Gemeinsam durch die Krise – 2gather bringt Selbstständige zusammen

© Harriet Dohmeyer

Veranstaltungen sind abgesagt, Kultureinrichtungen müssen schließen, Bars und Clubs stellen ihren Betrieb ein und auch vor kleinen Läden machen die Auswirkungen des Coronavirus nicht Halt. Die wichtigen Maßnahmen, die die rasante Ausbreitung des Virus verhindern sollen, nehmen alle sehr ernst. Das ist gut so und gibt uns allen Mut, diese Zeit gemeinsam durchzustehen. Dennoch stellen die aktuellen Entwicklungen besonders kleine Ladenbesitzer*innen, Freelancer*innen und Selbstständige vor eine große Herausforderung.

Auch Vanessa, Gründerin und Eigentümerin des Concept-Stores B-Lage in der Schanze in Hamburg, muss sich überlegen, wie sie durch diese Zeit kommt: "Die Stimmung beim Blick auf meine Finanzen ist schlagartig gefallen, fast so wie die Kurve der Corona-Infizierten gestiegen ist, in den letzten Tagen. Ich schiebe keine Panik, aber ich mache mir ernsthafte Gedanken, um unsere wirtschaftliche Situation in den kommenden Monaten und sitze damit mit vielen Freunden und Kollegen im selben Boot. Gerade die, die ihren Jahresumsatz mit großen Veranstaltungen und Messen machen. Das wäre, als würde man zu uns Einzelhändlern sagen: Sorry, Weihnachten fällt dieses Jahr leider aus".

Vanessa spricht dabei trotzdem noch davon, dass wir hier "Sorgen auf höchstem Niveau" haben: "Wir haben immerhin ein Dach über dem Kopf und sind nicht auf der Flucht und kämpfen um unser Leben".

Trotzdem wünscht sie sich jetzt vor allem eins: Zusammenhalt! Denn Angst hat sie nicht vor dem Virus an sich oder einer möglichen Infektion, sondern eher vor einer unberechenbaren Gesellschaft, Hamsterkäufen und der Rücksichtslosigkeit der Menschen, die Anweisungen der Regierung ignorieren:

Ich wünsche mir, dass die Vernunft siegt und die Leute zu Hause bleiben und nicht aus Langeweile andere Menschen in Gefahr bringen.
© Anna Nguyen

Vanessa hat sich am Montag (16. März) dazu entschieden, die B-Lage vorerst zu schließen. Damit möchte sie sich und ihre Kund*innen schützen und einfach dazu beitragen, dass alle so wenig Kontaktmöglichkeiten wie möglich haben.

Um diesen Zusammenhalt, den sich Vanessa von der Gesellschaft wünscht, selbst zu fördern, hat sie in den letzten Tagen eine Website gelauncht und ein Kollektiv ins Leben gerufen.

Auf 2gether.jetzt können sich Freiberufler*innen und kleine Unternehmen, die aufgrund des Coronavirus wirtschaftliche Probleme haben, zusammenschließen. Es geht dabei um Austausch, Unterstützung und das Bilden eines gemeinsamen Netzwerks in diesen schwierigen Zeiten.

Dabei geht es Vanessa auch darum, die Aufmerksamkeit der Menschen zu schulen und zu zeigen, welche Existenzen hinter kleinen oder mittelständigen Unternehmen stecken und was jeder Kauf im Großen und Ganzen bedeutet. Man kann zum Beispiel Läden, die aktuell geschlossen sind durch Gutscheinkäufe oder durch ihren Online-Shop unterstützen: "Was wir nicht wollen sind Almosen oder mehr Aufmerksamkeit als sonst, sondern das Bewusstsein für Inhalt und Herkunft der Produkte, die wir täglich konsumieren stärken. Heute und an jedem anderen Tag im Jahr. Denn nach der Corona-Krise ist vor der Klima-Krise".

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