Dieses Startup will gegen zu hohe Mieten vorgehen – Im Interview verraten uns die "Miethelden" wie

© drew Coffman

Die Mieten in deutschen Städten sind in den letzten Jahren explodiert, allen voran in Berlin, die mittlerweile drittteuerste Stadt in Deutschland. Horrende Mieten für schuhkartongroße Bruchbuden, Massenbesichtigungen und eine aberwitzige Menge an Unterlagen, die man einreichen muss, um eine Wohnung zu bekommen, bringen diejenigen, die eine Wohnung suchen und mit Euphorie nach Berlin ziehen wollen, zur Verzweiflung.

60% der neu abgeschlossenen Mietverträge beinhalten eine zu hohe Miete

Mit dem Bau bezahlbarer Wohnung hinkt die Stadt hinterher, alteingesessene Mieter und junge Menschen können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten und werden in die Randbezirke der Stadt gedrängt. Die Politik hat auf das Problem mit der "Mietpreisbreme" reagiert. Verabschiedet 2015, soll es Vermieter dazu anhalten, nicht mehr Miete als 10% über dem im örtlichen Mietspiegel ausgewiesenen Wert zu fordern. Leider hat das Gesetz nicht die gewünschte Wirkung: Es ist komplex formuliert und hat viele Ausnahmen. Ohne fremde Hilfe ist es den meisten Mietern kaum möglich, von der Mietpreisbremse persönlich Gebrauch zu machen.

Hier kommen die Miethelden ins Spiel. Gegründet 2016, will ein Team aus Anwälten Mietern helfen, ihr gutes Recht durchzusetzen. Sie gehen davon aus, dass bis zu 60% der seit 2015 neu abgeschlossenen Mietverträge eine zu hohe Miete beinhalten.Wir haben Geschäftsführer Philipp von Zezschwitz gefragt, wie genau die Miethelden helfen können.

Was machen die Miethelden?

"Die Miethelden haben es sich zur Aufgabe gemacht, gegen zu hohe Mieten vorzugehen und Mietern zu ihrem Recht zu verhelfen. Auf unserer Seite können die Mieter in wenigen Schritten prüfen, ob sie möglicherweise zu viel Miete bezahlen. Als Grundlage für die Berechnung dienen die Daten des offiziellen Mietspiegels einer Stadt. Ein Mietspiegel gibt vor, in welcher Preisspanne sich die Höhe der Miete für die jeweilige Wohnung bewegen darf. All dies wird über die gesetzliche Mietpreisbremse geregelt, welche von der Bundesregierung in 2015 auf den Weg gebracht wurde. Hält sich ein Vermieter nicht an die vorgegebene Preisspanne, wird dem Mieter auf Grundlage seiner Angaben sofort ein monatliches und jährliches Einsparpotenzial angezeigt. Im selben Schritt kann der Mieter uns daraufhin online für die Durchsetzung seiner Rechte beauftragen."

Wie genau geht ihr gegen zu hohe Mieten und gierige Vermieter vor?

"Nach der Beauftragung übernehmen wir die gesamte Kommunikation mit Deinem Vermieter. Wir schicken zunächst ein Schreiben (eine sog. Rüge) an den Vermieter heraus, in dem wir ihn auf die zu hoch angesetzte Miete hinweisen. In diesem von unseren Rechtsexperten erstellten Schreiben bitten wir ihn höflich darum, Deine Miete auf das rechtmäßige Niveau zu senken. Dein Vermieter hat nun die Pflicht, auf dieses Schreiben zu reagieren und uns darzulegen, weshalb Deine Miete so hoch ist.

Wir gehen niemals davon aus, dass Vermieter mit Absicht rechtswidrig handeln. Daher versuchen wir, Deinem Vermieter gegenüber auch immer kooperativ und kompromissbereit entgegenzutreten. Wir sind – ebenso wie Du – an einer schnellen und unkomplizierten Einigung interessiert. Ebenso kann der Fall eintreten, dass sich Dein Vermieter weigert und auf die überhöhte Miete besteht. Sollten wir im Laufe der Bearbeitung feststellen, dass die Höhe Deiner Miete ungerechtfertigt ist, so scheuen wir uns nicht davor, die Senkung der Miete vor Gericht für Dich durchzusetzen. Sollte dieser Fall eintreten, sind wir von dem Fehlverhalten Deines Vermieters überzeugt und werden alles dafür tun, dass Deine Miete auf ein faires Maß gesenkt wird."

Gibt’s eine Garantie, dass meine Miete tatsächlich gesenkt wird?

"Eine Garantie dafür, dass wir Deine Miete senken können, gibt es nicht. Es gibt einfach zu viele Einflussfaktoren, weshalb nicht pauschal vorhergesagt werden kann, ob wir erfolgreich sein werden. Sind die Angaben zu Deiner Wohnung richtig? Wurde die Lage Deiner Wohnung auch korrekt mit einbezogen? Wie kooperativ ist der Vermieter? Lässt Dein Vermieter es auf einen Rechtsstreit ankommen? Im Falle eines Rechtsstreits: Wie entscheidet der Richter? All diese und noch viel mehr Faktoren spielen eine Rolle dabei, wie hoch schließlich die Erfolgschancen sind."

Die Angst der Mieter ist unbegründet und wir wollen dabei helfen, dass gierige Vermieter keine Chance mehr haben!
Philipp von Zezschwitz

Konntet ihr bereits Erfolge verbuchen?

Bevor wir mit unserer Seite vor zwei Wochen online gegangen sind, konnten wir die Mieten von engen Freunden und Verwandten bereits erfolgreich senken. Dadurch konnten wir bereits gut testen, ob unser Ansatz überhaupt funktioniert. Insgesamt konnten wir die Mieten von vier Personen senken und kamen dabei auf eine Gesamtmonatsersparnis von 451,41 Euro und eine Gesamtjahresersparnis von 5.416,92 Euro. Das alles außergerichtlich!

Um nicht zu vergessen, die erfolgreiche Senkung der Miete meiner beiden Mitgründer (Nicole Fechner und Philipp Philipp). Zudem werden wir mit dem Fall eines weiteren Freundes demnächst vor Gericht gehen und sehen darin sehr hohe Chancen auf Erfolg. Aktuell haben wir einige qualifizierte Fälle zur Bearbeitung vorliegen und es werden von Tag zu Tag mehr. Da die Bearbeitung eines Falls natürlich etwas Zeit benötigt, können wir hierzu jedoch noch keine Prognosen abgeben.

Muss ich Angst haben, dass ich im Falle einer schlechten Verhandlung meine Wohnung verliere, weil der Vermieter mir aufgrund der Anfrage eine Kündigung schickt?

"Auch, wenn wir Deine Miete vielleicht nicht erfolgreich senken konnten, kann Dir Dein Vermieter nicht kündigen. Wir weisen immer darauf hin: Vermieter, die eine überhöhte Miete von Ihren Mietern fordern, machen sich im schlimmsten Fall sogar strafbar! Es ist Dein Recht, eine angemessene Miete zu zahlen und Dich gegen möglichen Wucher zur Wehr zu setzen. Deinem Vermieter stehen keinerlei rechtliche Mittel zur Verfügung, Dir zu kündigen. Du berufst Dich lediglich auf geltendes Recht und hast nichts zu befürchten. Versprochen! Nur, wenn Mieter endlich anfangen, sich gegen die überteuerten Wohnungen in unseren Städten zu wehren, kann grundsätzlich etwas verändert werden. Die Angst der Mieter ist unbegründet und wir wollen dabei helfen, dass gierige Vermieter keine Chance mehr haben!"

Auch, wenn wir Deine Miete vielleicht nicht erfolgreich senken konnten, kann Dir Dein Vermieter nicht kündigen.
Philipp von Zezschwitz

Was unterscheidet euch von dem Mieterbund?

"Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zum Mieterbund oder zu den Mietervereinen, sondern eher als Partner im Kampf gegen zu hohe Mieten! Trotzdem hast Du als Mieter Vorteile, wenn Du unseren Service nutzt: Mit den Miethelden sparst Du viel Zeit und Ärger, musst keine Telefonate mit einem Anwalt führen, hast keine Vor-Ort-Termine, kannst uns bequem von zu Hause aus beauftragen und bezahlst schließlich auch keine jährliche Gebühr. Zudem sprechen wir aus eigener positiver Erfahrung. Wir finden den richtigen Ton gegenüber dem Vermieter, ohne Gerichtsprozess. So unser Ziel. Glaubt man den Medien,  gibt es scheinbar wenig Anwälte, die sich auf das Thema 'Durchsetzung der Mietpreisbremse' spezialisiert haben. Wir sind hier spezialisiert!"

Wieviel kostet euer Service?

"Unser Service ist für Dich ohne jegliches Kostenrisiko. Dabei ist es egal, ob wir Deine Miete erfolgreich senken konnten oder nicht. Wir werden zu keiner Zeit Geld von Dir fordern! Natürlich benötigen auch wir Geld, um unsere Kosten decken und den Service anbieten zu können. Daher behalten wir einmalig einen Teil der Ersparnis ein, welche ab dem ersten Schreiben an Deinen Vermieter (die sog. Rüge) entsteht. Unsere Servicegebühr richtet sich nach der Dauer bis zu einer Einigung und wird wie folgt gestaffelt:
Dauer bis zur Einigung 0 bis 4 Monate: Wir erhalten 50% des einmaligen Erstattungsbetrags.
Dauer bis zur Einigung 5 bis 6 Monate: Wir erhalten 40% des einmaligen Erstattungsbetrags.
Dauer bis zur Einigung ab 7 Monaten: Wir erhalten 30% des einmaligen Erstattungsbetrags.

Sagen wir, Du zahlst monatlich 100 Euro zu viel Miete und wir erreichen nach 4 Monaten eine Einigung... Dann steht Dir die Ersparnis der letzten 4 Monate zu, welche Dir vom Vermieter ausbezahlt werden muss. Der Vermieter überweist also 400 Euro an uns, woraufhin wir unseren Teil (in dem Fall 50% = 200 Euro) einbehalten und Dir den Restbetrag einmalig auszahlen. Bedeutet: Im besten Fall erhältst Du einen einmaligen Bonus und sparst von da an jeden Monat 100 Euro oder eben 1.200 Euro im Jahr. Sollten wir nicht erfolgreich sein, so tragen wir das Risiko und sämtliche Kosten.

Vielen Dank!

Weiterlesen in Stadt
Sags deinen Freunden: