Nachhaltige Betten direkt aus dem Berliner Forst – Zu Gast in der Werkstatt von Kiezbett

© Charlott Tornow

Als wir zum ersten Mal die Betten von Kiezbett sahen, haben wir uns sofort verliebt: in den zeitlosen Stil, die nachhaltige Produktion und die Aufbauzeit von 15 Minuten. Das Berliner Unternehmen produziert seine Betten aus massivem, unbehandeltem Kiefernholz, das direkt aus dem Berliner Forst stammt und mit Pferden aus dem Wald transportiert wird. Das Holz wird dann in lokalen Sägewerken verarbeitet, in einer Inklusionswerkstatt in Spandau zusammengebaut und in Recycling-Verpackungsmaterial versendet. Ich habe einen der Kiezbett-Gründer, Steve Döschner, in der Werkstatt in Spandau besucht, mir angeschaut, wie die Betten entstehen, und mir von Steve erzählen lassen, was es braucht, um so ein nachhaltiges Unternehmen wie Kiezbett zu führen. In der Werkstatt durfte ich auch den Werkstattleiter Burkhard Falk kennenlernen, der sich sehr entspannt um die Arbeiter dort kümmert.

Mit Vergnügen: Was machst du die erste Arbeitsstunde des Tages?
Steve Döschner: Achtung, Überraschung: E-Mails anschauen. Manchmal mit einem Auge vom Bett aus. Das muss sich aber ändern. Ich will das Handy aus dem Schlafzimmer verbannen und ein Wecker nutzen, um auf den Handywecker zu verzichten. Ich hab nur noch keinen schönen Wecker gefunden.

Wie lange arbeitest du täglich?
Das variiert zwischen fünf und auch mal 16 Stunden.

Was weißt du heute, was du nicht wusstest, als du gestartet bist?
Das Finanzamt ist der Endgegner.

© Charlott Tornow
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Was war die größte Herausforderung im letzten Monat?
Die größte Herausforderung ist, eine Mehrwegverpackung zu entwickeln, die wir für unser Bettzubehör benötigen. Die Verpackung soll den Anspruch erfüllen, dass sie immer wieder verwendet werden kann und unsere Kunden diese einfach als großen Brief in den Briefkasten schmeißen können, so dass diese wieder bei uns ankommt und wir sie wieder verwenden können. Dabei ist nicht nur das Verpackungsdesign eine Herausforderung, sondern auch der Logistik-Markt, der gänzlich auf Einweg-Verpackungen ausgelegt ist. Alles, was da rausfällt, erzeugt durch Sperrgut gleich viel höhere Versandkosten. Das ist ungerecht. Wir sind kurz vor dem Finale und werden das umgehen, in dem wir das Konventionelle mit Innovation unterwandern.

Wenn du einen Tipp hättest für Menschen, die diesen Job machen wollen, welcher wäre es?
Ich denke, Empathie ist ein großer Punkt. Sich hinein zu fühlen in alle Perspektiven, die man mit einem Produkt haben kann. Was sind die Bedürfnisse des Kollegen in der Werkstatt, der das Produkt mit seinen Händen fertigt? Was sind die Bedürfnisse der Kunden? Alle sollen sich gesehen und wohlfühlen. Und dabei meine ich nicht eine Pseudo-Wohlfühl-Oase, sondern gelebtes Wohlfühlen.

Wolltest du schon immer Betten bauen?
Nein, das hat sich pragmatisch so ergeben. Ich komme aus dem Naturschutz und bin nach wie vor freiberuflicher Ökologe und mache angewandten Naturschutz.

Alle sollen sich gesehen und wohl fühlen. Und dabei meine ich nicht eine Pseudo-Wohlfühl-Oase, sondern gelebtes Wohlfühlen.
Steve Döschner
© Charlott Tornow
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Was machst du, um dich und deine Mitarbeiter an einem schlechten Tag zu motivieren?
Erstmal 'n Tee trinken, nech. 

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Der Kanal der Liebe durch Kommunikation mit Menschen. 

Wann nervt dich dein Job?
Wenn ich zu viel vor dem Rechner sitze und das Gleichgewicht aus Natur, Erde, Handarbeit und Teamarbeit nicht in Balance ist.

© Charlott Tornow
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Wie viel Startkapitel hast du gebraucht, um mit Kiezbett zu starten?
In unserem Fall: 125 Unterstützer und 32.138 Euro durch Crowdfunding bei Startnext. Von dem Geld holt sich das Finanzamt im Übrigen auch noch was ab.

Wie lange hast du gebraucht, um von deinem Job leben zu können?
Als genügsamer Erdling ging das sehr schnell.

Willst du noch weiter wachsen?
Persönlich, ja.

Wie sehen deine Hände am Ende des Tages aus?

© Charlott Tornow

Vielen Dank, Steve!

Gut zu wissen: Für jeden gefällten Baum werden vier Setzlinge gepflanzt. Und ihr könnt bei der Pflanzaktion am 30. November im Grunewald dabei sein. Mehr Infos dazu findet ihr bald bei uns. Übrigens arbeitet Kiezbett gerade auch an einem Bett mit Stauraum und auch um die Abfallprodukte in der Werkstatt macht sich Steve Gedanken: Eventuell gibt es bald Spielzeug aus Restholz und ein Babybett.

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