Fahrradfahren als politisches Statement – die Critical Mass unterwegs in Berlin

Heute findet die allmonatliche Critical Mass statt, ein Protest, bei dem sich scheinbar unorganisiert und zufällig hunderte Fahrradfahrer treffen. Was wie anarchischer Spaß auf Rädern aussieht, hat aber – zumindest zum Teil – politischen Hintergrund: Es geht um die Zurückeroberung öffentlichen Raums, um die Frage, wem der öffentliche Raum überhaupt gehört und ob er, gerade was die Verkehrssituation betrifft, gerecht verteilt ist. Denn Fahrradfahrer haben es auf Berlins Straßen oftmals schwer. Was ihr bei dem CM-Ride heute beachten müsst, darüber haben wir mit einer Teilnehmerin gesprochen.

1. Worum geht es bei Critical Mass?
Bei der CM geht es darum, ein Zeichen für die Radfahrer im Straßenverkehr zu setzen und die Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer anzuerkennen. Wer schon einmal auf Berliner Straßen unterwegs war, wird gemerkt haben, dass es nicht selten zu brenzligen, teils gefährlichen Situationen kommen kann.

2. Was kritisiert ihr am Berliner Radnetz bzw. wie politisch ist die Critical Mass überhaupt?
Ich habe durch einen Freund von der CM erfahren und zuerst aus reinem Spaß mitgemacht. Es ist aber notwendig, auf die Belange der Radfahrer zu pochen. Die Fahrradwege, falls vorhanden, werden oft zugeparkt. Autofahrer sind ungeduldig, oft aggressiv und nutzen ihren Stärkevorteil aus. Sicherlich machen aber viele auch nur zum Spaß mit. Da wird Bier getrunken und mit Leuten gequatscht. Was spricht dagegen, politisches Statement mit Spaß zu verbinden?!

3. Wer steckt dahinter?
Das kann ich nicht genau beantworten. Ob ein Verein oder Radclub dahinter steckt, ist mir nicht bekannt. Die CM ist jedenfalls nach und nach durch Mundpropaganda und Verbreitung auf sozialen Netzwerken größer geworden.

Critical Mass – (c) Hannes Kutza

4. Wer darf mitfahren?
Es darf jeder mitfahren, der ein Fahrrad besitzt und dieses fahren kann. Auch Kinder.

5. Wie funktioniert das mit so vielen Radfahrern auf einem Haufen?
Grundsätzlich ist jeder angehalten, sich eigenverantwortlich zu verhalten. Die, die vorne fahren, sollten nicht zu schnell fahren. Das ist nicht immer gegeben, weil sich in einer so großen Gruppe eine eigene Dynamik entwickelt. Die hinteren Fahrer sollen wiederum zügig fahren und dafür sorgen, dass keine großen Lücken entstehen. Jeder Fahrer sollte aggressiven Autofahrern immer mit Ruhe entgegentreten oder diese einfach ignorieren.

6. Wie viele Radfahrer waren an der bisher größten Tour beteiligt?
Die Mai-CM war mit 1500 Radlern meine bislang größte. Der Juni-CM konnte ich nicht beiwohnen, da kamen mir aber, dank guten Wetters, eine Zahl von 3500 zu Ohren. Das ist aber immer eine Schätzzahl. Sicher ist: Es sind viele und es werden immer mehr!

Die Critical Mass startet heute um 20 Uhr am Mariannenplatz.

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Bei der Critical Mass gibt es übrigens keinen Leiter, der im Zweifelsfalls vor dem Gesetz rechtlich verantwortlich ist. Die Fragen hat uns die Mitfahrerin Jolle beantwortet.

Titelfoto: Critical Mass Berlin
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