Puzzeln und Banana Bread: Was euer neues Corona-Hobby über euch aussagt

© engin akyurt | Unsplash

Es heißt ja, dass es etwa 21 Tage dauert, bis sich neue Gewohnheiten zu einer festen Routine etabliert haben. In der Corona-Selbstisolations-Zeitrechnung sind wir darüber natürlich längst hinaus. Wir schreiben mittlerweile Woche sechs (ungefähr, wer weiß das schon so genau?), das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auch ihr euch schon verändert habt und neue Gewohnheiten pflegt – ob zu Selbstoptimierungszwecken, aus Langeweile oder einfach aus purer Verzweiflung. Die Isolation scheint gleichzeitig das Schlimmste und das Beste in den Menschen hervorzubringen – ist natürlich alles eine Frage der Betrachtungsweise. Welche neuen Corona-Hobbys, Skills und Bewältigungsstrategien habt ihr euch denn so angeeignet? Und was verraten diese eigentlich über euren Geisteszustand? Eine Annäherung:

Unter die Heimwerker*innen gehen, oder: Hauptsache MACHEN

"Ist das der Ernst des Lebens? Hm, erstmal einen bauen" – das hat Sido schon gerappt, lange bevor er anfing, jeden Freitag verstörende Livestreams aus seinem Wohnzimmer zu senden. Aber verdammt, Leute, er hat damit nicht gemeint, dass ihr Schränke, Schuhregale und Wäschetonnen bauen sollt! Wen wollt ihr mit eurer großen Bohrmaschine eigentlich beeindrucken? Zwei Vermutungen: Vielleicht seid ihr schon nach zwei Tagen des Zuhausebleibens ganz nervös geworden, weil ihr nichts GESCHAFFT habt (wer normalerweise ständig die To-Do-Liste im Blick hat und es gewohnt ist, jeden. verdammten. Tag. einen Fortschritt auf dem steinigen Weg zur Spitze des Erfolgs zu verzeichnen, dem fällt das Nichtstun natürlich äußerst schwer). Also habt ihr beschlossen, Fynn Kliemann 2.0 zu werden – ist dies das Resultat unserer Leistungsgesellschaft? Die Unfähigkeit der Menschen, einfach mal nur dazusitzen und sich mit sich selbst zu beschäftigen? Keine Ahnung. Möglichkeit Nummer zwei: Normalerweise verbringt ihr eure Wochenenden in der Schlange vom Berghain. Jetzt, wo das Berghain so dicht ist wie sonst nur seine Besucher*innen, ist das Schlangestehen vor dem Baumarkt in Friedrichshain eben alles, was euch fürs Feeling bleibt. Na gut, genießt es!

Endlich zum Vollzeit-Yogi werden

Die Welt steht Kopf, also warum nicht auch ihr? Okay, der war echt schlecht, sorry. Vielleicht konntet ihr ja auch schon vor Corona-Zeiten Kopfstand, wahrscheinlicher ist aber wohl, dass eure Yogamatte die letzten Jahre eingestaubt unter dem Sofa verbracht hat. Der Wendler würde sagen: Egal! Jetzt ist endlich genug Zeit, euch in die Instagram-Version eurer selbst zu verwandeln. Das bedeutet: Früh aufstehen, grünen Tee trinken und Yoga with Adriene einschalten. Pro-Tipp: Verlegt eure Yoga-Sessions ans offene Fenster oder auf den Balkon, falls ihr einen habt – nicht, weil die frische Luft so guttut, sondern, weil ihr so auch all eure Nachbar*innen mit eurem Sonnengruß inspirieren und beeindrucken könnt. Obwohl: Die folgen euch sicherlich sowieso schon bei Instagram.

Kochen und backen – Banana Bread forever!

Schon klar: Banana Bread ist der kleinste gemeinsame Nenner der Krise. In letzter Zeit habt ihr so viele Insta-Storys von backenden Freund*innen gesehen, dass ihr euch inzwischen tatsächlich fragt, ob euch eure Banana-Bread-Expertise etwa doch nicht zu etwas ganz Besonderem macht. What?! Zum Glück seid ihr nach Wochen der Corona-Isolation keine Amateure mehr am Kochlöffel und eure Skills beschränken sich längst nicht mehr auf Banana Bread, sodass euch Food-Projekte wie hausgemachter Mozzarella, fermentiertes Sauerkraut und selbst angesetzter Hefeteig regelmäßig den Tag retten. Das ist nicht nur eine extrem effiziente Art, die aktuelle Krise wegzuprokrastinieren, sondern auch ein guter Weg, eure Kernfamilie (aka Mitbewohner*innen) glücklich zu machen. Und euch selbst natürlich auch – allein schon, weil jedes Gericht besser schmeckt, wenn man schon beim Kochen ein bis drei Gläser Wein trinkt (gute Faustregel!). Oh, schon wieder eine Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts und neue Beschlüsse aus dem Bundestag? Auf den Schreck wird erstmal ein neues Banana Bread in den Ofen geschoben.

Eine neue Sprache lernen – for real?

Kennt ihr dieses wohlige Gefühl, das sich einstellt, wenn ihr eine Serie zum 25. Mal schaut? Ihr alles auswendig mitsprechen könnt und die Charaktere euch wie eure besten Freund*innen erscheinen? Besonders in Zeiten einer globalen Pandemie können unsere Lieblingsserien ein echter Zufluchtsort sein – Stichwort "Comfort Binge". Und was hat diese allerbeste Form der Zeitverschwendung nun mit dem Lernen einer neuen Sprache zu tun? Genau – absolut gar nichts! Wer die letzten Wochen damit verbracht hat, Vokabeln und Grammatik in Französisch, Finnisch oder Mandarin zu pauken, gehört definitiv der höchsten Evolutionsstufe der "Ich muss aus diesem Ausnahmezustand etwas mitnehmen und mich so gut wie möglich selbst optimieren" -Fraktion an. Das ist bewundernswert – aber auch echt ein bisschen anstrengend. Ihr habt ja sicherlich bemerkt, dass ihr euch bei den Menschen, die sich eine Wohnung mit euch teilen müssen, nicht besonders beliebt macht, wenn ihr eure neugewonnenen rudimentären Sprachkenntnisse permanent zum Einsatz bringt, oder? Kommt schon, hört doch auf, so mit eurer bombastischen Konzentrationsfähigkeit zu flexen. Und nein, wir schauen unsere Lieblingsserien ab jetzt auch nicht auf Spanisch mit euch, damit ihr besser "in die Sprache und Kultur eintauchen" könnt. Auch nicht, wenn wir sie zum 25. Mal gucken.

Puzzeln, puzzeln, puzzeln

Ein weiser Mann hat kürzlich gesagt: "Die Welt ist schlecht, ich geh' puzzeln." Mit diesen Worten verabschiedete er sich aus der Realität und wurde seit Wochen nicht mehr gesichtet. Puzzeln, ein ultimatives Kindheitshobby: Konservierte Erinnerungen an einfachere Zeiten, in denen die komplizierteste Aufgabe, die uns das Leben stellte, "Auf dem großen Bauernhof" hieß und 1000 Teile hatte. Wer jetzt puzzelt, tut gar nicht erst so, als hätte er sein Leben noch im Griff; nein, er hat einfach akzeptiert, dass es gerade nichts gibt, über das er die Kontrolle behalten könnte. Abgesehen von dem 5000-Teile-Puzzle, das er vor sich ausgebreitet hat – je mehr Teile das Puzzle, desto länger lässt sich alles andere verdrängen, und ein klitzekleines bisschen Herausforderung muss schließlich noch drin sein.

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