So geht es chronisch kranken Menschen in Zeiten des Coronavirus

© Talika Öztürk

Covid-19. Ein Wort, eine Zahl. Für viele von uns bedeutet die schnelle Ausbreitung des Coronavirus vor allem eins: Einschränkungen in der Freizeitbeschäftigung und ein Umdenken bei der Arbeit, aufgrund von Home-Office oder ähnlichem. Aber für andere Menschen bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Gefahr für ihr Leben – zu dieser sogenannten ‚Risikogruppe’ gehören nicht nur Menschen über 60 Jahre.

Carina ist 27 Jahre alt und berichtet auf ihrem Blog und bei Instagram über ihr Leben, ihre Gedanken, Gefühle und ihren Alltag mit der chronischen Krankheit Mukoviszidose.

Carina, wie geht es dir momentan gesundheitlich?

Ich bin in diese „Corona-Zeit“ nicht mit den besten Voraussetzungen geraten. Ich hatte Anfang des Jahres Prüfungszeit in der Uni, was mich gesundheitlich und körperlich immer sehr schwächt. Vor drei Wochen hat mich eine Influenza erwischt, die bei chronischen Lungenkrankheit wie Mukoviszidose leider immer etwas heftiger verläuft und auch viel länger braucht. Daher muss ich momentan besondere Vorsicht walten lassen und noch mehr Zeit als sonst dafür aufwenden, meine tägliche Physiotherapie zu machen.

Wie geht es dir momentan seelisch?

Bis vor zehn Tagen war ich tiefenentspannt. Dann überkam mich mich doch ein kleiner Schreck – wie viele von uns wahrscheinlich – wie die Auswirkungen des Coronavirus auf mein Leben aussehen werden. Ich freue mich seit Jahren auf dieses Frühjahr, weil ich mein Studium beende. Ich hatte mir meine neue Freiheit immer ein bisschen anders vorgestellt, aber ich habe mich schnell an die neue Situation angepasst und versuche sie so positiv wie möglich zu sehen.

Hast du Angst? 

Angst habe ich nicht. Ich mache mir aber natürlich schon ein bisschen Sorgen. Ich bin beeindruckt, wie schnell die Welt aus den Angeln gehoben werden kann. Ich sorge mich um die, bei denen der Virus einen großen Schaden anrichten würde. Und ich hoffe von Herzen, dass alle, die besonders anfällig sind, gut durch diese Zeit kommen.

So verrückt es klingen mag – diese Situation kann für viele von uns eine große Chance sein. Eine Chance umzudenken, oder etwas in unserem Leben zu verändern. Für die, die nun Zuhause bleiben müssen und denen es gut geht, kann diese Zeit auch viel Gutes bringen! Sagen wir nicht immer, wir hätten zu wenig Zeit? Haben wir nicht alle eine Liste mit Dingen, die wir schon ewig tun wollen? Ausmisten, eine Sprache lernen, mehr backen oder kochen, Bücher lesen... jetzt ist der Moment gekommen!

So verrückt es klingen mag - diese Situation kann für viele von uns eine große Chance sein. Eine Chance umzudenken, oder etwas in unserem Leben zu verändern.

Daneben ist es auch wichtig, bewusst mit den Informationen, die uns momentan überall geradezu überrennen, umzugehen. Auch hier ist es wichtig, in sich hinein zu hören und sich zu fragen, was einem selbst und anderen in diesem Moment gut tut.

Vorsicht und Obacht ist wichtig. Wir müssen zusammenhalten und die Menschen in unserer Gesellschaft schützen, die zur Risikogruppe gehören. Gemeinsam sind wir sehr stark! Aber Panik und Angst hilft uns nicht weiter. In Krisen wachsen wir! In Krisen liegt viel Potenzial, dass wir entdecken können.

Wie schützt du dich persönlich vor dem Virus?

Ich befinde mich in Isolation und gehe außer zum Spazieren – abends oder ganz früh morgens – nicht mehr nach draußen. Physiotherapie mache ich Zuhause und Arzttermine mache ich telefonisch. Alle um mich herum versuchen, so weit wie möglich, Hygienevorschriften zu berücksichtigen.

Was wünschst du dir von den Menschen?

Ich wünsche mir, dass wir umsichtiger miteinander umgehen. Verständnis haben, füreinander da sind und gemeinsam an einem Strang ziehen. Für manche, die gesund sind, ist es schwer zu verstehen, warum so drastische Maßnahmen getätigt werden, aber genau darum geht es: Die zu sehen, die sonst unsichtbar sind und sich für die Schwachen stark zu machen.

Was können wir alle tun, um chronisch Kranke vor dem Coronavirus zu schützen?

All das was von den Behörden empfohlen wird. Abstand halten, Hygienevorschriften einhalten und Menschenmassen meiden. Am besten Zuhause bleiben, wenn es geht. Aber auch Hilfe anbieten, anrufen und einfach da sein. Die mentale Unterstützung ist nämlich auch von großer Bedeutung, finde ich!

Für manche, die gesund sind, ist es schwer zu verstehen, warum so drastische Maßnahmen getätigt werden, aber genau darum geht es: Die zu sehen, die sonst unsichtbar sind und sich für die Schwachen stark zu machen.
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