11 Dinge, die man wissen muss, wenn ein Ossi mit einem Wessi zusammenzieht

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Wenn ihr denkt Ost- und West-Unterschiede sind grauer Schneematsch von gestern, dann wartet mal, bis ihr mit Jemanden von "drüben" zusammenzieht. Ich selbst bin gebürtiger "Wossi", mein Vater kommt aus dem Westen, meine Mutter aus dem Osten und vor ein par Jahren habe ich mich auch noch hoffnungslos in ein Mädchen aus Ostberlin verliebt. Ich kann also aus erster Hand bestätigen, dass an scheinbar längst überholten Klischees immer noch etwas Wahres dran ist.

1. Für den Ossi sind "Schuhe aus" in Wohnräumen ein heiliges Gesetz

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Die Heimeligkeit stellt sich für sie erst ein, wenn die ollen Straßentreter gegen unfassbar hässliche Pantoffeln getauscht werden. Der Wessi hingegen stürmt gerne mal auf hohen Absätzen in die Wohnung, denn er ist "voll im Stress" und hatte sein Leben lang immer eine starke Putzkraft an seiner Seite. Hier gibt es ein besonders hohes Konfliktpotenzial.

2. Beim Essen scheiden sich die Geister

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Der Wessi lässt sich traditionell gerne alles liefern. Die lauwarme Pizza mit diversen Speichelresten gehört schon seit Generationen zu einer seiner Grundnahrungsquellen. In der DNA des Ossis ist hingegen der Mangel tief verankert. So ist die "Stulle mit watt druff" meist das kulinarische Highlight des Tages. Ein gemeinsamer Essensplan ist somit ratsam.

3. Wenn die Eltern kommen, bleiben sie auch über Nacht

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"Wir haben Schlafsäcke mit." Völlig klar, dass Vati und Mutti Ost über Nacht bleiben. Eine absolute Selbstverständlichkeit für die Deutschen, wo die Sonne etwas früher aufgeht. Der Wessi hingegen kennt fast immer um die Ecke "ein super sweetes Hotel, wo ihr euch total wohl fühlen werdet." Hier gewinnt in der Regel der oder die Stärkere.

4. Beim Biertrinken gibt es fast überschäumende Unterschiede

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Was viele nicht wissen, in der DDR wurde das Bier meist auf Zimmertemperatur ausgeschenkt. Ein abgehoben kaltes Bier war den arroganten Westlern vorbehalten. So kann es auch heutzutage in einem Ost-West-Haushalt immer noch passieren, dass der Kasten zwischen Heiz- und Kühlkörper hin- und hergeschoben wird.

5. Die Gastgeberrolle wird sehr unterschiedlich interpretiert

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Die Wessis haben den kleinen Vorteil, dass sie von den Gastarbeitern aus der Türkei, Griechenland oder Italien schon länger lernen konnten, was Gastfreundschaft wirklich bedeuten kann. In ostdeutschen Restaurants wurde man jedoch früher rumkommandiert, anstatt hofiert. Das blieb nicht ohne Folgen: Der Wessi darf sich also auch heute nicht wundern, wenn der Ossi die Gäste mit "Sie werden platziert" begrüßt.

6. Die Nachbarschaft ist nah und fern

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Wenn man heute Menschen fragt, die noch als Erwachsene den Sozialismus in Deutschland erlebt haben, was das Schönste damals war, dann bekommt man meist die Antwort, dass der Zusammenhalt in der Nachbarschaft so stark ausgeprägt war. "Man hat sich geholfen." Der Westdeutsche sieht hingegen die Perfektion des Nebeneinanders darin, dass man sich möglichst nicht in die Quere kommt. Es ist also ratsam, sich vor dem Einzug eine gemeinsame Taktik im Umgang mit den Leuten von Nebenan zurechtzulegen.

7. FKK im Wohnzimmer gibt es auch, wenn Besuch da ist

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Die Freikörperkultur der DDR-Bürger ist legendär. Sogar schwer pubertierende Heranwachsende wurden von ihren Eltern nackt über den Zeltplatz gezerrt. "Nackt sein ist doch das Normalste der Welt." Der Wessi hingegen wurde sehr stark von einem perfekten Schönheitsideal geprägt. So dürfen aus ihrer Sicht nur Menschen mit einem Körpermaß von 90/60/90 sich hüllenlos vor Allen präsentieren. Dies gilt auch für das gemeinsame Wohnzimmer.

8. Der Streit um die Fernbedienung ist vorprogrammiert

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Lippert oder Gottschalk? Diese Frage stellt sich heutzutage glücklicher Weise nicht mehr. Dennoch gibt es auch im Unterhaltungssegment durchaus abweichende Vorstellungen. Der total amerikanisierte Westler wünscht sich auch heute noch am liebsten ein synchronisiertes "Happy End", z.B. in New York. Der Ostler lässt sich in der Regel lieber von einer ihm vertrauten Handlung und Umgebung verwöhnen, z.B. "Mord in der Uckermark". Es macht also Sinn beim Streamingdienst eurer Wahl darauf zu achten, dass auf zwei Geräten gleichzeitig unterschiedlicher Inhalt abgespielt werden kann.

9. Achte auf deinen Einkaufswagen

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Beim Einkauf werden alte Wunden richtig aufgerissen. Dass es früher im Konsum nur 3 Kartoffeln und 2,5 Zwiebeln und im Reichelt Südfrüchte bis zum Abwinken gab, ist immer noch nicht komplett überwunden. So kann es heute passieren, dass ein Ossi sich im Supermarkt den Einkaufswagen eines anderen stibitzt, um nicht unter Futterneid zu leiden.

10. An Weihnachten trifft Wham auf Frank Schöbel

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Spätestens an diesem Tag trennt sich die ostdeutsche Spreu vom westdeutschen Weizen. Fondue (eine übertrieben französische Aussprache ist sehr wichtig) trifft auf Kartoffelsalat mit Eberswalder Würstchen. "Last Chrismas" von Wham trifft auf Gemütlichkeitsschlager von Frank Schöbel. Ein opulenter Weihnachtskranz trifft Schwibbögen aus dem Erzgebirge. Hier bedarf es einiger Planung und Kompromisse – notfalls in getrennten Wohnzimmern.

11. Besser nicht über Politik sprechen

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Ob man will oder nicht, man ist auch politisch von seinen Eltern geprägt. "Es war nicht alles schlecht, was die SED gemacht hat", sagte Vati Ost immer. "Als noch in Bonn regiert wurde, lief der Laden besser", sagte Papa West. Wer denkt, das ginge spurlos an einem vorbei, findet sich schnell in einer schwierigen Grundsatzdiskussion wieder.

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