Vietnamesisch trifft regional – Con Tho in Kreuzberg

© Wiebke Jann

Man hätte es ahnen können, wenn in der Hasenheide in Kreuzberg ein neues vietnamesisches Restaurant aufmacht, das als Logo einen Hasen hat und sogar auf der Karte eine zuckersüße Geschichte von einem Hasen erzählt, dass "Con Tho" das vietnamesische Wort für "Hase" ist. Gut, bleiben wir mal im Konjunktiv, denn so weit haben wir leider nicht gedacht und neugierig den Besitzer Huy Thong gefragt. Unsere Antwort bekamen wir allerdings nicht nur in Worten, sondern in Form eines ziemlich süßen Kinderspiels, das mich ein bisschen daran erinnerte, wie ich Schuhebinden gelernt habe: Ein Hasenohr und noch ein Hasenohr, dann geht der Hase um den Bau herum und in den Bau hinein.

Huy Thong ist übrigens kein Unbekannter, denn ihm haben wir auch das leckere vietnamesische Restaurant Ryong auf der Torstraße zu verdanken. Trotzdem sollte sein zweiter Laden auf keinen Fall der kleine Bruder des Ersten werden. Sowohl das Interieur, als auch die Karte sind deswegen ganz unterschiedlich. Das Con Tho betritt man über eine große Terrasse, die voll bepflanzt ist mit Bambus und überraschend gut von der Straße abgeschirmt ist, sodass man hier im Sommer herrlich draußen sitzen kann. Im Restaurant selbst wird man dann von Bambusstäben und großen, warmen Lampen umhüllt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Bambusstäbe ummanteln nicht etwa die Wände, sondern sprießen aus dem Boden, aus der Decke, mitten im Raum, als Sichtschutz, als Demo – sie sind überall und erzeugen so bei jeder Sitzecke eine gewisse Gemütlichkeit, auch wenn eine Ecke ganz besonders gemütlich ist: Im hinteren Teil des Restaurants befindet sich ein kleines Séparée, mit großer Fensterscheibe, einem kleinen Tisch für Zwei, die vielleicht perfekteste Datelocation, die wir seit langem gesehen haben. Da wir hier aber nicht zum daten, sondern essen sind, werfen wir einen Blick auf die Karte.

© Wiebke Jann
© Wiebke Jann

Sortiert sind die Vorspeisen nach "small Dishes" und "medium Dishes", die sich allerdings nicht nur als erster Gang eignen, sondern auch ziemlich gut zum Teilen, als eine Art vietnamesische Tapas. Bei den Hauptspeisen kann man zwischen drei Gerichten wählen, Com Tam, dem vietnamesischen Pendant zu Bibimbap, Banh Xeo, einem Reismehlcrêpe, und der Hue Bowl, einer Zitronengras-Annatto-Suppe, wobei es bei jedem Gericht drei verschiedene Varianten gibt, einmal eine klassische und zwei experimentellere. Denn statt alles möglichst traditionell zu halten und somit gezwungenermaßen viele Produkte aus Vietnam importieren zu müssen, setzt Huy Thong auf eine Mischung mit Regionalem. So kommt der geräucherte Seitan auch mal mit Rosmarin-Thymian-Ummantelung daher und auch der Crêpe wird mit Thymian abgeschmeckt.

Weil alles lecker und irgendwie erfrischend anders als in den üblichen vietnamesischen Restaurants klingt, lassen wir uns überraschen und fragen nach Gerichten, die wir unbedingt probieren sollen. Auf unseren Vorspeisentellern landet also auf Empfehlung des Hauses: softly bedded, blanchierter Porree mit geräuchertem Tofu und Zitronengras-Lavendel-Pesto, spring snow, im Kokosbad gegarter Tofu mit Knoblauch-Mayonnaise, full moon, ein gegrilltes Nori-Klebreispaket mit Gurke, Räuchertofu und Zitronengras-Sojasoße, und chrysantheum field, gebackener Tofu umwickelt mit Chinakohl und Noriblättern mit Chrysanthemen-Zitronengras-Sojasud. Und ja, genauso fancy und besonders, wie es klingt, schmeckt es auch. Die Knoblauch-Mayonnaise ist der absolute Wahnsinn und auch der eigentlich simpel gebackene Tofu schmeckt geräuchert mit Chinakohl und Noriblättern wirklich toll und erinnert sogar ein bisschen an Fisch. Außerdem ist alles so hübsch und mit Liebe zum Detail angerichtet, dass man sich vorkommt, als würde man gerade 13 statt 3 Euro für eine Vorspeise bezahlen.

© Daliah Hoffmann
© Wiebke Jann

Genauso lecker, wie es mit den Vorspeisen angefangen hat, geht es auch bei den Hauptgerichten weiter und weil wir Suppen super finden und das Lieblingsgericht der Crew die Reismehlcrêpes sind, bestellen wir Before Midnight, ein grüner Crêpe mit Spinat, gegrilltem Porree, Tofu, Schwarzwurzel, Käse und Kräutern, der mit Salat, Kräutern und Reispapier serviert wird, und die Yellow-Bowl, eine Suppe mit in Tempura frittierten gelben Nudeln und knackigem Gemüse. Die Suppe ist wahnsinnig gut und wirklich kräftig-aromatisch, das Gemüse und die Kräuter sind frisch und auch die frittierten Nudeln sind lecker, auch wenn es für mich persönlich ein bisschen zu viele waren. Dafür müssen wir der Crew, was die Crêpes angeht, absolut zustimmen, denn die sind wirklich Wahnsinn. Man bekommt einen riesigen, hauchdünnen Crêpes, den man in Stücke schneidet und gemeinsam mit Kräutern, Gemüse und Salat in Reispapier, ähnlich wie bei Sommerrollen, einrollt und anschließend in ein Limetten-Dressing dippt. Das macht nicht nur ziemlich viel Spaß, sondern ist auch so abwechslungsreich im Geschmack, dass wir es ab sofort gerne immer essen würden.

© Wiebke Jann
© Wiebke Jann
© Wiebke Jann

Eigentlich wollte Huy Thong gar kein zweites Restaurant eröffnen, aber als sein Freund den Laden dann doch nicht mieten wollte, hatte er sich in die Location schon blitzverliebt und zugeschlagen. Wir sind ihm dankbar, denn so ist die Hasenheide um ein kulinarisches Highlight reicher.

Unbedingt probieren: "Before Midnight", ein Reismehlcrêpe mit Spinat, Kräutern und Salat

Veggie: Alles ist vegetarisch oder vegan und fast alles sogar glutenfrei

Preis: Vorspeisen 3–7 Euro, Hauptspeisen 7–8,50 Euro und Desserts 5 Euro

Beste Zeit: Abends zu einem halbromantischen Dinner im schnuckeligen Séparée

Con Tho | Hasenheide 16, 10967 Berlin | Öffnungszeiten: Täglich 12–00 Uhr | mehr Info

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