Fu Gee La #21 – Studienangebote für Geflüchtete an Berliner Unis, Angriffe 2015 um 45 Prozent gestiegen

10. Februar 2016. Jede Woche gibt es neue Nachrichten zu der Flüchtlingssituation in Berlin. Deshalb informieren wir euch hier wöchentlich über die aktuellen Geschehnisse rund um Flüchtlingspolitik und soziales Engagement. Bei “Stil in Berlin” könnt ihr diesen Beitrag auch auf Englisch lesen.

Zahl der Woche

21.000 | 21.000 Euro hat die Staatsoper Berlin in den letzten Wochen gesammelt, um Mobait Hilft mit Medizin, Essen, Regenjacken, Decken und Zugtickets zu unterstützen.

Wie läuft’s beim LAGeSo?

Der Senat sagt, dass fast alle angekommenen Geflüchteten registriert seien; nur Einige sind bisher durch das Raster gefallen, besonders diejenigen, die privat untergebracht sind.

Moabit Hilft erhält noch immer Drohungen, nachdem ein Helfer den Tod eines Syrers erfand. Viele andere Hilfsorganisationen wie Pro Asyl und Flüchtlingsrat Berlin haben in einem offenen Brief ihre Solidarität bekundet.

Wer nicht drin steckt, weiß es immer besser. Viele Beobachter haben bereits Vorschläge gemacht, wie man die Prozesse am Lageso verbessern kann. Anja Lüthy, ein Professorin für Management und engagierte ehrenamtliche Helferin, würde den Laden am liebsten selbst übernehmen. Sie hat jetzt gegenüber der ZEIT erklärt, was sie ändern würde: Digitalisierung, effiziente Strukturen, mehr Personal und ein Schichtsystem. Dass das nicht so einfach umzusetzen ist, wird Lüthy bewusst sein. Ein Anfang wäre aber, wenn der Senat ihr mal zuhören würde.

Was macht die Politik?

Der angebliche Deal der Stadt mit einer Hotelkette zur Unterbringung von 5000 Geflüchteten wirft noch immer Fragen auf. Der Tagesspiegel schreibt, dass einer Berliner Unternehmer mit einem etwas zweifelhaften Ruf die Verhandlungen initiierte. Der Deal wird mittlerweile auch aufgrund der hohen Kosten kritisiert.

Es ist nicht verwunderlich, das gewiefte Unternehmer das Fehlen von genügend Unterkünfte ausnutzen. Die Berliner Zeitung schreibt, dass immer mehr Vermieter ihre Wohnungen an Geflüchtete vermieten. Der Grund: Wohnungen an bedürftige Menschen zu vermieten, bringt mehr Geld ein, als sie dem regulären Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen. Denn das Lageso zahlt pro Person 50 Euro pro Tag zur Unterbringung.

Ein weiterer Grund für die Dringlichkeit bei der Unterkunftssuche sind auch die zum Teil schlechten Zustände der Quartiere. Kreuzberg hilft macht gerade auf die extrem schlechten Zustände in zwei ehemalige Turnhallen aufmerksam, die von der Akzente-Sozial UG betrieben werden. Die Geflüchteten schliefen dort auf Feldbetten, hätten keine Privatssphäre und würden von dem Betreiber auch nicht mit Lebensmitteln oder hygienischen Artikeln versorgt, wofür die UG eigentlich aufkommen müsste.

Im Gegensatz zur hohen Hilfsbereitschaft in Berlin, gibt es aber auch immer wieder Angriffe auf Geflüchtete und Unterkünfte. Die Berliner Morgenpost hat in einer Chronologie alle Anschläge im Jahr 2015 gesammelt, die zeigt, dass die Zahl der Angriffe um 45% gestiegen ist. Glücklicherweise wurden bisher keine Person verletzt, auch wenn in den meisten Fällen die Identität der Angreifer nicht geklärt werden konnte.

Gibt es auch schöne Geschichten?

Letzte Woche hat die Regierung ein Gesetz verabschiedet, dass es Geflüchteten erschwert, ihre Familie nach Deutschland zu holen. Eine etwas ungewöhnliche Art diesen recht inhumane Restriktion zu umgehen, ist die sogenannte "Verpflichtungserklärung" eines deutschen Staatsbürgers für eine fremde Person oder Familie, mit der man sich bereit erklärt, für alle anfallenden Kosten aufzukommen. Die Berliner Organisation Flüchtlingspaten Syrien konzentriert sich genau darauf: Sponsoren und Paten zu finden, Spenden zu sammeln und Syrern die Flucht aus dem Krieg zu ermöglichen. Bisher haben sie 40 Familien gerettet. Und jede Woche kommt eine gute Geschichte dazu, wie die von der Familie im Video des RBB.

Um die Flüchtlingspaten zu unterstützen, müsst ihr nichts unterzeichnen; Spenden an Paten sind sehr willkommen, genauso wie die Hilfe bei der Ankunft von Familien. Dazu gibt es diesen Donnerstag ein Meeting und Kennenlerntreffen.

Familiennachzug macht glücklich – hier ist das Beweisfoto ;-) Morgens noch an Heckenschützen und Milizen vorbei durch...

Posted by Flüchtlingspaten Syrien on Sunday, 7 February 2016

So kannst du diese Woche helfen

Moabit Hilft bietet jetzt Deutschkurse an und sucht nach Lehrern. Wenn ihr interessiert seid, sind auch die freien Online-Kurse von SAP für zukünftige, ehrenamtliche Deutschlehrer sicher hilfreich. Außerdem wird am Lageso noch immer warme Winterkleidung und hygienische Produkte benötigt.

In der Unterkunft der Malteser im ehemaligen C&A in Neukölln fehlt ein bisschen lebensfrohe Farbe an den WändenSpenden zum Kauf von Farben sind willkommen.

Spandau Hilft sucht nach Betreuern am BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Berliner Universitäten bieten immer mehr Angebote für Geflüchtete an, weil es für diese immer noch schwer ist, ein Studium in Deutschland aufzunehmen. Die HU ist jetzt zum Beispiel Gasthörerschaften dabei; die UdK hat Kurse in Kunst und Design im Angebot. Und ab dem 1. April 2016 können Flüchtlinge als Gasthörer kostenlos an ausgewählten Lehrveranstaltungen der HWR teilnehmen.

Engagieren
Infos und Links zu einzelnen Flüchtlingsinitiativen Berlins findet ihr auf der Seite des Flüchtlingsrats Berlin und bei bürgeraktiv – das Engagementportal. Bei Volunteer Planner könnt ihr euch als freiwilliger Helfer an einer der zahlreichen Unterkünfte registrieren. Hier findet ihr alle aktuellen Bedarfslisten der Unterkünfte. Und Jule Müllerhat einen Leitfaden für diejenigen geschrieben, die helfen wollen, aber nicht wissen, wie.


Der Titel dieser Serie stammt von dem Fugees-Song “Fu Gee La”Das ist letzte Woche passiert.

Titelfoto: © Taylor nicole/Unsplash

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