11 weitere neue Sprichwörter, die nur Berliner verstehen
Sprichwörter kann man nie genug bei der Hand haben. Hier haben wir schon einmal 11 neue Weisheiten für Berlin, Berliner und Berlinerinnen erfunden, nun geht es weiter. Vielleicht füllen wir bald damit bald einen kleinen urbanen Bauernkalender, wer weiß?
1. Bauchtasche rein, Brust raus.
Bauchtaschen trägt man natürlich niemals wirklich am Bauch, sondern nur schräg vorne über der Brust oder am Rücken. Unter einer Jacke wirkt man allerdings so entweder wie im 6. Monat schwanger oder Quasimodo. Kann helfen, wenn man bei einem Konzert in der ersten Reihe stehen und nicht angerempelt werden will, alle anderen sollten ein wenig die Luft einziehen.
2. Wer A sagt, muss auch BER sagen.
Erst gackern und dann nicht legen, das können wir ja gar nicht leiden. Wer mit etwas vorprescht, muss auch liefern, auch wenn das bedeutet, ein Milliardengrab wie den BER fertigzustellen. Oder wenigstens die nächsten 50 Jahre glaubhaft zu versichern, dass das bestimmt ganz bald passieren wird.
3. Lieber drei Minijobs in der Hand, als den Tauber auf dem Dach.
CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat kürzlich mit einem unüberlegten Tweet den Unmut auf sich gezogen, in dem er befand, dass wer "etwas Ordentliches" gelernt habe, auch keine drei Minijobs zum Überleben brauche. Damit offenbarte er damit eine so frappierende und arrogante Unkenntnis über die Zustände auf dem Arbeitsmarkt, dass wir doch lieber drei Minijobs hustlen, als mit einem Tauber unter einem Dach zu wohnen.
4. Gras brennt schneller, wenn man daran zieht.
Wir waren im Görli und haben gefragt. Esssss sssstimmmmmmtttt.
5. Freizeit heilt alle Wunden.
Der kleine, aber feine Unterschied ist, dass nicht jede Art von Zeit die Wunden heilt. Wer 60 Stunden im Büro oder mit seinen 3 Minijobs verbringt, wird davon bestimmt nicht gesünder, glücklicher oder psychisch belastbarer. Freie Zeit ist das Zauberwort und die ist für unsere Wunden genauso wundersam heilend wie es früher Mamas Spucke auf unseren Schrammen war.
6. Wo ein Wille ist, ist auch ein derzeit aufgrund von Bauarbeiten gesperrter Weg. Bitte folgen Sie der ausgeschilderten Umleitung.
Tatsache ist: mit dem Kopf durch die Wand ist in Berlin einfacher als einfach nur gerade aus. Kopfschmerzen bekommt man von beidem, aber letzteres kostet wesentlich mehr Zeit, Nerven, Sprit und Lebensenergie.
7. Gottes Werk und Teufels Semesterbeitrag.
Keine Studiengebühren bezahlen zu müssen, ist ganz wundervoll. Wirklich. Pro Semester 300 oder 350 Euro Semesterbeitrag zu bezahlen, der abgesehen vom Studententicket im bürokratischen Nirvana der Universitäten verschwindet, nicht. Das hat sich doch der Teufel ausgedacht (als er gerade keine Lust hatte, an seiner Hausarbeit weiterzuschreiben)!
8. Messer, Schere, Feuer, Licht und auch besser Tinder nicht.
Es ist wie früher: alles, was man nicht machen soll, ist gleich mindestens doppelt so interessant. Im Erwachsenenleben hört man dann alle stöhnen: "Tinder, pah, hab ich gelöscht. Mach das nicht. Ganz schlimm, wirklich, nur noch Reste." Und zack, hat man die App auf dem Handy. Und wer wird einem da angezeigt? Genau: diese Freunde. Tja.
9. Ausnahmen bestätigen den Pegel.
Es ist wahrscheinlich ein soziales Phänomen: die am wenigsten betrunkene Person in einer Gruppe lässt den Rest gleich 20 Prozent besoffener wirken. Am besten also direkt alle mittrinken – oder keiner, aber besser alle.
10. Smoothies sind eine Zier, doch weiter kommt man mit Bier.
So vitalstroffreich, nährend und inspirierend ein grüner Smoothie aus Spinat, Algen und einem Laubfrosch auch sein mag, zum Volksgetränk werden diese neuen, alkoholfreien 8-Euro-Cocktails nie werden. Ein ehrliches Bier ist immer noch der Türöffner für entspannte Abende und geht als Radler auch nach dem Sport. Findet bestimmt auch Detlef D! Soost.
11. Gutes Rad ist teuer.
Billige Fahrräder sind eine der Grundsäulen des Berliner Straßenverkehrs. Die Rostmühlen, die hier unterwegs sind, würden in München höchstens noch Grundschülern als abschreckende Beispiele vor dem Investment in ein Erstrad gezeigt. Gute Fahrräder sind aber eben teuer – umso mehr, wenn man dafür noch mal ein Schloss im Gegenwert einer Monatsmiete erwerben muss, damit man sie länger als eine halbe Stunde allein draußen stehen lassen kann. Vielleicht steigen wir einfach bald um auf City Roller.
Ilona Hartmann