Kieztour: So verbringt ihr einen tollen Tag im Graefekiez

Berlin besteht aus 12 Bezirken, die in ingesamt 96 Ortsteile unterteilt sind. Und diese wiederum sind in unzählige kleine Kieze aufgeteilt, die das ganze Großstadtleben wieder ehrlich angenehm relativieren. Denn jeder einzelne Kiez hat neben Supermärkten, Cafés, Restaurants und Bars sowie Parks, Galerien und kleinen Shoppingläden eigentlich alles, was man braucht, sodass im Alltag überhaupt keine Notwendigkeit besteht, seinen eigenen zu verlassen. Weil jeder Kiez aber eben doch seine Besonderheiten und ganz eigene Kultur hat, wäre es viel zu schade, diese innerstädtischen Mikrokosmen nicht zu erkunden. Und genau deswegen solltet ihr euch mal einen Tag Zeit nehmen und mit uns eine kleine Tour durch die kopfsteinpflasternen Straßen des Graefekiez in Kreuzberg  zu machen.

Im Le Bon mit leckeren Eggs Benedict stärken

© Wiebke Jann

Wir starten unsere kleine Tour in einem der schönsten Cafés des Kiezes, dem Le Bon. Es liegt direkt am Hohenstaufenplatz, auf welchem am Wochenende auch häufiger ein kleiner Markt stattfindet. Es besticht nicht nur durch die hübsche Altbaufassade, sondern vor allem auch mit schönem, gemütlichem Ambiente, das man auf zwei halben Etagen, die mit dunklen Wänden und schönen groben Holzmöbeln ausgestattet sind, genießen kann. Morgens kann man hier ganz fantastisch frühstücken – die Eggs Benedict werden mit einer Chili-Hollandaise serviert, in die ich mich reinlegen könnte – und auch zum Frühstück mal eine Breakfast-Margherita trinken. Zum Lunch kann man meist zwischen einer Suppe, einem vegetarischen sowie einem Fleisch- und Fischgericht wählen, und wer eher durstig als hungrig ist, der kann hier auch leckere Drinks und Weine süffeln.

Le Bon | Boppstraße 1, 10967 Berlin | Dienstag – Samstag: 9.30–23.30 Uhr, Sonntag: 9.30–16.00 Uhr | Mehr Info

In der Galerie Erratum die Meisterwerke junger Künstler bestaunen

© Wiebke Jann

Frisch gestärkt, spazieren wir über die Schönleinstraße in die Böckhstraße 40, denn dort befindet sich die wirklich schöne, kleine Galerie Erratum, die 2014 von jungen Künstlern gegründet wurde und seit dem regelmäßig Ausstellungen aus den verschiedensten künstlerischen Bereichen kuratiert. Einzig ein Klingelschild verrät an der Tür, dass sich im Innenhof im Souterrain diese zauberhafte Galerie befindet, bei der ihr allerdings – weil die Initiatoren teilweise noch studieren und somit keine geregelten Öffnungszeiten gewähren können – vorher einen Termin vereinbaren müsst. Das bedarf zwar etwas Planung, dafür bekommt ihr aber immer von einem der Künstler eine kleine Privatführung, was wir dem ewigen Gedränge wie beispielsweise in den Staatlichen Museen definitiv vorziehen. Bis zum 16. Dezember könnt ihr euch dort tolle malerische Arbeiten von Linda Franken, Dean Annunziata, Raphael-Bachir Osman und Franck Rausch ansehen.

Galerie Erratum | Böckhstraße 40, 10967 Berlin | Mehr Info

Am Planufer spazieren und den Schwänen zusehen

© Wiebke Jann

Anschließend spazieren wir durch die Böckhstraße, wo wir am Ende direkt auf den Landwehrkanal stoßen. Zwar wird Kreuzberg nicht unbedingt als romantischster Bezirk Berlins gehandelt, der Weg entlang des Planufers bis zum Vivantes Krankenhaus ist aber trotzdem ein ziemlich magischer Ort. Denn aus uns zugegebenermaßen unerfindlichen Gründen nennen den Abschnitt des Landwehrkanals von der Kottbusser Brücke bis zum Urbanhafen zahlreiche Schwäne ihr Zuhause. Egal ob am Ufer oder auf dem Wasser, sie treten immer in Scharen auf, ziehen in der Dämmerung immer gen Westen und irgendwie fühlt sich ein Spaziergang in gefiederter Gesellschaft gar nicht so an, als wäre man gerade mitten in Berlin. Im Sommer kann man sich hier zudem fabelhaft zum Lesen oder einfach nur Entspannen hinsetzen und hin und wieder kann man auch Leute beobachten, die den zum Teil garstigen Schwänen ein paar Brotkrumen zuwerfen – vielleicht ist das auch ein Grund, weswegen immer so viele da sind.

Im Kadó Lakritz aus aller Welt schnabulieren

© Wiebke Jann

Nach einem Spaziergang am Wasser drehen wir eine kleine Runde ums Krankenhaus, gelangen auf die Dieffenbachstraße, die – nach einer Weile – auf die dem Kiez namensgebenede Graefestraße trifft. Direkt an der Ecke befindet sich Deutschlands erster Lakritzladen überhaupt. Ilse Böge eröffnete vor 20 Jahren das Kadó, wo ihr Lakritze aus der ganzen Welt und in allen möglichen Geschmacksrichtungen wie süß-mild, salzig oder naturherb bekommt. Verpackt werden die Süßigkeiten – wie in unseren Kindertagen die Schnuckeltüten – in dreieckigen Papiertüten. Wie man vielleicht vermuten kann, liebt die Inhaberin Ilse Böge Lakritz. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und steht auch heute noch fast jeden Tag in ihrem Laden, berät ihre Kunden und nascht sicherlich auch das ein oder andere Stückchen. Zur Weihnachtszeit bekommt ihr außerdem leckere Lakritz-Adventskalender.

Kadó | Dienstag – Freitag: 09.30–18.30 Uhr, Samstag: 09.30–15.30 Uhr | Mehr Info

In der vielleicht schmalsten Bar Berlins einen Absacker trinken.

© Wiebke Jann

Direkt gegenüber des Kadós versteckt sich die vielleicht schmalste Bar Berlins. Sie ist kaum doppelt so breit wie die Eingangstür, heißt – wie passend – Minibar und ungefähr so viele Menschen passen auch hinein. Im April wurde die Minibar renoviert, muckelig ist sie trotzdem noch und außerdem hat sie meist noch auf, wenn die meisten Läden schon zu haben. Neben Bier und Wein gibt's auch Cocktails und wer in einem wirklich gemischten Publikum noch einmal tiefer ins Glas gucken möchte, der sollte sich dringend auf einen Absacker in die kleinen Hallen der Minibar begeben.

Minibar | Sonntag – Donnerstag: 20–03 Uhr, Freitag & Samstag: 20–05 Uhr | Mehr Info

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