Deshalb habe ich Angst, Mama zu werden

© Valeria Zoncoll | Unsplash

"Mein persönlicher Mutterpass" der Schwedin Malin Elmlid ist ein Schwangerschaftsbuch, in dem es mal nicht um das Baby geht, sondern um die Frau und ihr Wohlbefinden. Mit Experten-Interviews, Tipps zu Wohlbefinden und Rollenaufteilung und Erfahrungsberichten spricht Elmlid spricht Sorgen, Ängste und Erwartungen an und bereitet auf alles vor, was kommt.

Aus dem Buch: "Mein persönlicher Mutterpass"

Ich habe Angst.

Angst, dass mich das Mamawerden verändern wird. Angst, dass ich mich so sehr verändern werde, dass alles um mich herum, was ich heute liebe, sich auch verändern muss.

Ich habe Angst, dass ich Dinge zulassen werde, die eigentlich gegen meine Prinzipien sind. Weil ich einfach müde bin. Oder weil ich von meinem Mann abhängig geworden bin. Überhaupt von jemandem finanziell abhängig zu werden, ist gegen meine Grundprinzipien.

Vor Abhängigkeit hatte ich immer Angst. Ich habe Angst, dass sich ungleiche Rollenverteilungen einschleichen, weil es einfacher scheint. Dass ich hinnehme, meine tiefsten Träume beiseitezuschieben, weil mir gar nicht auffällt, dass das passiert. Oder ich zu müde bin, um für sie zu kämpfen. Oder dass ich es tue, weil ich weniger verdiene als mein Mann und daher meine eigene Arbeit geringer einschätze. Dass ich mich verändere und es erst merke, wenn es zu spät ist. Dass mein Mann es zulässt, dass ich mich verändere, weil es für ihn und seine Karriere einfacher ist. Dass ich eines Tages dastehe und mein Leben nicht mehr leiden kann. Davor habe ich Angst.

Ich habe auch Angst, dass meine Identität zum bloßen Mamasein schrumpft. Dass eine Art Mutteridentität plötzlich das echte Ich schluckt und dass mein Umfeld mich in Zukunft in erster Linie als Mama wahrnimmt. Mamasein wird bald für immer ein Teil meiner Identität sein, aber ich bezweifle, dass es mich komplett übernehmen wird.

Meine größte Angst aber ist, dass wir, mein Freund und ich, uns verlieren werden. Dass wir uns doch nicht verstehen und nicht respektvoll miteinander umgehen. Eigentlich gibt es überhaupt keine Anzeichen dafür, aber Angst habe ich trotzdem davor. Weil es mein Albtraum wäre.

Versteh mich nicht falsch, ich möchte Veränderungen. Das Leben besteht ohnehin aus ständigen Veränderungen. Es ist lange her, dass ich es tatsächlich lustig fand, um die Häuser zu ziehen. Ich freue mich darauf auszumisten. Es gibt viele Veränderungen, die mir guttun werden. Manche Beziehungen — beruflich wie privat — werden sich aus natürlichen Gründen verändern oder enden. Ich habe tatsächlich keine Angst vor dieser riesengroßen Verantwortung, die ein Kind bedeutet. Auch das Bewusstsein, dass mich jetzt für lange Zeit mein Kind begleiten wird, macht mir keine Angst. Ich habe keine Angst, dass mir die Liebe fehlen könnte. Ich habe auch keine Angst, dass ich keine gute Mutter werde.

Meine Angst dreht sich nicht um Veränderungen an sich, sondern um das Bewusstsein, dass Kinderkriegen einfach nicht alles ist. Ich will nur nicht "vertrocknen". Weil ich weiß, dass es mich unglücklich machen würde.

Eines Tages werde ich aus dieser Blase herauskommen und da will ich noch mein Leben — und meinen Freund — lieben. Und ich will weiter eine Identität haben, die nicht einzig und allein auf meiner Familie beruht.

"Mein persönlicher Mutterpass" von Malin Elmlid ist am 26.03.2018 im Mosaik Verlag erschienen.

© Mosaik Verlag | © Katja Lösönen
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