ARTVERGNÜGEN #9 Gallery Weekend Special und ein bisschen Biennale

Gallery Weekend Special

Der richtige Zeitpunkt für Urlaub in Berlin? Jetzt. Am Freitag eröffnen Ausstellungen in 51 Galerien zum Gallery Weekend und als wäre das nicht schon genug auch noch die Biennale. Mögliche Reaktion: absolute Kapitulation. Aber die Macher nehmen den potenziellen Verweigerern den Wind aus den Segeln und die Besucher bestmöglich an die Hand: Plan your Gallery Weekend ist eine geographische Sortierung teilnehmender Galerien in Mitte, Kreuzberg und rund um die Potsdamer Straße. Und auch wir versuchen euch einen kleinen Überblick zu geben. In vertrauter Manier, möchte ich euch heute ein paar vermutete Highlights mit auf den Weg geben.

RUND UM DIE KOCHSTRASSE

Douglas Gordon @ Niels Borch Jensen, Lindenstraße 34: Es herrschten nicht die einfachsten Lichtbedingungen am 12.April 1999, dem Tag der Sonnenfinsternis. Pressefotografien inszeniert Gordon nun, in eine Soundlandschaft eingebettet, als Kampf von Gut und Böse, für welchen die Eklipse zum Sinnbild wurde.

Katharina Grosse ‘They Had Taken Things Along To Eat Together @ Johann König, Dessauerstraße 6-7: Es sieht aus als hätte man den Farbregler bei Karla Black um ein paar Stufen nach oben gezogen. Black hübscht den Raum auf mit Make Up und Zuckerpapier, Grosse erobert ihn mit Acrylfarbe, Beton und Erde.

Zaha Hadid @ Buchmann Galerie, Charlottenstraße 13: Ihre Gebäude und Entwürfe sind Ikonen einer anbrechenden Zeit.

RUND UM DIE POTSDAMER STRASSE

Matt Mullican @ Klosterfelde, Potsdamer Straße 93: ‘Making order out of disorder’ lautet seine Devise.  Sinnproduktion und Systematisierung fallen als weitere Stichworte. Regelmäßig begibt sich Mullican durch Hypnose in einen Zustand erhöhter Wahrnehmung um eine neuartige Ordnung hinter Objekten zu erkennen und, wie hier, auszustellen.
Fr. 27.04, 18-21 h. Ausstellung bis 30. Juni

The Big Inexplicable Paravent Illusion PT.1 (Group Show) @ Isabella Bortolozzi Galerie, Schöneberger Ufer 61: Die Mitmieter, der Magische Zirkel Berlin, spielen mit: zwischen Installationen, Fotografien und Videos fesseln magische Showeinlagen.
Fr. 27.04, 16 – 21 h. Ausstellung bis 06. Juni

RUND UM DEN ALEXANDERPLATZ

Robert Longo ‘STAND’ @ Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45 : ‘Moby Dick’ birgt den genetischen Code Amerikas und bildet damit den Grundstein des Ausstellungskonzepts. Ein Video der synchronen Lesung durch 50 Performer steht Seite an Seite mit einer „Peepshow amerikanischer Pornographie“ und ist gebettet in amerikanisch-nationalistische Symbolik.
Fr. 27.04, 18-21 h. Ausstellung bis 16. Juni

RUND UM DEN ROSENTHALER PLATZ

Julian Schnabel @ Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10: Schnabel macht neo-expressionistische  Kunst, dreht beklemmende Filme wie Schmetterling und Taucherglocke und erbaut surreal anmutende Paläste. In den letzten Jahren zwingen ihn Geldsorgen Teile des Gesamtkunstwerks Palazzo Chupi zu verkaufen, wovon z.B.Richard Gere profitiert.
27 April bis 28. Juli

Rikrit Tiravanija ‘untitled, 2011 (freedom can not be simulated) @ Neugerriemschneider, Linienstraße 155: Regelmäßig lädt Tiravanija zum Dinner-Happening. Dieses Mal geht es um die Wurst: „ALLES REIN, und dann, anstelle des fleisches, das buchpapier nehmen!“ (Dieter Roth an Hanns Sohm, 1964)
Fr. 27.04, 18-21 h. Ausstellung bis 30. Juni

Jenny Holzer ‘Endgame’ (u.a.) @ Sprüth Magers, Oranienburger Straße 118: Bekannt wurde Holzer mit der Projektion sogenannter ‘Truismen‘, also Binsenwahrheiten, im öffentlichen Raum. Ähnliche politische Narrationen, offizielle Dokumente aus Kriegsgebieten und Autopsie-Berichte, vereinnehmen nun unter anderem als LED Installation den Raum.
bis 16. Juni

Martin Boyce ‘In Praise of Shadows’ @ Johnen Galerie, Marienstraße 10: 2011 wurde der Schotte Martin Boyce für seine Installation mit dem Turner Price, dem Preis für zeitgenössische britische Kunst, ausgezeichnet. Zu recht? Tbd.
Fr. 27.04, 18-21 h. Ausstellung bis 23. Juni

Wer es nicht so mit dem echten Leben hat, dem wird zum ersten Mal ein Virtual Gallery Weekend angeboten. Diese blühende virtuelle Kunstwelt ist wohl ein Nachlass der Second Life-Ära. Unternehmen und kulturelle Einrichtungen haben diese aber durchaus als Lehrstube verwendet und begonnen, ähnliche aber eigenständige Abbildungen ihrer Räume im Netz zu errichten. Heute gibt es nicht nur virtuelle Museen sondern auch Messen; letztere, so das Learning, funktionieren online, beraubt ihres physischen Erlebniswertes, allerdings nicht. Als Guide zu den aktuellen Ausstellungen aber kann der virtuelle Rundgang ein wirklich gutes Tool sein.

BIENNALE

Die Biennale im Abspann zu behandeln ist eigentlich pure Blasphemie. Ein Special wird kommen, geduldet euch nur noch zwei Wochen und verpasst bis dahin nicht die Eröffnung. Bereits seit geraumer Zeit markiert der Event den Stadtraum: Die weißen Zeichnungen in diversen Schaufenstern entlang der August-, Gips- und Tucholskystraße habt ihr gesehen? Diese gehören zur Aktion “Happy New Fear” des Bureau Mario Lombardo und verbildlichen die kuratorische Frage der Biennale, “Wie kann sich eine schriftliche Aussage verändern, je nach nachdem in welchem Kontext sie steht?”, und im übertragenen Sinn die Frage ob sich Kunst in gegenwärtige politische Debatten einmischen sollte.

Biennale Eröffnung im KW Institute for Contemporary Art am 27. April, 19 – 22 Uhr Auguststraße 69, 10117 Berlin

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