Das Holy Food House lädt jeden Mittwoch zum gemeinsamen Kochen ein

© Kerstin Musl

Vor ein paar Wochem haben wir erst über die Tiny Houses am Bauhaus Campus berichtet, eine praktische, günstige und langfristige Lösung für die Wohnungsknappheit in großen Städten. Wie durch Zufall befand ich mich dann auch ein paar Stunden später genau dort, besser gesagt an einer langen Tafel im Garten der Tiny Houses. Es wimmelte vor Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Background, die hin- und herliefen oder fleißig Gemüse schnippelten.

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Die Tiny Houses befinden sich im Vorgarten des Bauhaus Archives. Sichtschutz für die Bewohner und Gäste bietet eine kleine Mauer, nur der Lärm von der Straße ist hörbar. Ich habe das Gefühl, mich in einer kleinen Parallel-Welt zu befinden. Über zehn kleine Häuschen auf Achsen stehen für die Öffentlichkeit bereit – und wollen auch begutachtet werden. Einige der Holzhütten sind bewohnt, andere, wie das Café Grundeinkommen oder das Holy Food House, sind als Gemeinschaftsräume gedacht.

Letztgenanntes lädt jeden Mittwoch zum „After Work Recycled Dinner“ ein. Gekocht wird in dem schmucken Tiny House, das gemütlicher und effektiver nicht sein könnte. Rund um das Haus stehen kleine Hochbeete mit Gemüse und Kräutern sowie der Foodsharing-Fair-Teiler, wo Freiwillige ihre Kisten mit Lebensmitteln reinstellen können. Zwischen den Häusern hängen Lichterketten und einen Sandkasten für die Kleinen gibt es auch. Das Essen für das Recycled Dinner kommt von Foodsharing und über eine Kooperation mit „The Real Junk Food Project“. Die Idee dahinter: Obst und Gemüse mit braunen Stellen sowie  Lebensmittel, die teilweise noch vor dem Ablaufdatum aus dem Ladensortiment entfernt werden, finden hier ihre Verwendung.

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Der Grundgedanke von den Tiny Houses ist, einen Platz für alle Menschen zu kreieren. So wohnten in den vergangenen Monaten auch schon Flüchtlinge in den Häusern. „Einen Plan für das gemeinsame Essen am Mittwoch gibt es nie“, teilt mir Amelie, die Informationsmanagerin, mit. „Es kommt immer drauf an, was wir an Lebensmitteln bekommen und was davon weiterverwertet werden kann.“

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Als Vorspeise gibt es heute Guacamole und Nachos und als Hauptspeise duftigen Curryreis mit Kräuter-Pilzsauce, Salat und Zucchini-Gemüse. Fast jeder Gast hilft freiwillig bei den Vorbereitungen mit, deckt den Tisch, schneidet Gemüse oder kocht. Es ist ein wunderbarer kultureller Austausch, es wird viel erzählt und gelacht. Ich habe hier das Gefühl wie beim Reisen: ein perfekter Hostelabend mit vielen Überraschungen.

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Raphael, einer der Organisatoren, gibt mir zum Schluss auch noch einen wichtigen Hinweis: „Man muss sich für das Dinner im Vorfeld nicht anmelden, alle sind willkommen und Platz zum Sitzen haben wir hier auch genug. Es wird lediglich um eine kleine Spende gebeten, für die Lebensmitteln, die wir zusätzlich kaufen müssen. Und natürlich freuen wir uns auch über eine gute Flasche Wein, die macht den Abend länger und die Gespräche unterhaltsamer.“

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Ich kann diese Veranstaltung jedem nur wärmsten weiterempfehlen, der gerne etwas bewusster und ökologischer lebt. Außerdem könnt ihr das Backpacking-Reisefeeling etwas auffrischen. Das Team rund um das Holy Food House ist super nett und hochmotiviert, obwohl sie für ihre Engagement keinen Cent bekommen. Es war ein wunderschöner Abend mit tollen Gesprächen und es war sicher nicht mein letzter Besuch.

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