Ein trauriger Tag für Obdachlose – Der "Strassenfeger" wurde eingestellt

© Tomas Anton Escobar | Unsplash

Update: 20.06.2018: Die gemeinnützige Karuna Sozialgenossenschaft des Karuna e.V., über deren Projekt People Berlin wir schon mal berichtet haben, hat angekündigt, dem Strassenfeger personell und finanziell zu helfen. Das teilte der Geschäftsführer, Jörg Richert, dem Tagesspiegel mit.

Sie ist ein fester Bestandteil und Sprachrohr im Leben vieler Berliner Obdachloser: Seit 24 Jahren berichtet die Obdachlosenzeitung Strassenfeger über die prekäre Situation vieler Berliner, um – nach eigener Aussage – eine "Atmosphäre der Solidarität mit Obdachlosen zu schaffen" und die Öffentlichkeit für die Situation jener zu sensibilisieren, die von der Gemeinschaft ausgegrenzt sind. Zu dem Strassenfeger e.V. gehört dabei aber nicht nur die Zeitung, sondern auch das Kaffeebankrott als Treffpunkt und Aufenthaltsort für die Verkäufer des Strassenfeger sowie die Notübernachtung in der Storkower Straße.

Dass das Projekt defizitär ist, war bereits lange bekannt und auf der Homepage des Vereins hieß es bereits, dass die internen Ressourcen sehr knapp seien – so knapp, dass es sich für den Verein nun nicht mehr lohnt, beide Projekte weiterzuführen. Am 18. Juni wurde in der Mitgliederversammlung beschlossen, dass sowohl der Strassenfeger als auch das Kaffeebankrott schließen.

Trotz steigender Auflagen wird die Zeitung eingestellt

Erst im April hatte der Strassenfeger einen neuen und erfahrenen Chef vom Dienst mit an Bord geholt, unter dessen Leitung die Zeitung besser und professioneller gestaltet werden sollte. "Das hatte sich zuletzt auch in steigenden Auflagen bemerkbar gemacht", sagt der ehemalige ehrenamtliche Vorstand Philipp Mehne. Mehne selbst hält die Entscheidung für übereilt und falsch, zu den Gründen möchte er sich aber nicht äußern, da es zu geplanten Schließung keine offene Diskussion gab, sodass die Argumente des Vorstands unbekannt sind. Zuletzt kratzten "Bettelbanden" am Image der Zeitung, die den Strassenfeger benutzt haben, um beim Betteln mehr Geld zu bekommen.

Dass eine so bekannte Marke wie der Strassenfeger eingestellt wird, ist eine traurige Nachricht nicht nur für die vielen Unterstützer der Zeitung und des Cafés, sondern vor allem auch für die Obdachlosen und knapp 300 Verkäufern, die durch den Verkauf der Zeitung eine Arbeit und einen Sinn gefunden haben. Es bleibt zu hoffen, dass die Zeitung entweder wiederbelebt wird oder ein neues Projekt des Strassenfeger ersetzt.

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