11 Dinge, die man als Österreicher in Berlin vermisst

© Ilona Hartmann

Als Österreicherin muss man sich in Berlin schon so einiges anhören: warum ich denn nicht täglich im Dirndl herumlaufe, ob wir in der Provinz schon mit Internet versorgt seien und von den ganzen schlechten Hitlerwitzen fang ich gar nicht erst an. Und obwohl ich nach knapp drei Jahren trotzdem immer noch ganz verliebt bin in Berlin, gibt es doch so einiges, was ich hier aus meiner Heimat vermisse. Ganz oben stehen natürlich Freunde und Familie – aber auch Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, sie jemals vermissen zu können, fehlen manchmal. Diese 11 besonders:

1. Ein Bäcker, der meine Sprache spricht

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Wie schön wäre es doch, wenn man in Berlin in eine Bäckerei gehen könnte und ohne viel nachzudenken heißgeliebte Mohnweckerl, Semmerl, Kornspitz oder sogar Krustenbrot bestellen könnte. Stattdessen erntet man mit diesen Begriffen bloß ein Kopfschütteln vom Bäcker und man verlässt mit schrulligen "Schrippen", wie die Eingeborenen hier sagen, den Laden.

2. Österreichische Schimpfwörter

Die Wiener Grantler sind die Spitzenreiter unter den ewigen Nörglers Österreich, aber auch der Rest des Landes ist gut dabei im Schimpfwörter verteilen. Wohnt man in Österreich, kriegt man das ewige Sudern und Schimpfen irgendwann gar nicht mehr mit. Ist man aber auf Heimatbesuch, kann man nicht genug kriegen von den vielen "bist deppad", "hod's di?", "heast Gschissener" und "hoid di Pappn du Oaschloch". Dagegen sind die Berliner Schimpfwörter "a Schas!".

3. Die Heurigensaison

Nichts geht über einen gemütlichen Nachmittag beim Heurigen, der erst spät abends seinen Ausklang nach diversen Schnapsverkostungen findet. "A gscheide Brettljausn" mit viel Speck, Schafskäse und selbstgemachten Liptauer und "a halbe Most" lässt sich durch keinen sonst auch noch so verrückten Spätiabend im Berliner Sommer ersetzen.

4. Unbewusstes Höhentraining

An einem Tag einen 2000er erklimmen und danach in einem See auf 300m Höhe baden gehen? In Österreich kein Problem. Hier wechselt man die Höhenmeter ohne groß darüber nachzudenken und natürlich ohne Atemnot. Es gehört zum Alltag dazu und sei es nur, wenn man mit dem Auto in die Arbeit fährt und dabei einen mittelhohen Berg überwindet.

5. Die Nähe zu den Bergen

Berlin hat vieles, aber eines definitiv nicht: Berge. Und wer jetzt glaubt, mit dem Teufelsberg, der seine Höhe durch Müll gewonnen hat, kontern zu können, erhascht von mir nur ein müdes Lächeln. Egal welche Jahreszeit, ob zu Fuß, mit dem Mountainbike oder mit der Gondel, diese Stille und Magie auf einer Bergspitze kann kein Aussichtsturm und keine abgeranzte Abhörstation auf lächerlichen 120 Höhenmeter ersetzen.

6. A Sackerl für's Gackerl

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Der tägliche Hindernislauf zur Arbeit, um den unzähligen Hundehaufen auf Berlins Straßen auszuweichen könnte glatt als olympische Disziplin durchgehen. Und sind wir mal ehrlich, es müsste tatsächlich nicht sein. Es wär so einfach Berlins Straßen tretminenfrei zu halten. Nehmt euch ein Beispiel an euren Lieblingsnachbarn und führt das Sackerl für's Gackerl ein – in Österreich gibt's die Tütchen für Bellos Geschäft nämlich umsonst an jeder Ecke.

7. Der österreichische Dialekt

Egal, ob man ihn selber spricht, andere ihn ohne lästiges Nachfragen verstehen oder man einfach nur gern lauscht, wenn zwei Menschen miteinander Mundart reden: es kommt sofort Heimatgefühl auf und man ist plötzlich in einer ganz anderen Welt. Nämlich in einer grammatikfreien Zone, wo man "Es geht sie aus!" und "I bin am Weg" sagen darf.

8. Österreichs Feinschmeckerküche

Ich weiß gar nicht wo ich beginnen soll, was mir an Speisen hier in Berlin alles fehlt: Fritattensuppe, Kaspressknödelsuppe, ein richtiges Schnitzel, Schweinsbratl, Eierschwammerlgries, Kässpätzle, Germknödel, Apfelstrudel, Kaiserschmarrn, Sachertorte und und und. Klar gibt es auch in Berlin gute österreichische Lokale, aber Oma's Schnitzel schmeckt einfach bei ihr am Küchentisch am besten. Liegt vielleicht auch an der Menge Schweinefett, die sie beim Braten verwendet, aber das ist wieder ein anderes Thema.

9. Volksfeste

Als Jugendlicher hat man sie gefeiert wie hohe Feiertage, weil die Volksfeste als erster Startschuss für die Ausgehkarriere galten. Anfang zwanzig hat man sich dafür geschämt und es als uncool empfunden. Einige Jahre später und mit einiger Entfernung zum Heimatdorf wird man dann aber doch melancholisch und vermisst schon ab und zu die lustigen Volksfeste, wo man sich in Lederhose und Dirndl schmeißt und kurz vor Sperrstunde um drei (!) umarmend auf den Biertischen steht und laut zu "I am from Austria" und "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" mitsingt.

10. Würstlbuden

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Berlin ist kulinarisch sehr vielfältig, aber eine richtige Würstelbude mit Bosna, einer Eitrigen oder einer Leberkässemmel, inklusive einem 16er-Blech gibt es bis dato noch nicht. Und dabei gibt es doch nichts besseres als nach dem Feiern in eine heiße Wurst zu beißen, wo der Käse nur so rausspritzt.

11. Das Nachbarschaftsgefühl

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In der Heimat ist man oft genervt, wenn die Nachbarn einen wieder einmal bei den Eltern verpetzt haben und die dann genau wussten, wann man sich denn nachts ins Haus geschlichen hat. Hier in Berlin gibt es dieses Nachbarschaftsgefühl überhaupt nicht. Keiner weiß wer über oder unter ihm wohnt, es ist jedem egal, wann oder ob man überhaupt nach Hause kommt. Es gibt keine Nachbarschaftsgartenpartys und keinen täglichen Tratsch. Und obwohl es manchmal unheimlich ist, was die Nachbarn in der Heimat alles über dich wissen, irgendwie vermittelt das auch ein Gefühl von Sicherheit und Zusammenhalt. Zumindest wüssten meinen Nachbarn zu Hause, wer den unlängst mein Fahrrad geklaut hat.

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