmeckt? Beim Tagebuchschreiben könnt ihr euch wunderbar darin üben, auch einen Blick fürs Detail zu behalten und Kleinigkeiten (wieder) wertzuschätzen.

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